Kurzfassung

Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss fährt trotz Rekordpassagierzahlen ein Viertel weniger Gewinn ein als im Vorjahr. Grund sind volatile Märkte, steigende Kosten und eine angespannte Sicherheitslage im Nahen Osten, die zur Streichung von Flügen nach Dubai und Tel Aviv zwingt. CEO Jens Fehlinger nennt konkrete Faktoren: US-Zölle drücken die Nachfrage, Kerosinpreise steigen, und die Airline kann nicht alle gekauften Flugzeuge nutzen – weil Triebwerke fehlen oder Piloten rar sind. Gleichzeitig gilt Swiss als Gewinntreiber der Lufthansa-Gruppe und investiert massiv in Premium-Service und nachhaltige Technologien.

Personen

Themen

  • Geopolitische Risiken – Naher Osten
  • Finanzielle Performance & Profitabilität
  • Personalverhandlungen & Arbeitsbedingungen
  • Klimaziele & Nachhaltige Treibstoffe
  • US-Zölle & Marktvolatilität

Clarus Lead

Die Swiss steht unter Druck: Obwohl 2025 Rekordpassagierzahlen flogen, fiel der Gewinn um 25 % auf knapp 500 Millionen Franken. CEO Fehlinger führt dies auf ein volatiles Marktumfeld, explodierende Betriebskosten und die neue Kriegslage im Nahen Osten zurück. Unmittelbare Folge: Flüge nach Dubai (geplant ab 11. März) und Tel Aviv (frühestens 22. März) sind gestrichen. Für Entscheidungsträger relevant: Die Krise offenbart strukturelle Anfälligkeit der europäischen Luftfahrt gegen geopolitische Schocks – und die Grenzen von Effizienzgewinnen gegen Kostensteigerungen.

Detaillierte Zusammenfassung

Kriegssituation und operative Konsequenzen

Die neue Eskalation im Nahen Osten zwingt Swiss zur drastischen Routenreduktion. Fehlinger betont, dass Sicherheit an erster Stelle steht: Für Dubai-Flüge braucht es einen stabilen Flughafen, funktionierende Flugsicherung und – idealerweise – einen Waffenstillstand. Am 6. März als Interviewdatum war ein Neustart am 11. März „wahrscheinlich kein realistisches Szenario". Tel Aviv bleibt bis mindestens 22. März gesperrt. Parallel musste Swiss eine Evakuierungsmission organisieren: 211 Schweizer wurden von Dubai über den Oman nach Zürich zurückgeflogen – ein 40-köpfiges Team arbeitete rund um die Uhr daran. Ein weiterer Ölflug über Edelweiss folgte am Wochenende. Von geschätzten 5000 gestrandeten Schweizern konnte damit nur ein Bruchteil evakuiert werden.

Finanzielle Auswirkungen und Kostenspiele

Das Vorjahresergebnis (690 Millionen Franken) wird nicht erreicht. Fehlinger nennt ein Bündel von Gründen: (1) US-Markt: Buchungen kamen deutlich kurzfristiger, die Nachfrage sank. (2) Billigkonkurrenz: Europäische Low-Cost-Airlines drücken Preise. (3) Steigende Gebühren: Flugsicherheitsgebühren sind massiv gestiegen. (4) Umweltkosten: Diese verdoppeln sich jährlich. (5) Flugzeug-Ausfälle: Triebwerke in Überholung und Pilotenmangel halten Kapazitäten am Boden. (6) Treibstoff: Zwar gab es 2024 Entlastung durch niedrigere Ölpreise, doch jetzt steigen die Preise wieder. Swiss hedgt teilweise durch Advance-Treibstoffkäufe (Fuel Hedging), kann aber steigende Kosten nicht vollständig abfedern.

Piloten-Konflikt und Tarifverhandlungen

Das Kernproblem: Piloten kündigten den Gesamtarbeitsvertrag Ende 2025, weil versprochene Verbesserungen ausblieben – insbesondere bezüglich Planbarkeit des Privatlebens. Fehlinger gesteht ein, dass man „zu viel Hoffnung" in Teilzeitmodelle und Dienst-Einflussmöglichkeiten gesetzt hatte, die technisch nicht umsetzbar waren. Ab April beginnen die Verhandlungen. Über 50 % der Cockpit-Crew arbeitet derzeit nicht 100 %. Fehlinger will mehr Vollzeitpiloten, um Flugzeuge in die Luft zu bringen – das bleibt aber „individuelle Entscheidung". Die Lufthansa-Gruppe als Mutterkonzern profitiert: Swiss ist die Gewinn-Kuh und trug zuletzt ein Viertel zum Gruppengewinn bei.

Nachhaltige Treibstoffe und Klimaziele

Swiss verpflichtet sich zur Emissionshalbierung bis 2030 (vs. 2019-Basis). Konkrete Massnahmen: neue Flugzeuge (Airbus 350) senken CO₂ um 25 %, effiziente Flugpfade, Optimierung von Höhe/Geschwindigkeit. Im letzten Jahr führte Swiss als erste Airline einen synthetischen Kraftstoff-Tank ein (mit Sinhilion). Doch die Skalierung stockt: Sustainable Aviation Fuel (SAF) kostet 3–10× mehr als Kerosin, Kunden zahlen nicht freiwillig Premiums, und 2026 ist nur 2 % SAF-Beimischung regulatorisch vorgeschrieben. Ein kleines Plus: Haischuppen-förmige Oberflächenfolien (Lufthansa-Technik) sparen bis zu 1 % Luftwiderstand pro Langstreckenflug.

Kernaussagen

  • Gewinn um 25 % gesunken trotz Rekordpassagierzahlen – ein Zeichen, dass Volumen nicht Profitabilität garantiert
  • Geopolitische Schocks sind unmittelbar operativ: Naher-Osten-Krieg sperrt Schlüsselrouten, erzwingt Umweglüge und Treibstoffkosten
  • Strukturelle Kostenkrise: Flugsicherheitsgebühren, Umweltauflagen und volatile Kerosinpreise überlagern Effizienzgewinne
  • Pilotenmangel ist operativ kritisch: Über die Hälfte der Cockpit-Crew in Teilzeit; Tarifverhandlungen ab April entscheidend
  • Nachhaltige Treibstoffe sind noch nicht skalierbar: SAF bleibt 3–10× teurer; 2 % Pflicht-Beimischung reicht nicht für Klimaziele
  • Swiss als Konzern-Gewinnmaschine: Trug ein Viertel zum Lufthansa-Gewinn bei, trotz rückläufiger Rentabilität

Kritische Fragen

  1. Evidenz/Datenqualität: Fehlinger nennt „über 5000 gestrandete Schweizer" im Oman, evakuiert aber nur 211 in der ersten Mission. Auf welcher Quelle basiert die 5000er-Zahl, und wie wird sie regelmässig aktualisiert? Sind das registrierte Anfragen beim EDA oder nur Schätzungen?

  2. Interessenskonflikte: Swiss ist zu 51 % im Besitz der Lufthansa-Gruppe. Inwiefern beeinflussen Gruppenvorgaben (z. B. zur Rentabilität oder zu Investitionen) Fellingers Entscheidungen unabhängig von Schweizer Interessen – etwa bei der Priorität von Premium-Segmenten?

  3. Kausalität – Gewinnrückgang: Fehlinger führt das -25%-Ergebnis auf „volatiles Marktumfeld" und „steigende Kosten" zurück. Wie viel Prozent des Rückgangs ist auf das USA-Marktgeschäft zuzurechnen, wie viel auf europäische Konkurrenz, und wie viel auf Personalkosten? Eine Quantifizierung würde die Aussage überprüfbar machen.

  4. Umsetzbarkeit von Klimazielen: Ziel ist Emissionshalbierung bis 2030. Aktuell tankt Swiss 2 % SAF (regulatorisch vorgegeben), synthetische Treibstoffe sind 3–10× teurer. Welche konkreten Massnahmen (Preis, Politik, Tech) müssen eintreten, damit 2030 auch tatsächlich 50 % weniger CO₂ pro Flugkilometer ausfallen?

  5. Personalplanung unter Druck: Über 50 % der Piloten sind in Teilzeit. Fehlinger sagt, das seien „individuelle Entscheidungen", verhandelt aber mit der Gewerkschaft darüber, mehr Vollzeit-Stellen zu schaffen. Sind Teilzeit-Modelle tatsächlich freiwillig, oder wurde Druck ausgeübt, um Kosten zu senken?

  6. Nachhaltigkeit vs. Geschäftsmodell: Swiss bewirbt Flüge Zürich–Barcelona für 100 Franken, obwohl die Bahn nachhaltiger ist. Fehlinger argumentiert mit Reisezeit (3,5h Bahn vs. 2h Flug inkl. Umsteigen). Wurde eine Kostenwahrheit-Analyse (inkl. CO₂-Externalitäten) durchgeführt, ab welchem Ticketpreis die Bahn konkurrenzfähig wäre?

  7. Geopolitische Risikomodelle: Fehlinger arbeitet mit einem Krisenstab und Lufthansa-Gruppe zusammen. Welche Frühindikatoren hätten ein Früh-Booking-Verbot nach Dubai/Tel Aviv rechtfertigen können – und warum wurde dieses Risiko nicht an Kunden kommuniziert, bevor die Krise eskalierte?

  8. Wachstum vs. Effizienz: Fehlinger verspricht „profitables Wachstum" für 2026/2027, um mehr Flüge selbst zu fliegen (statt via Wetleys-Partner). Wie wird dieses Wachstum realisiert (Neurouten, höhere Frequenz, grössere Flugzeuge), wenn gleichzeitig Pilotenengpässe bestehen und Triebwerke überhoben werden?


Weitere Meldungen

  • Evakuierung im Nahen Osten: Edelweiss und Swiss koordinieren Rückflüge; etwa 5000 Schweizer noch im Ausland gestrandet.
  • Routing-Engpässe: Neben Nordpol-Route und Türkei–Aserbaidschan-Korridor nur noch Saudi-Arabien-Weg nach Asien; Aserbaidschan-Drohnenanschläge könnten diese knapper machen.

Quellenverzeichnis

Primärquelle:

Tagesgespraech radio – Jens Fehlinger (Swiss-CEO) im InterviewSRF Radio (Aufzeichnung 7. März 2026, Ausstrahlung 8. März 2026)

Verifizierungsstatus: ✓ 2026-03-09


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt.
Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 2026-03-09