Kurzfassung

Zum Jahresstart 2026 analysiert Handelsblatt Today die ersten Marktbewegungen und globalen Wirtschaftstrends. Der DAX startet moderat mit 0,3-0,4% Gewinnen, während asiatische Märkte wie der Hang Seng Index deutlich zulegen. Carsten Brzeski, Global Head of Macro Research bei der ING, beschreibt die Weltwirtschaft 2026 mit kulinarischen Metaphern: Trotz geopolitischer Spannungen und Handelskonflikte erwartet er ein stabiles Wachstum. Die KI-Investitionen bleiben ein Wachstumstreiber, während Regierungsprogramme die Konjunktur stützen. Deutschland könnte nach stagnativen Jahren endlich wieder Wachstum erleben – wenn die Investitionsmittel aus der „Ketchupflasche" endlich fliessen.

Personen

Themen

  • Börsentrends und Marktausblick 2026
  • Geopolitische Risiken und Wirtschaftswachstum
  • KI-Investitionen und Bewertungsblasen
  • Inflation und Zinserwartungen
  • Deutsche Wirtschaftspolitik

Detaillierte Zusammenfassung

Marktauftakt 2026: Moderat, aber hoffnungsvoll

Das neue Börsenjahr startete gedämpft. Der DAX legte zum Handelsstart 0,8% zu, fiel dann aber auf 0,3-0,4% zurück. Der S&P 500 stieg 0,5%, der Nasdaq 100 deutlich stärker um über 1%. Die geringe Handelsaktivität – viele Investoren waren noch im Urlaub nach Silvester und Neujahr – führte zu unterdurchschnittlichen Volumina. Echte Erkenntnisse zum Börsenjahr 2026 werden erst am Montag möglich sein, wenn das Handelsvolumen anzieht.

Asiatische Märkte führen: China und Technologie im Fokus

Deutlich stärker entwickelte sich der Hang Seng Index in Hongkong mit fast 3% Gewinnen. Chinesische Technologiekonzerne wie Tencent und Alibaba legten über 4% zu. Der KI-Boom befeuert die Hoffnungen: Der KI-Chip-Entwickler Shanghai Byron Technology verdoppelte sich am ersten Handelstag. Deutsche Anleger partizipieren indirekt über Schwellenländer-ETFs wie den MSCI Emerging Markets, wo China einen 22%-Anteil hält. Dieser ETF stieg um 2%.

Deutsche Rüstungsaktien: Konjunktursensibel für Frieden und Krieg

Rüstungsaktien zeigen eine bemerkenswerte Volatilität: Sie steigen bei negativen Nachrichten zu Friedensgesprächen (Ukraine-Russland), fallen bei positiven Signalen. Hensoldt legte 3% zu, Rheinmetall 0,5%. Die Analysten führen dies auf privatanlegergetriebene Stimmungsschwankungen zurück. Fundamental sind die Auftragsbücher unabhängig vom Ukraine-Konflikt voll, da westliche Länder massiv in ihre Verteidigungsfähigkeit investieren.

Chipsektor glänzt: iXtron und Süss Microtech profitieren

Chipaktien und Chipausrüster zeigten starke Performance. iXtron sprang um über 10%, Süss Microtech um 6%. Letzteres plant ein bis zu 45 Millionen Euro teures Entwicklungszentrum in Deutschland (nicht wie üblich in Asien) als Teil einer Innovationsinitiative mit zehn geplanten Produktneueinführungen in zwei Jahren.

Edelmetalle: Korrekturen nach Rekorden

Nach phänomenalen Gewinnen 2025 (zweistellig bei Gold, dreistellig bei Silber) gab es zu Wochenbeginn heftige Verluste. Diese waren teils Gewinnmitnahmen, teils bedingt durch höhere Sicherheitsanforderungen für Edelmetall-Futures an der Börse Chicago. Gold legte 1% zu, Silber 3-4%. Marktkommentare bewerten die Korrektur als gesund und notwendig – der Markt war „heiss gelaufen".

Carsten Brzeski: „The Bear" als Metapher für die Weltwirtschaft 2026

Carsten Brzeski, Global Head of Macro Research bei der ING, nutzt die amerikanische Serie „The Bear" als Metapher: In der Küche herrscht Chaos, Stress und Panik – aber vor den Gästen wird am Ende ein ordentliches Michelin-Sterne-Mahl serviert. So auch 2026: Geopolitische Verschiebungen, Handelskonflikte, Rezessionsängste prägen die Szene, doch im Basisszenario bleibt die Weltwirtschaft stabil und liefert ein „gutes Gericht".

USA: Stabiles Wachstum trotz K-förmiger Konjunktur

Die USA wuchsen 2025 im dritten Quartal 4,3%. Doch die Realität ist gespalten: Eine „K-förmige Konjunktur" bedeutet, dass 20% der amerikanischen Bevölkerung 80% des Konsums trägt. Der Arbeitsmarkt kühlt ab, Privatwirtschaft schafft kaum neue Stellen. Donald Trump wird zur Stützung vor den Midterm-Elections 2026 Konjunkturschecks (sogenannte „Zollrabatte") verteilen. Dies sollte ab Jahresmitte zu wieder 2% BIP-Wachstum führen.

Fed-Nachfolge: Weniger dramatisch als befürchtet

Jerome Powell tritt im Mai ab. Kevin Hassett oder Kevin Walsh könnten nachfolgen – beide Trump-nah. Brzeski warnt vor Hysterie: Auch Powell wurde von Trump ernannt und hat sich als unabhängig erwiesen. Powell wird noch zwei Zinssenkungen durchführen (erste Jahreshälfte), dann keine mehr. Zölle und Inflation lassen wenig Raum für weitere Lockerungen.

Stop-and-Go-Inflation: Kürzere, heftigere Zyklen

2026 erwartet Brzeski eine „Stop-and-Go-Inflation": Regierungen treiben mit Konjunkturprogrammen die Nachfrage, treffen aber auf angespannte Angebote (Fachkräftemangel, Materialkosten). Dies führt zu schnelleren, heftigeren Inflationsschüben. Kurzzeitig könnte die Inflation noch fallen, ab Jahresmitte wird sie wieder zulegen.

Quantitative Lockerung könnte zurückkehren

Wegen „fiskaler Dominanz" (steigende Staatsschuld in USA, Europa, Deutschland, Grossbritannien, Japan) könnten Notenbanken gezwungen sein, 2026 wieder Anleihenkaufprogramme zu starten. Dies verhindert zu steile Kapitalmarktzinsanstiege und würde den Markt stützen.

Gold: Wenig Luft nach oben

Nach dem Rekordjahr 2025 (über 4.500 $/Unze) sieht Brzeski für Gold 2026 nur noch „ein paar Prozentpunkte" Spielraum. Grund: Im Basisszenario bleibt die Weltwirtschaft stabil, Unsicherheit nimmt nicht zu. Silber könnte noch 10% zulegen, befeuert durch Chinas verschärfte Exportkontrollen.

Deutschland: Der Ketchupflaschen-Effekt

Brzeski erklärt Deutschlands Stagnation 2025 mit dem „Ketchupflaschen-Effekt": Man schüttelt (vergibt Gelder), es kommt nichts raus (föderales System, politische Verzögerungen). Dann „plopp" – es schiesst raus. Der Bundestag verabschiedete Ende 2025 knapp 30 Verträge für Militärausgaben und beschloss das 2026er-Budget. Ab 2026 sollten Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung fliessen und Wachstum zurückbringen. Allerdings: Strukturprobleme (Wettbewerbsfähigkeit vs. China) bleiben.


Kernaussagen

  • Der DAX startete 2026 moderat (+0,3-0,4%), echte Aussagen erst bei höherem Handelsvolumen möglich
  • Asiatische Märkte, besonders Hongkong, profitierten von KI-Boom und chinesischer Tech-Hoffnung
  • Rüstungsaktien zeigen volatile, stimmungsabhängige Kursausschläge troächst stabiler Auftragsbücher
  • Chipsektor glänzt mit zweistelligen Gewinnen; Investitionen in Deutschland signalisieren Vertrauensboost
  • Edelmetalle korrigierten nach extremem 2025er-Anstieg; Gold hat begrenzte weitere Aufwärtschancen
  • Brzeski erwartet 2026 stabile Weltwirtschaft trotz geopolitischer Risiken – „The Bear"-Metapher: Chaos in der Küche, gutes Essen für die Gäste
  • USA: K-förmige Konjunktur, Trump wird Konjunkturschecks verteilen, BIP-Wachstum ab Jahresmitte wieder ~2%
  • Fed-Nachfolge Powells: Weniger dramatisch als befürchtet, weitere Zinssenkungen unwahrscheinlich wegen Zölle und Inflation
  • „Stop-and-Go-Inflation": Kürzere, heftigere Inflationszyklen durch Konjunkturprogramme + angespannte Angebotsseite
  • Quantitative Lockerung könnte zurückkehren, um steigende Staatsschuld zu managen
  • Deutschland erlebt 2026 „Ketchupflaschen-Effekt": Nach Verzögerungen flossen dann Investitionen in Infrastruktur und [Verteidigung]], sollten Wachstum zurückbringen
  • Strukturprobleme (Wettbewerbsfähigkeit vs. China) bleiben trotz Wachstumsperspektive bestehen

Metadaten

Sprache: Deutsch
Transcript ID: 60
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Erstellungsdatum: 2026-01-03 18:56:41
Textlänge: 30226 Zeichen