Autor: Georg Humbel (gum)
Quelle: NZZ – F-35: Finnen sind cleverer als die Schweizer
Publikationsdatum: 13. Dezember 2025
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Executive Summary
Die Schweiz zahlt für den F-35-Kampfjet etwa eine Milliarde Franken mehr als nötig, weil der Bund 2022 die gesamten Kosten (6 Mrd. CHF) zum ungünstigen Dollarkurs von 96 Rappen abgesichert hat. Finnland dagegen sicherte nur die Hälfte der Kosten ab und profitiert damit vom gefallenen Dollar (aktuell ~80 Rappen). Das Beispiel zeigt ein grundlegendes Spannungsfeld: Risikominimierung vs. intelligente Diversifizierung bei Megaprojekten in Fremdwährungen.
Kritische Leitfragen
Freiheit & Entscheidungsraum: Wie viel Flexibilität sollte ein demokratischer Staat bei Währungsrisiken haben, ohne in „Spekulation" zu verfallen?
Transparenz: Warum wurde die Öffentlichkeit nicht informiert, dass alternative Absicherungsstrategien existierten und angewendet wurden?
Verantwortung: Wer trägt Verantwortung für die Milliarde-Franken-Mehrbelastung – und gibt es Konsequenzen?
Innovation in Finanzpolitik: Sollten starre Vorschriften (Finanzhaushaltsverordnung) überprüft werden, wenn sie nachweislich zu systematischen Verlusten führen?
Lernen aus anderen Ländern: Was sind die Erkenntnisse aus Norwegens F-35-Debakel (2012–2014) für zukünftige Beschaffungen?
Szenarienanalyse: Zukunftsperspektiven
| Zeithorizont | Erwartete Entwicklung |
|---|---|
| Kurzfristig (2026) | Bundesrat Pfister wird gezwungen, Spartenoptionen zu präsentieren (Reduktion auf 30 Jets statt 36). Parlamentarische Vorstösse zur Revision der Währungsabsicherungspraktiken. |
| Mittelfristig (2027–2030) | Finanzvorschriften werden überarbeitet. Künftige Grossbeschaffungen nutzen Hybrid-Modelle (Teilabsicherung + gestaffelte Käufe). Dollar-Euro-Verhältnis stabilisiert sich auf neuem Niveau. |
| Langfristig (2030+) | Schweiz führt „intelligente Risikodiversifizierung" ein. Parlamentarische Kontrolle wird gestärkt. Frage nach CHF-Stärke und deren Auswirkungen auf Rüstungsausgaben wird strukturell diskutiert. |
Hauptzusammenfassung
Kernthema & Kontext
Der Schweizer Kampfjet-Kauf gerät zur Fallstudie in Finanzmanagement. Während die Amerikaner wegen Teuerung und Produktionskosten mehr Geld verlangen, hätte die Schweiz durch den gesunkenen Dollarkurs eigentlich eine Milliarde Franken sparen können. Stattdessen sitzt der Bund auf Verlusten – ein konkretes Beispiel für strukturelle Schwächen in der Finanzbeschaffung.
Wichtigste Fakten & Zahlen
- Geplanter Kaufpreis: 6 Milliarden Franken (36 Jets)
- Dollarkurs bei Absicherung (Herbst 2022): 96 Rappen
- Aktueller Dollarkurs (Dezember 2025): ~80 Rappen
- Potenzielle Einsparung durch Kursdifferenz: ca. 1 Milliarde CHF
- Finnlands Strategie: Nur 50 % der Dollars 2022 beschafft; restliche gestaffelt (64 Jets für >10 Mrd. Euro)
- Norwegisches Negativ-Beispiel: Krone 2014 halbiert → F-35 plötzlich doppelt so teuer
- ⚠️ Zusätzliche Kostensteigerungen: USA erhöht Preise für beide Länder wegen Teuerung (genaue Summe unklar)
Stakeholder & Betroffene
| Gruppe | Auswirkung |
|---|---|
| Schweizer Steuerzahler | Trägt Zusatzkosten von ~1 Mrd. CHF |
| Bundesrat & Finanzverwaltung | Muss sich für konservative, aber teure Strategie rechtfertigen |
| Finnland | Könnte von flexiblerem Ansatz deutlich profitieren |
| Parlament | Muss über Reduktion der Jetanzahl entscheiden |
| Grüne & kritische Politiker | Fordern Revision der Finanzhaushaltsverordnung |
Chancen & Risiken
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| Paradigmenwechsel: Intelligentere Währungshedging-Strategien bei zukünftigen Megaprojekten | Politische Lähmung: Keine Einigung auf alternative Beschaffungsstrategie |
| Learnings aus Vergleich: Finnland als Vorbild für flexiblere Risikoverteilung | Repetiertäter-Effekt: Starker Franken führt auch künftig zu Verlusten bei Fremdwährungskäufen |
| Parlamentarische Kontrolle: Mehr Transparenz und Ex-post-Analysen von Finanzentscheidungen | Vertrauensverlust: Öffentlichkeit zweifelt an Kompetenz des Staates in Finanzmanagement |
| Rechtliche Klarheit: Finanzhaushaltsverordnung wird präzisiert und flexibilisiert | Moral Hazard: Zu viel Flexibilität verleitet zu echten Spekulationen (wie Grüne befürchten) |
Handlungsrelevanz
Für Entscheidungsträger:
- Sofort: Parlamentarische Debatte über Reduktion auf 30 Jets starten (realistische Budgetanpassung)
- Mittelfristig: Finanzhaushaltsverordnung überarbeiten – starre Nullrisiko-Doktrin hinterfragen
- Strukturell: Best-Practice-Analyse: Wie handhaben Finnland, Schweden, Norwegen Währungsrisiken bei Rüstungskäufen?
- Kontrolle: Unabhängige Audits bei zukünftigen Megabeschaffungen (>500 Mio. CHF)
Für die Öffentlichkeit:
- Dies ist kein Versagen einzelner Personen, sondern ein systemisches Problem (Finanzhaushaltsverordnung)
- Norwegens Beispiel zeigt: Auch zu wenig Absicherung kann teuer werden – Balance ist entscheidend
- Die Frage muss lauten: Wie schaffen wir intelligente Risikoverwaltung, nicht: Wie vermeiden wir alle Risiken?
Qualitätssicherung & Faktenprüfung
- [x] Zentrale Aussagen überprüft (Quellen: NZZ-Artikel, Zitate von Finanzverwaltung, finnisches Finanzministerium)
- [x] Zahlendaten konsistent (6 Mrd., 96 Rappen → 80 Rappen = ~1 Mrd. Differenz, arithmetisch korrekt)
- [x] Zeitliche Konsistenz überprüft (Herbst 2022 Absicherung, 13.12.2025 Publikation)
- [ ] ⚠️ Genaue zusätzliche Kostensteigerung durch USA-Preiserhöhung: Artikel nennt keine exakte Summe – nur „deutlich mehr Geld"
- [x] Politische Stimmen identifiziert und ausgewogen dargestellt (Hegglin, Weichelt, de Quattro)
- [x] Keine politische Einseitigkeit erkannt – kritische UND verteidigungsorientierte Positionen abgebildet
Ergänzende Recherche
Statistik: Franken-Stärke vs. andere Währungen (2022–2025)
→ SNB-Daten zu Wechselkursentwicklung; erklärt, warum Schweiz systematisch verliertVergleichsstudie: Währungsrisiken bei Rüstungsbeschaffungen europäischer Länder
→ Schweden, Norwegen, Dänemark – wie gehen sie mit Fremdwährungsrisiken um?Finanzhaushaltsverordnung (Bund)
→ Rechtstext prüfen: Gibt es Spielraum für gestaffelte Absicherung, oder ist Totalabsicherung zwingend?
Quellenverzeichnis
Primärquelle:
Georg Humbel: „F-35: Finnen sind cleverer als die Schweizer" – NZZ am Sonntag, 13.12.2025
Direktzitate aus dem Text verifiziert:
- Bundesrat Martin Pfister (Verteidigungsminister)
- Peter Hegglin (Mitte, Finanzpolitiker)
- Marko Synkkänen (Finnisches Finanzministerium)
- Manuela Weichelt (Grüne, Nationalrätin)
- Jacqueline de Quattro (Sicherheitspolitische Kommission)
Verifizierungsstatus: ✓ Fakten überprüft am 13. Dezember 2025
Dieser Text wurde mit Unterstützung von OpenAI (GPT-4) erstellt.
Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 13.12.2025