Kurzfassung

Das Verteidigungsdepartement (VBS) gibt massiv mehr Geld für externe Berater und Dienstleistungen aus als noch vor wenigen Jahren. Die interne Revisionsstelle warnt vor strukturellen Abhängigkeiten und empfiehlt, notwendiges Know-how verstärkt intern aufzubauen. Politiker von links bis rechts kritisieren die Praxis bereits länger – insbesondere die Auslagerung von Kernaufgaben wie Qualitäts- und Risikomanagement an externe Auftragnehmer.

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Themen

  • Staatsfinanzen & Budgeteffizienz
  • Verwaltungsreformen
  • Korruptionsprävention & Interessenkonflikte
  • Projektmanagement & Outsourcing

Clarus Lead

Das Verteidigungsdepartement (VBS) beschäftigt immer mehr externe Berater und Dienstleister – trotz vorhandenen internen Fachkompetenzen. Die Ausgaben stiegen von 145 Millionen Franken (2022) auf über 186 Millionen Franken (2023), wie ein Bericht der VBS-Revisionsstelle zeigt. Die interne Kontrollstelle kritisiert nicht nur die Kosten, sondern auch das Risiko langfristiger Abhängigkeiten von externen Anbietern. Besonders problematisch: Das VBS hat seine Qualitäts- und Risikomanagement-Aufgaben – eine Kernverantwortung der Verwaltung – vollständig an externe Partner ausgelagert (Kosten: 5,7 Millionen Franken).

Detaillierte Zusammenfassung

Die interne Revisionsstelle des VBS dokumentiert in ihrem am Dienstag vom Schweizer Fernsehen (SRF) veröffentlichten Bericht ein systematisches Problem: Externe Berater werden nicht nur bei Fachengpässen herangezogen, sondern auch für Aufgaben eingesetzt, die das Departement selbst bewältigen könnte. Dazu gehören Schulungen zu Digitalisierung, Diversity-Management und Generationenmanagement – Kompetenzen, die als Uraufgaben der modernen Verwaltung gelten. Die Revisoren warnen, dass die starke Abhängigkeit von externen Spezialisten zu wirtschaftlichen Ineffizienzen und mangelnder Eigenverantwortung führt.

Ein besonderer Kritikpunkt ist die Auslagerung des Qualitäts- und Risikomanagements für die grössten Projekte. Das VBS begründet dies mit dem Wunsch nach «möglichst hoher Unabhängigkeit» – eine Argumentation, die das Parlament und die Revisionsstelle ablehnen. Sie fordern stattdessen, dass das Departement selbst Verantwortung trägt.

Zusätzlich dokumentiert der Bericht Governance-Risiken: Einzelne Mandate zeigen Anzeichen von Interessenskonflikten oder «Gefälligkeit» bei der Auftragsvergabe. Diese Warnung kommt nicht zufällig – die frühere VBS-Vorsteherin Viola Amherd war mehrfach wegen kostspieliger Beratungsmandate kritisiert worden, darunter Aufträge an die Zürcher Kanzlei Homburger im Zusammenhang mit der F-35-Beschaffung.

Der aktuelle VBS-Chef Martin Pfister hat zugesagt, die Empfehlungen bis Ende Juni 2026 umzusetzen. Allerdings signalisieren mehrere Ämter bereits, dass eine Reduktion nur «eingeschränkt möglich» sein wird – etwa beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz, das gewisse politisch beauftragte Projekte als nicht ohne externe Ressourcen realisierbar sieht.

Kernaussagen

  • Kostenexplosion: Ausgaben für externe Berater stiegen von 145 Millionen (2022) auf über 186 Millionen Franken (2023) – trotz Zusicherungen, diese nur bei Personalengpässen einzusetzen
  • Strukturelle Abhängigkeit: Externe Berater schaffen langfristige Abhängigkeiten und verhindern den Aufbau interner Fachkompetenzen
  • Auslagerung von Kernaufgaben: Qualitäts- und Risikomanagement wurde komplett an externe Partner delegiert (5,7 Millionen Franken), obwohl dies Verwaltungs-Uraufgaben sind
  • Governance-Schwächen: Einzelne Mandate zeigen Anzeichen von Interessenskonflikten oder «Gefälligkeit» bei der Vergabe
  • Politischer Druck: Nationalrat forderte Überprüfung mit deutlicher Mehrheit (144:25 Stimmen); Ständerat lehnte ab

Kritische Fragen

  1. Evidenz: Wie validiert die Revisionsstelle ihre Feststellung, dass internes Fachwissen für die aktuell extern vergebenen Aufgaben vorhanden ist? Wurden konkrete Kompetenzen-Audits durchgeführt?

  2. Datenqualität: Wie vollständig ist die Erfassung aller externen Mandate in den berichteten 186 Millionen Franken? Werden auch indirekt vergebene Aufträge (über Rahmenverträge, Subunternehmer) erfasst?

  3. Interessenskonflikte: Die Revisionsstelle erwähnt Mandate, die «den Eindruck entstehen lassen könnten» von Gefälligkeit – wie viele Fälle konkret? Welche Kontrollmechanismen bestanden, um solche Vergaben zu verhindern?

  4. Kausalität: Führt die Auslagerung von Qualitätskontrolle wirklich zu «möglichst hoher Unabhängigkeit», oder schafft sie nur den Anschein? Welche empirischen Belege gibt es für diese Behauptung des VBS?

  5. Alternativen: Hätte eine Kostenreduktion auch durch interne Schulungen, Personalaufstockung oder bessere Projektplanung erreicht werden können statt der vorgeschlagenen Reduktion von Mandaten?

  6. Umsetzungsrisiken: Mehrere Ämter signalisieren, die Empfehlungen nur «eingeschränkt» umsetzen zu können – wie verbindlich sind die angeordneten Massnahmen ohne gesetzliche Grundlage oder Budgetkonsequenzen?

  7. Nebenwirkungen: Könnte eine zu strikte Begrenzung externer Berater bei kurzfristigen Spezialaufgaben (z.B. IT-Sicherheit, Rechtsfragen) tatsächlich zu Verzögerungen oder Qualitätsmängeln führen?

  8. Kontrolldefizite: Wie konnte es zu dieser Kostenexplosion kommen, obwohl die VBS-Leitung wiederholt betonte, externe Berater nur bei Engpässen zu nutzen?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Zu hohe Kosten für externe Berater: VBS gibt über 186 Millionen Franken ausNZZ, 17.02.2026

Ergänzende Quellen:

  1. Bericht der VBS-Revisionsstelle (17.02.2026, veröffentlicht via SRF)
  2. Brief von VBS-Vorsteher Martin Pfister an Amtsvorsteher (17.02.2026)
  3. Parlamentarische Debatte: Nationalrat-Abstimmung über VBS-Mandat-Überprüfung (144:25)

Verifizierungsstatus: ✓ 17.02.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 17.02.2026