Kurzfassung

Am 26. Februar 2016 beschrieb die NZZ Guy Parmelin «im Schraubstock» zwischen politischen Lagern. Zehn Jahre später ist Parmelin Bundespräsident – doch die Schweizer Armee steht operativ schlechter da als bei seinem Amtsantritt als Verteidigungsminister (2016–2018). Während die WEA-Reform durchgesetzt wurde, blieben Baustellen ungelöst: Kampfjet-Nachfolge teurer, Personallücke gewachsen, Cyber-Defizite strukturell ungelöst, Munitionsbestände ungenügend. Die zentrale Frage lautet nicht, ob Parmelin allein schuld ist, sondern ob das Schweizer System für schnelle sicherheitspolitische Reaktionen überhaupt gebaut ist.

Personen

Themen

  • Armeebudget und Beschaffungskrise
  • F-35-Mehrkosten und Lieferverzögerungen
  • Personalabgänge in der Armee
  • Cyber- und Luftverteidigungsdefizite
  • Strukturelle Schwächen der direkten Demokratie

Clarus Lead

Guy Parmelin leitete das Verteidigungsdepartement (VBS) von Januar 2016 bis Dezember 2018 und setzte die WEA-Reform durch – eine als «ehrliche Lösung» beschriebene Armeereform mit weniger Personal, besserer Ausstattung. Doch zehn Jahre später ist die Bilanz durchwachsen: Während Parmelin als Bundespräsident 2026 Zolldossiers regelt, verkürzt sich sein ehemaliges Ressort. Material für Trainings sank um 20 Prozent, die F-35-Beschaffung läuft teurer und liefert weniger als geplant (voraussichtlich 24–30 statt 36 Jets), der Effektivbestand droht bis 2029 auf 125.000 zu sinken. Die ungelösten Baustellen seiner Zeit – Kampfjet-Evaluation, Bodluv-Projekt, Cyber-Strukturen – sind zur operativen Krise geworden.

Detaillierte Zusammenfassung

Parmelins Amtszeit ist durch ambitionierte Ziele und begrenzte Erfolge geprägt. Positiv zu vermerken: Er brachte die WEA durch ein widerstrebiges Parlament – auch gegen die eigene SVP – und trennte sich von Armeechef Blattmann, nachdem das Bodluv-Projekt (bodengestützte Luftverteidigung) in eine Sackgasse geraten war. Er lancierte 2017 den Bericht «Luftverteidigung der Zukunft», der bis heute Grundlage der Planung bleibt.

Kritisch wird die Bilanz bei den ungelösten Dossiers. Die Kampfjet-Nachfolge wurde angeschoben, die Typenwahl aber nicht entschieden – diese fiel seiner Nachfolgerin zu und führte zur verhängnisvollen Festpreis-Illusion beim F-35. Das Bodluv-Projekt wurde sistiert und neu aufgegleist; die Schweiz verlor Jahre bei der Erneuerung ihrer Luftabwehr. Die Cyber-Verteidigung war beim Amtsantritt «desolat», wurde angestossen, aber nicht strukturell verankert. Das Personalproblem zeichnete sich ab – über 11.000 Angehörige verlassen jährlich die Armee vorzeitig, mehr als die Hälfte zum Zivildienst – wurde aber nicht prioritär angegangen.

Die heutige Krise ist multidimensional. Überalterte Systeme und Ersatzteilmangel zwingen Material-Reduktionen. Die F-35-Mehrkosten belaufen sich auf 650 Millionen bis 1,3 Milliarden Franken; der Bundesrat beschloss Dezember 2025, im 6-Milliarden-Rahmen zu bleiben und die Bestellmenge zu senken. Militärexperten fordern 55–70 Kampfjets; geliefert werden nicht einmal die Hälfte. Infrastrukturkosten stiegen von 120 auf 200 Millionen Franken. Bei der bodengestützten Luftverteidigung (Patriot) verzögern sich US-Lieferungen wegen Ukraine-Prioriserung. Munitionsbestände sind ungenügend, grosse Aufstockungen scheitern an Budget-Fragen. Fähigkeitslücken bei Cyber, Sensorik und Vernetzung sind erheblich; das System Skyview zur Luftlagedarstellung explodierte in Kosten und wurde eingefroren.

Kernaussagen

  • Parmelins VBS-Bilanz ist durchwachsen: WEA-Reform als Erfolg, aber zentrale Baustellen (F-35-Eval., Bodluv, Cyber) wurden ungelöst hinterlassen
  • Die operative Krise ist schlimmer als die politische von 2016: Nicht nur Budgeting-Dilemma, sondern Material-, Personal-, Munitions- und Cyber-Defizite gleichzeitig
  • Das System Schweiz ist für schnelle Sicherheitsanpassungen ungeeignet: Beschaffungszyklen dauern 10–15 Jahre, während sich Bedrohungen in Monaten verändern
  • Strukturelle Bremsen wirken: Direkte Demokratie (Referendum als Veto), Kollegialsystem (Ministerien konkurrieren), Föderalismus und Konkordanz (Langsamkeit) verhindern zeitgerechte Reaktionen
  • Verantwortung ist verteilt, aber nicht gelöst: Parmelin handelte taktisch, nicht strategisch; die Frage ist nicht Personalschuld, sondern Systemfähigkeit

Kritische Fragen

  1. Evidenz/Datenqualität: Der Text behauptet, Cyberbedrohungen seien «in Fachkreisen kein Geheimnis» 2016 gewesen – auf welche konkreten Assessments oder Berichte stützt sich diese Rückschau, und inwiefern lagen diese Parmelin vor?

  2. Interessenkonflikte/Anreize: Warum priorität die Schweiz 2016–2018 nicht die erkannte Personalflucht, obwohl die WEA-Reform Effizienz durch «bessere Ausbildung» verspricht – welche institutionellen Anreize hielten Ressourcen fern?

  3. Kausalität/Alternativen: Ist die heutige Materialknappheit (20% Reduzierung) direkte Folge von Parmelins Nicht-Entscheiden, oder von nachgelagerten Infrastruktur-Budgetverschiebungen unter Amherd und Keller-Sutter?

  4. Umsetzbarkeit/Risiken: Die «Sicherheitsdienstpflicht»-Reform wird frühestens Ende des Jahrzehnts operativ – wie gross ist das operationale Ausfallrisiko bis dahin, falls der Bestand schneller sinkt als prognostiziert?

  5. Gegenhypothesen: Könnte die fehlende schnelle Reaktion auch darin begründet liegen, dass sicherheitspolitische Fehlentscheide (wie Gripen 2014) die Schweiz gelehrt haben, länger abzuwägen – also System-Vorsicht als rationale Risikovermeidung?

  6. Quellenvalidität: Die Zahlen zu Effektivbestand, Personalflucht und F-35-Kosten entstammen VBS-Medienmitteilungen und Armeeauszählungen 2025/26 – sind diese Daten einer unabhängigen Kontrolle (z. B. EFK, unterzogen?

  7. Strukturelle Dauerhaftigkeit: Wenn das Problem nicht Parmelin, sondern das System ist, welche verfassungsmässigen oder Gesetzesänderungen könnten Beschaffungszyklen verkürzzen, ohne direkte Demokratie zu unterlaufen?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Zehn Jahre «Schraubstock» – und Parmelin sitzt heute am Präsidententisch – https://clarus.news/de/blog/guy-parmelin-10-jahre-im-schraubstock-20260226-de

Ergänzende Quellen (im Artikel genannt):

  1. NZZ, «Parmelin im Schraubstock» (26.02.2016) – René Zeller
  2. VBS-Medienmitteilungen (2025/2026)
  3. Armeebotschaft (2026)
  4. Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) – Berichte zu F-35-Infrastruktur
  5. Armeeauszählung (2025)
  6. SRF, Finanz- und Wirtschaftsportal (FuW), swissinfo.ch

Verifizierungsstatus: ✓ 26.02.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt.
Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 26.02.2026