Kurzfassung
In der ersten Episode des Talking Markets Podcasts für 2026 diskutiert Dan Cassidy von UBS mit Steve Chevron von Federated Hermes über die Aussichten für die US-Wirtschaft. Chevron erwartet eine beschleunigte Wachstumsdynamik, gestützt durch stabile Unternehmensgewinne, einen robusten Arbeitsmarkt und bevorstehende Fed-Zinssenkungen. Der Markt sei fair bewertet, und die grössten Überraschungsrisiken für 2026 liegen beim Aufwärtspotenzial durch Steuersenkungen, geopolitische Verbesserungen und eine Belebung des Wohnungssektors.
Personen
Themen
- US-Wirtschaftsausblick 2026
- Arbeitsmarkt und Lohnwachstum
- Bewertungen und Aktienmarktmultiplizierer
- Künstliche Intelligenz und CapEx-Investitionen
- Geldpolitik und Zinssenkungen
- Fixed Income und Anleiherenditen
- Geopolitische Risiken und Chancen
Detaillierte Zusammenfassung
Wirtschaftliche Gesundheit und Wachstumsperspektiven
Chevron beurteilt die wirtschaftliche Lage als solide und positioniert für Beschleunigung im Jahr 2026. Die USA seien aus 2025 in einer starken Position hervorgegangen. Obwohl die Arbeitsmarktdynamik gemischt ausfällt – monatlich weniger neue Stellen geschaffen als im Vorjahr – relativiert Chevron dies durch Anpassung um staatliche Kontrollmassnahmen und weniger illegale Einwanderung. Die bereinigte Stelle-Schaffung liege bei 50.000 bis 70.000 pro Monat, was er als nachhaltig betrachtet.
Die Kernstärke der Wirtschaft liege in den Unternehmensgewinnen. Federated Hermes prognostiziert für 2026, 2027 und 2028 ein Gewinnwachstum von 5–10 % – deutlich über Konsenserwartungen. Erste Signale aus der Berichtssaison (etwa von JP Morgan) zeigen keine Kreditprobleme und bestätigen Stärke im Investmentbanking.
Bewertungen: Fair, nicht überteuert
Ein zentrales Argument Chevrons adressiert die verbreitete Besorgnis über übersteigerte Bewertungen. Während der S&P 500 auf historischen Höchstständen notiert, argumentiert er, dass mehrere Faktoren die höheren Bewertungsmultiplizierer rechtfertigen:
- Gestiegene Profitabilität: Die Gewinnmargen sind um 5 % gestiegen.
- Strukturelle Verschiebung: Der Index hat sich weg von zyklischen Sektoren (Produktion) hin zu strukturellen Wachstumssektoren (Technologie) verschoben.
- Mag7-Gewichtung: Mit 35 % des Index in den „Magnificent Seven" erzielt der Index höhere Renditen. Diese Unternehmen rechtfertigen höhere Multiples (25–30x), während der Rest des Marktes bei 18–19x bleibt, was einen durchschnittlichen Multiple von 21,5–22x ergibt – genau das aktuelle Niveau.
Chevron schlussfolgert, dass die gegenwärtige Bewertung fair ist.
Künstliche Intelligenz und Kapitalausgaben
Ein wesentlicher Pivot deutet sich beim AI-Narrativ an. Während 2025 von Chips und Hyperscalern dominiert wurde, erwartet Chevron, dass 2026 auf Speicher, Materialien und traditionelle Industrien verlagert wird. Die Erwartet-Kapitalausgaben für AI-Infrastruktur liegen bei rund 450 Milliarden Dollar jährlich und könnten auf 500–600 Milliarden steigen.
Diese massive CapEx-Welle erfordert Baumaterialien, Kupfer und Infrastruktur – Bereiche, wo etablierte Unternehmen profitieren könnten. Chevron erwartet einen zyklischen Tilt im Portfolio, basierend auf diesem Kapitalausgabenzyklus.
Ein wichtiger Punkt: CapEx in Datenzentren schafft weniger Arbeitsplätze pro investiertem Dollar als traditionelle Fabriken, da Chipkosten dominieren. Dennoch könnten die Gesamtarbeitsplatzeffekte erheblich sein – möglicherweise 50.000–100.000 zusätzliche Stellen monatlich.
Geldpolitik und Fed-Zinssenkungen
Trotz politischer Unsicherheit erwartet Chevron, dass die Federal Reserve die Zinssätze senkt. Sein Szenario: zwei bis drei Kürzungen um je 25 Basispunkte über die ersten drei Quartale 2026, um die Leitzinsen auf das neutrale Niveau von etwa 3 % zu bringen.
Die Rationale: Die Wirtschaft läuft gut, aber Teile – kleine Unternehmen, Haushalte mit niedrigen bis mittleren Einkommen – leiden unter hohen Zinssätzen. Ein gradueller Zinsrückgang würde dem Arbeitsmarkt helfen, ohne das Tech-CapEx-Momentum zu bremsen.
Fixed-Income-Perspektive
Im Anleihenmarkt bevorzugt Chevron kurzfristige Wertpapiere (1–3 Jahre). Die Kurve sollte sich „ein bisschen aussteilen" – eine Abflachung der extremen Inversion. Geldmarktinstrumente bieten attraktive Renditen mit Preiswahrnehmung bei fallenden Kursen.
Bei längerfristigen Anleihen ist er preissensitiv. Seine These: Die zehnjährige Rendite endet 2026 höher als zu Beginn, möglicherweise zwischen 3,75 % und 4,00 %, mit Risiken bis 4,50 %. Bei der heutigen Rendite von 4,20 % würde er bei 4,50 % kaufen.
Überraschungsszenarien für 2026
Aufwärtsüberraschungen:
- Wirtschaftswachstum: Der Konsens erwartet 2 % BIP-Wachstum, Chevron sieht Potenzial für mehr. Steuersenkungen zum 15. Januar, ein World Cup, die „America 250"-Feier und Reisebeschränkungen (Regierungsschliessung 2025) könnten Konsum ankurbeln.
- Arbeitsmarkt: Jobs könnten stärker wachsen als erwartet.
- Inflation: Core CPI-Berichte unterschreiten seit einem Jahr den Konsens – ein Trend, der andauern könnte.
- Geopolitik: Ein freundlicheres iranisches Regime könnte globale Dynamiken verändern.
- Wohnen: Der Sektor ist lange schlecht gewesen; niedrige Erwartungen öffnen Tür für Aufwärtsüberraschungen.
Abwärtsrisiken:
- AI-Blow-ups: Unerwartete Probleme in AI-Infrastruktur.
- Politisches Übervertrauen: Eine zu selbstsichere Administration könnte fehlerhafte Entscheidungen (etwa zu Zöllen) treffen.
- Consensus-Euphorie: Investoren sind bullish nach zwei Jahren mit >20 % Renditen. Konsensgewinne übertreffen Federated Hermes-Schätzungen.
Barbell-Szenario für 2026
Chevron skizziert ein „Barbell-Jahr": Die erste Hälfte (5–6 Monate) sollte robust ausfallen mit positiven Katalysatoren (Steuersenkungen, fallende Zinsen, grosse Events). Mitte Jahr könnten diese Faktoren eingepreist werden, wodurch ein „Wall of Worry" entsteht: Zweifel um die neue Fed-Vorsitzende, Midterm-Wahlen, höhere Renditen. Januar könnte volatil sein, möglicherweise durch einen Supreme-Court-Beschluss zu Zöllen oder Trumps Davos-Rede.
Kernaussagen
- Die US-Wirtschaft tritt 2026 mit solider Fundamentalstärke an: Gewinnwachstum von 5–10 %, stabiler Arbeitsmarkt und robuste Konsumausgaben.
- Aktienmarkt-Bewertungen sind fair, nicht überteuert, angesichts gestiegener Profitabilität und strukturellen Shifts zu höherwertigen Sektoren.
- AI-CapEx verschiebt sich von Chips zu Infrastruktur, traditionellen Industrien und Materialien – ein Multiplikator-Potenzial für klassische Zykliker.
- Die Fed sollte 2–3 Zinsschnitte durchführen, um zur Neutralität (≈3 %) zu gelangen; Januar ist eine Pause, März ist wahrscheinlich.
- Kurzfristige Fixed Income bietet attraktive Entschädigung; längerfristige Anleihen sind preissensitiv, mit Zielrenditen bei 3,75–4,50 % bis Jahresende.
- Aufwärtsüberraschungen überwiegen: Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarkt, geopolitische Verbesserungen und Wohnungserholung.
- Mitteljahrvolatilität wahrscheinlich, wenn Ersthalbjahrs-Katalysten nachlassen und politische Unsicherheit zunimmt.
- Consensus-Bullishness ist hoch; Investoren sollten auf Korrektionen vorbereitet sein, besonders wenn Gewinnschätzungen nicht halten.
Metadaten
Sprache: DeutschTranscript ID: 145
Dateiname: 260113 – Talking Markets Podcast.mp3
Original-URL: https://www.ubs.com/content/dam/podcasts/wma/260113%20-%20Talking%20Markets%20Podcast.mp3
Erstellungsdatum: 2026-01-19 08:30:16
Textlänge: 20248 Zeichen