Kurzfassung
Die USA haben kurz vor dem Jahreswechsel ihre angedrohten Strafzölle auf italienische Nudeln drastisch reduziert. Statt der ursprünglich geplanten knapp 92 Prozent zahlen italienische Hersteller nun zwischen 2,3 und 14 Prozent Zoll. Giorgia Meloni, die italienische Ministerpräsidentin, wird als Gewinnerin dieser Entwicklung gefeiert, da sie eine intensive Lobbykampagne ihrer Regierung angeführt hat. Der Streit über Dumping-Vorwürfe bei italienischer Pasta besteht bereits seit drei Jahrzehnten.
Personen
- Giorgia Meloni – Italienische Ministerpräsidentin
- Donald Trump – US-Präsident
- Francesco Lollobrigida – Italienischer Landwirtschaftsminister
- Cosimo Rummo – Geschäftsführer des Herstellers Rummo
Themen
- Handelszölle und Handelskonflikt
- Dumping-Vorwürfe bei Pastaexporten
- Diplomatie zwischen USA und Italien
- Italienische Pasta-Industrie
- Exportmärkte und Handelswerte
Detaillierte Zusammenfassung
Zolle drastisch reduziert
Das amerikanische Handelsministerium hat die geplanten Strafzölle auf italienische Nudeln kurz vor deren Inkrafttreten zum Neujahrstag erheblich gesenkt. Während die USA ursprünglich Zölle von knapp 92 Prozent einführen wollten, wurden diese drastisch reduziert:
- La Molisana: Zoll sinkt auf knapp 2,3 Prozent
- Garofalo: Zoll auf knapp 14 Prozent
- Weitere elf italienische Marken: Zoll auf gut 9 Prozent
- Allgemeine EU-Tarife: 15 Prozent bleiben bestehen
Diplomatischer Erfolg Melonis
Giorgia Meloni wird in italienischen Medien als grosse Gewinnerin dieser Einigung dargestellt. Die Tageszeitung „Corriere della Sera" spricht von einem „politischen Sieg für Ministerpräsidentin Giorgia Meloni", die bekannt für ihre guten Beziehungen zu Donald Trump ist. In einem „langen und freundlichen Telefonat" zum Neujahr überbrachte sie dem amerikanischen Präsidenten ihre Glückwünsche und dankte für das Einlenken.
Hintergrund des Streits
Der Konflikt über italienische Pastaexporte in die USA ist nicht neu. Bereits vor etwa 30 Jahren verhängten die Vereinigten Staaten Strafzölle. Die amerikanische Seite wirft italienischen Herstellern vor, ihre Pasta auf dem amerikanischen Markt zu Dumpingpreisen – deutlich unter den Produktionskosten – anzubieten.
Im September 2025 kündigte das amerikanische Handelsministerium die hohen Zölle an. Offizieller Grund war, dass italienische Hersteller auf Datenanfragen des Ministeriums wiederholt nicht geantwortet hätten. Diese Aussage stritten italienische Produzenten und ihre Verbände jedoch ab. Im Jahr 2024 beantragten die amerikanischen Hersteller 8th Avenue Food & Provisions und Winland Foods Untersuchungen, woraufhin das US-Ministerium Stichprobenuntersuchungen gegen La Molisana und Garofalo einleitete und gegen weitere elf Hersteller, darunter der grosse Anbieter Barilla, mit hohen Zöllen drohte.
Lobbying-Kampagne und Datenbeschaffung
Die ganze italienische Regierung, einschliesslich der Botschaft in Washington, startete eine breit angelegte Lobbykampagne. Die italienischen Hersteller lieferten schliesslich die vom amerikanischen Handelsministerium geforderten Daten nach. Italienischer Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida betonte: „Die Teamarbeit hat sich ausgezahlt."
Vorsicht bleibt geboten
Trotz des Teilerfolgs bleibt die Situation fragil. Die Untersuchung durch das amerikanische Ministerium läuft bis zum 11. März 2026, und es könnten weitere Entscheidungen folgen. Cosimo Rummo, Chef des gleichnamigen italienischen Herstellers, mahnte zur Vorsicht: Gerichtsverfahren gegen die verbleibenden 9-Prozent-Zölle seien sehr kostspielig und könnten am Ende teurer ausfallen als die Zahlung der Zölle selbst.
Bedeutung für die italienische Wirtschaft
Die italienischen Pastaexporte in die USA hatten 2024 einen Wert von etwa 671 Millionen Euro. Die Vereinigten Staaten sind nach Deutschland der zweitwichtigste Exportmarkt für italienische Nudelproduzenten. Insgesamt exportiert Italien Teigwaren im Wert von über 4 Milliarden Euro, wobei 63 Prozent in die EU gehen. Deutschland ist mit etwa 467.000 Tonnen der grösste Importeur – rund 50 Prozent mehr als die USA.
Tradition und Qualität
Die italienischen Hersteller, überwiegend Mittelständler, sind stolz auf ihre traditionellen Herstellungsmethoden. Der Teig aus eiweisshaltigem Hartweizengriess (Semola) wird oft durch bronzeverzierte Formen gepresst, um eine raue Textur zu erzeugen, an der die Sosse besser haftet. Zusätzlich wird italienische Pasta länger getrocknet als bei vielen anderen industriellen Herstellern. In einer aktuellen Umfrage gaben Italiener an, dass sie besonders stolz auf fünf Merkmale ihres Landes sind: historische Monumente, Kunst, Natur, Literatur – und Pasta.
Kernaussagen
- Die USA haben die angedrohten Strafzölle auf italienische Pasta von knapp 92 Prozent drastisch auf 2,3 bis 14 Prozent reduziert
- Giorgia Meloni wird als diplomatische Gewinnerin gefeiert, die intensive Lobbyarbeit ihrer Regierung angeführt hat
- Der Streit über Dumping-Vorwürfe bei italienischer Pasta besteht bereits seit etwa 30 Jahren
- Die italienische Pastabranche exportiert 2024 für etwa 671 Millionen Euro in die USA, was den zweitwichtigsten Exportmarkt nach Deutschland darstellt
- Die Untersuchung durch das amerikanische Ministerium dauert bis 11. März 2026 an, weshalb neue Entwicklungen möglich sind
- Italienische Hersteller betonen ihre traditionellen und qualitätsbewussten Produktionsmethoden als Unterscheidungsmerkmal
Metadaten
Sprache: DeutschPublikationsdatum: 02.01.2026
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)
Autor: Christian Schubert, Rom
Original-URL: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/pastafrieden-usa-senken-zoelle-auf-italiens-nudeln-110812629.html
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