Autor: Daniel AJ Sokolov
Quelle: Heise News
Kurzfassung
Tesla hat bei dem koreanischen Unternehmen L&F Kathoden für neue 4680-Akkuzellen im Wert von angeblich 2,9 Milliarden US-Dollar bestellt, tatsächlich aber nur Kathoden für 7.386 Dollar abgenommen. Der massive Auftragsverlust betrifft nicht nur Tesla und L&F – auch andere Hersteller wie Ford und Zulieferer wie LG Energy Solutions erleben ähnliche Rückschläge im Elektrofahrzeugmarkt.
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Themen
- Elektrofahrzeug-Markt
- Lithium-Ionen-Batterietechnologie
- Lieferkettenprobleme
- Cybertrück-Absatzkrise
- Marktflaute bei E-Fahrzeugen
Detaillierte Zusammenfassung
Tesla und L&F: Erwartungen vs. Realität
Elon Musk hatte 2020 beim „Tesla Battery Day" angekündigt, dass neue Akkuzellen ab 2023 den Elektroauto-Markt revolutionieren würden. Die hocheffizienten 4680-Rundzellen sollten bei geringeren Kosten mehr Strom liefern. 2023 unterzeichnete Tesla daraufhin einen Liefervertrag mit dem koreanischen Unternehmen L&F über Kathoden im Gesamtwert von 2,9 Milliarden US-Dollar, die bis Ende 2025 geliefert werden sollten.
Die Realität fiel jedoch katastrophal aus: Tesla nahm lediglich Kathoden für 7.386 Dollar ab – weniger als ein Tausendstel des geplanten Volumens. L&F gab diese Mitteilung zwischen den Jahren bekannt. Für das südkoreanische Unternehmen ist dieser Auftragsverlust verheerend, hätte der Vertrag doch eine Verfünffachung des Jahresumsatzes bedeutet. Weitere Umsätze aus diesem Vertrag erwartet L&F nicht.
Probleme mit der Cybertruck-Strategie
Der Grund für den massiven Auftragsrückgang liegt in der Flop-Performance des Cybertrucks. Tesla verbaut die 4680-Zellen bislang ausschliesslich in diesem Fahrzeug. Die Gigafactory in Texas könnte zwar 250.000 Stück pro Jahr produzieren, der tatsächliche Absatz liegt jedoch deutlich unter einem Zehntel dieser Kapazität. Selbst die zusätzliche Abnahme durch andere von Musk verwaltete Firmen (SpaceX und xAI mit insgesamt über 1.000 Cybertrucks) konnte das Problem nicht lösen.
Mögliche technologische Hindernisse
Möglicherweise hat Tesla günstigere oder bessere Lieferanten für hochnickelhaltige Kathoden gefunden. Allerdings werden die Akkuzellen in keinem anderen Fahrzeugmodell verbaut, und der angekündigte Verkauf an Dritte hat bislang nicht stattgefunden. Experten vermuten, dass sich die energiesparende und kostengünstige Trockenbeschichtung der Folien bei der Massenfertigung als schwieriger erwies als Elon Musk 2020 angenommen hatte.
Technisch zeigen sich Unterschiede zwischen Teslas 4680-Zylindern und den flacheren Zellen von BYD: Während Teslas Zellen eine höhere Energiedichte aufweisen, produzieren sie deutlich mehr Abwärme und weisen grössere Innenwiderstände auf.
Breitere Marktprobleme
Die Probleme gehen weit über Tesla und L&F hinaus. Der nordamerikanische Markt für Elektrofahrzeuge erlebt aus politischen und wirtschaftlichen Gründen eine Phase der Flaute. Tesla geriet zusätzlich durch den verstärkten Wettbewerb, insbesondere aus China, in die Defensive. Zudem hat Elon Musks politische Betätigung das Image der Marke erheblich beeinträchtigt.
Vergleichbare Fälle bei Ford und LG Energy Solutions
Auch grössere Autohersteller sind betroffen: Nach General Motors hat auch Ford seine Elektrofahrzeug-Pläne erheblich zurückgefahren und Milliarden Dollar abgeschrieben. Dies trifft den südkoreanischen Zulieferer LG Energy Solutions (LGES) besonders hart. LGES sollte von Anfang 2027 bis Ende 2032 Akkus für insgesamt 75 Gigawattstunden (ca. 7,1 Milliarden Dollar) liefern – doch Ford wird die geplanten Fahrzeuge gar nicht bauen.
Ein Joint Venture zwischen LGES und Honda zur gemeinsamen Akkuproduktion in Nordamerika steht ebenfalls auf der Kippe. Honda kauft die Fabrik des Gemeinschaftsunternehmens in Ohio (Buchwert: 2,9 Milliarden Dollar) auf und wird diese zurückmieten.
Freudenberg schliesst Akkuproduktion
Die deutsche Freudenberg-Gruppe stellt ihre Lithium-Akkuproduktion in Michigan ein. Die Tochter Xalt, die seit März 2024 von LGES gelieferte Zellen in Akkus für den E-Nutzfahrzeugmarkt verbaut, muss den Betrieb schliessen. Die erhofften Wachstumsperspektiven für diesen Markt erfüllen sich nicht. LG Energy Solutions sollte bis Ende 2031 Module für 19 Gigawattstunden (2,8 Milliarden Dollar) liefern – tatsächlich wurden es nur 110 Millionen Dollar.
Kernaussagen
- Der angebliche 2,9-Milliarden-Dollar-Auftrag von Tesla an L&F wurde zu über 99,9% storniert – ein beispielloses Vertragsdesaster
- Der Cybertruck, als Flagship-Produkt für die 4680-Zellen gedacht, ist ein wirtschaftlicher Fehlschlag geworden
- Technische Herausforderungen bei der Trockenbeschichtung wurden offenbar unterschätzt
- Die Flaute im Elektrofahrzeugmarkt betrifft alle grösseren Hersteller und Zulieferer
- Südkoreanische Batteriehersteller tragen die wirtschaftlichen Hauptlasten dieser Marktentwicklung
- Milliardenverluste für Ford, General Motors, LGES und Freudenberg
Metadaten
Sprache: DeutschAutor: Daniel AJ Sokolov
Quelle: Heise News
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