Autor: Bundesrat Schweiz
Quelle: news.admin.ch – Medienmitteilung
Publikationsdatum: 5. Dezember 2025
Lesezeit: 4 Minuten


Executive Summary

Der Bundesrat eröffnet eine Vernehmlassung zur Separatbesteuerung von Geldspielgewinnen ab circa 1,07 Millionen Franken. Das neue Regelwerk soll verhindern, dass Gewinner durch einen Kantonswechsel erhebliche Steuern einsparen. Künftig wird der Wohnsitz zum Zeitpunkt des Gewinns – nicht zur Steuererklärung – massgeblich sein. Dies reduziert Koordinationsaufwand und Gestaltungsspielraum, schafft aber auch neue administrative Anforderungen.


Kritische Leitfragen

  1. Eigentumsfreiheit vs. Gleichbehandlung: Lädt eine Sonderbesteuerung einzelner Einkommensarten zu willkürlichen Unterscheidungen ein – und gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit als Spielstandort?

  2. Verwaltungseffizienz oder Komplexität: Wird die separate Besteuerung den kantonalen Koordinationsaufwand wirklich senken, oder entstehen neue Schnittstellen und Fehlerquellen?

  3. Verhältnismässigkeit: Rechtfertigt die vergleichsweise geringe Steuerausfallwirkung den regulatorischen Aufwand für eine Minderheit von Gewinnern?


Szenarienanalyse: Zukunftsperspektiven

Kurzfristig (1 Jahr)

  • Vernehmlassungsphase mit Rückmeldungen von Kantonen und Branche
  • Umsetzung der Motion 23.3701 Zanetti im Gesetzgebungsprozess
  • Geringe finanzielle Impact, aber administrative Übergangsfragen

Mittelfristig (5 Jahre)

  • Gesetz in Kraft; Kantone passen Steuersysteme an
  • Sechs bereits adaptierten Kantone (Bern, Jura, Neuenburg, Schwyz, Tessin, Wallis) gewinnen Handlungssicherheit
  • Vereinheitlichte Besteuerung schafft mehr Transparenz; Umzugsanreize sinken

Langfristig (10–20 Jahre)

  • Mögliche Harmonisierung der Spielbankentarife über Kantone hinweg
  • Potenzielle Neubewertung der Freigrenze bei Inflation (aktuell: 1.071.000 CHF)
  • Frage der Globalisierung: Wie reagiert die Schweiz auf EU-weite Regelungen zu Glücksspielbesteuerung?

Hauptzusammenfassung

Kernthema & Kontext

Der Bundesrat reagiert auf das Phänomen der Steueroptimierung nach Geldspielgewinnen: Bisher konnten Gewinner nach einem Lotteriegewinn oder Spielbankenerfolg in einen steuergünstigeren Kanton umziehen und damit erhebliche Steuerersparnisse erzielen. Diese Praktik soll durch Bindung an den Wohnsitz im Gewinnjahr unterbunden werden.

Wichtigste Fakten & Zahlen

  • Schwellenwert: Geldspielgewinne ab ~1,071 Millionen CHF (Freigrenze gemäss DBG per 1.1.2026) werden separatbesteuert
  • Massstab: Besteurung am Wohnsitz zum Zeitpunkt des Gewinns, nicht zum Steuererklärungszeitpunkt
  • Vorreiter-Kantone: 6 Kantone (Bern, Jura, Neuenburg, Schwyz, Tessin, Wallis) haben bereits Sonderbesteuerung etabliert
  • Bundessteuer: Separater Maximalsatz geplant; kantonale Tarife bleiben kantonal bestimmbar
  • Steuerbefreiung: Gewinne unter ~1 Million CHF bleiben steuerfrei (regulierte Spielbanken, Lotterien, Online bis zur Grenze)
  • Finanzielle Auswirkung: ⚠️ Gering auf Bundesebene; kantonale Effekte variieren je nach Tarif und Gewinnverteilung
  • Administrativer Aufwand: Moderater Mehraufwand für kantonale Steuerverwaltungen durch Koordination bei Umzügen

Stakeholder & Betroffene

  • Bundesrat & ESTV: Federführung der Regelung
  • Kantone (insb. Finanzämter): Implementierungs- und Koordinationsbelastung
  • Geldspielgewinners (>1 Mio CHF): Gestaltungsspielraum eingeschränkt
  • Spielbanken & Lotterieverwaltungen: Dokumentationspflichten erweitert
  • Benachbarte Kantone: Potential verschobener Steuerzuflüsse

Chancen

Gleichbehandlung: Abbau von Gestaltungsasymmetrien zwischen Kantonen
Transparenz: Klarere Zuordnung von Besteuerungsrechten
Verwaltungsvereinfachung: Koordinationsaufwand bei Umzügen gesenkt
Verfassungskonformität: Umsetzung einer parlamentarischen Motion

Risiken

⚠️ Komplexität: Doppelbesteuerung bei Auslandsspielen; Klärungsbedarf bei Grenzfällen
⚠️ Wettbewerbsdruck: Spielstandort Schweiz ggü. Nachbarländern möglicherweise weniger attraktiv
⚠️ Administrierbarkeit: Kantone müssen neu Gewinnzeitpunkt vs. Erklärungszeitpunkt unterscheiden
⚠️ Finanzielle Unsicherheit: ⚠️ Prognosen über kantonale Ausfallwirkungen fehlen in der Mitteilung

Handlungsrelevanz

Für Exekutive: Vernehmlassungsprozess sorgfältig moderieren; kantonale Bedenken ernst nehmen.
Für Kantone: Frühzeitig IT-Systeme und Prozesse adaptieren.
Für Glücksspielanbieter: Offenlegungspflichten und Dokumentation verschärfen.
Für Gewinner: Zeithorizont des Umzugs überdenken; Steuerplanung nicht mehr nahtlos möglich.


Qualitätssicherung & Faktenprüfung

Überprüfte Aussagen:

  • Motion 23.3701 Zanetti ist korrekt zitiert (parlamentarischer Auftrag)
  • Freigrenze von 1.071.000 CHF entspricht DBG-Stand 1.1.2026
  • Sechs Vorreiter-Kantone mit Sonderbesteuerung korrekt benannt

⚠️ Unverifizierto/Unsicherheit:

  • Konkrete finanzielle Ausfalleffekte auf Kantons-/Bundesebene nicht quantifiziert
  • Schätzung administrativer Mehrkosten fehlt
  • Keine Angaben zu internationaler Rechtskonsistenz (OECD, EU)

Verifizierungsstatus: ✅ Fakten geprüft am 5. Dezember 2025 gegen offizielle admin.ch-Quellen


Ergänzende Recherche & Kontext

  1. Bundesamt für Statistik (BFS): Spielerverhalten und Gewinnverteilungen – Datengrundlage für Prognosen fehlt
  2. Konferenz der Kantonalen Finanzdirektoren (FDK): Stellungnahmen zur Umsetzbarkeit erwartet
  3. Spielbankenverbände & Lotterieorganisationen: Alignment mit europäischen Standards notwendig

Thematische Verlinkungen


Quellenverzeichnis

Primärquelle:
Medienmitteilung – Steueroptimierung nach hohem Geldspielgewinn soll erschwert werden – Bundesrat, 5. Dezember 2025

Vernehmlassungsmaterialien:

  • Bundesgesetz über die separate Besteuerung von Geldspielgewinnen (Vernehmlassungsvorlage)
  • Erläuternder Bericht
  • Orientierungsschreiben an Kantone und Organisationen

Ergänzende Quellen:

Verifizierungsstatus: ✅ Fakten geprüft am 5. Dezember 2025