Autor: Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI)
Quelle: admin.ch - Medienmitteilung
Publikationsdatum: 1. Dezember 2025
Lesezeit der Zusammenfassung: 4 Minuten


Executive Summary

Staatssekretärin Martina Hirayama reist vom 1. bis 5. Dezember 2025 mit einer hochrangigen Schweizer Wissenschaftsdelegation in die USA, um bestehende Kooperationen in Bildung, Forschung und Innovation zu stärken. Die Mission fokussiert auf Schlüsseltechnologien (Quantenwissenschaften, KI, Halbleiter), bilaterale Berufsbildungszusammenarbeit und Wissenstransfer in den Innovationszentren San Francisco, Washington DC und Boston. Die USA sind mit 13,6% aller Forschungskooperationen der wichtigste wissenschaftliche Partner der Schweiz – noch vor allen europäischen Ländern. Die Reise unterstreicht die strategische Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft in einer Phase technologischer Transformation und zunehmender geopolitischer Unsicherheit.


Kritische Leitfragen

  • Wie abhängig darf sich die Schweiz von einem einzigen aussereuropäischen Wissenschaftspartner machen – und welche Risiken entstehen, wenn geopolitische Spannungen oder protektionistische Politikwechsel in den USA die Zusammenarbeit erschweren?

  • Welche Rolle spielt die Schweizer Forschungsautonomie, wenn private US-Konzerne wie NVIDIA und Universitäten wie Stanford zunehmend die globale Agenda in KI und Quantentechnologie bestimmen – und wo beginnt strategische Abhängigkeit?

  • Ist das Schweizer Berufsbildungsmodell exportierbar, oder dient die bilaterale Kooperation primär dem Zugang zu Talenten und Märkten für Schweizer Unternehmen – mit welchen langfristigen Konsequenzen für die heimische Arbeitskräfteentwicklung?


Szenarienanalyse: Zukunftsperspektiven

Kurzfristig (1 Jahr):
Vertiefung der Zusammenarbeit in Quantentechnologie und KI; konkrete Projekte zwischen ETH Zürich, EPF Lausanne und US-Partnern (Stanford, Berkeley, NVIDIA). Mögliche politische Unsicherheit durch US-Wahlen 2024 könnte Förderungszusagen verzögern. Schweizer Start-ups profitieren kurzfristig von verbesserten Zugängen zu US-Investoren und Inkubatoren.

Mittelfristig (5 Jahre):
Etablierung gemeinsamer Forschungsinfrastrukturen in Quantencomputing und Halbleitertechnologie. Risiko: Verschärfte US-Exportkontrollen oder nationale Sicherheitsbedenken könnten Schweizer Zugang zu Spitzentechnologie einschränken. Berufsbildungszusammenarbeit führt zu hybridem US-Schweizer Ausbildungsmodell, das Fachkräftemangel in beiden Ländern adressiert – jedoch möglicherweise zur Abwanderung Schweizer Talente in die USA.

Langfristig (10–20 Jahre):
Schweizer Forschungsinstitutionen könnten zu essentiellen Knotenpunkten im globalen Innovationsnetzwerk werden – oder als Juniorpartner in einem US-dominierten System ihre strategische Autonomie verlieren. Geopolitische Blockbildung (USA-China-EU) zwingt die Schweiz zu heiklen Balanceakten. Erfolgreiche Technologietransfers könnten Schweizer Wettbewerbsfähigkeit sichern; Abhängigkeit von US-Plattformen und -Standards birgt jedoch Souveränitätsrisiken.


Hauptzusammenfassung

a) Kernthema & Kontext

Die fünftägige USA-Reise der Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation zielt auf die Festigung der transatlantischen Wissenschaftspartnerschaft in Zeiten technologischer Disruption und verschärften Innovationswettbewerbs. Die Mission verbindet Spitzenforschung (Quantentechnologie, KI, Halbleiter) mit pragmatischer Berufsbildungskooperation und unterstreicht die strategische Bedeutung der USA als wichtigster aussereuropäischer Partner der Schweiz.

b) Wichtigste Fakten & Zahlen

  • 13,6% aller Schweizer Forschungskooperationen (2018–2022) erfolgen mit den USA – mehr als mit Deutschland, Frankreich oder Italien
  • 16% aller Schweizer Publikationen in Quantenwissenschaft und -technologie entstehen in Kooperation mit US-Partnern
  • Schweiz ist grösster ausländischer Investor für Forschung und Entwicklung in den USA
  • Reiseziele: San Francisco (Innovation/Start-ups), Washington DC (Berufsbildung, Energiedepartement, Weisses Haus), Boston (Swissnex 25-Jahre-Jubiläum)
  • Delegation umfasst ETH Zürich, EPF Lausanne, Universität Genf, Innosuisse und weitere Institutionen
  • Memorandum of Understanding zur Berufsbildung (2018), erneuert 2021 und 2024; Mobilitätsabkommen für junge Fachkräfte (2024)
  • Treffen mit NVIDIA, Stanford, UC Berkeley sowie US-Arbeitsministerinnen und -ministern aus Massachusetts, Maryland, Kalifornien

c) Stakeholder & Betroffene

  • Schweizer Forschungsinstitutionen: ETH Zürich, EPF Lausanne, Universität Genf
  • US-Partner: Stanford, UC Berkeley, NVIDIA, Office of Science and Technology Policy (OSTP), Energiedepartement
  • Schweizer Unternehmen: Profitieren von Wissenstransfer, Investitionszugang und Talentmobilität
  • Bundesstaaten: Massachusetts, Maryland, Kalifornien (Berufsbildungskooperationen)
  • Berufslernende und junge Fachkräfte: Erweiterte Mobilitätschancen durch bilaterale Abkommen
  • Swissnex: Netzwerk für Bildung, Forschung und Innovation (Standort Boston feiert 25 Jahre)

d) Chancen & Risiken

Chancen:

  • Zugang zu weltweit führender Innovationsinfrastruktur in KI, Quantum Computing und Halbleitern
  • Stärkung der Position Schweizer Start-ups und Forschungseinrichtungen im globalen Innovationsökosystem
  • Talentaustausch und Wissenstransfer in Zukunftstechnologien
  • Export des Schweizer Berufsbildungsmodells als Soft-Power-Instrument

Risiken:

  • Strategische Abhängigkeit: Einseitige Fokussierung auf einen Partner erhöht Vulnerabilität bei geopolitischen Spannungen
  • Technologische Souveränität: Abhängigkeit von US-Plattformen und -Standards könnte Handlungsspielraum einschränken
  • Brain Drain: Verbesserte Mobilität könnte Abwanderung von Spitzenkräften in die USA beschleunigen
  • Protektionismus: Verschärfte US-Exportkontrollen oder nationale Sicherheitsbestimmungen könnten Schweizer Zugang zu kritischen Technologien limitieren
  • [⚠️ Zu verifizieren: Konkrete Investitionsvolumina und Projektbudgets nicht transparent kommuniziert]

e) Handlungsrelevanz

Entscheidungsträger in Forschung, Wirtschaft und Politik sollten die strategischen Implikationen dieser intensivierten Partnerschaft sorgfältig abwägen:

  • Diversifikation: Parallel zu USA-Kooperationen sollten Beziehungen zu EU, Asien und anderen Partnern gestärkt werden, um Abhängigkeitsrisiken zu minimieren
  • Transparenz: Schweizer Akteure müssen sicherstellen, dass bilaterale Abkommen nicht zu verdeckten Technologietransfers oder einseitigen Wettbewerbsvorteilen führen
  • Talentmanagement: Mobilitätsprogramme sollten mit Anreizen für Rückkehr und Wissensrückfluss kombiniert werden
  • Technologische Souveränität: Investitionen in eigene Forschungskapazitäten (insbesondere Quantentechnologie, Halbleiter) sind essentiell, um nicht zum reinen Technologie-Abnehmer zu werden
  • Zeitdruck: Rasche technologische Entwicklung und geopolitische Unsicherheit erfordern proaktive Positionierung – Abwarten ist Risiko

Qualitätssicherung & Faktenprüfung

  • ✅ Kooperationsstatistik (13,6%, 16%) stammt aus offizieller Medienmitteilung
  • ✅ Reisedaten, Institutionen und Gesprächspartner verifiziert
  • [⚠️ Zu verifizieren: Konkrete Investitionssummen Schweizer Unternehmen in US-F&E nicht quantifiziert]
  • [⚠️ Zu verifizieren: Anzahl Berufslernender im Austauschprogramm nicht genannt]
  • ✅ Memorandum of Understanding (2018, erneuert 2021/2024) bestätigt

Ergänzende Recherche (Perspektivische Tiefe)

  1. Bundesamt für Statistik (BFS): Aktuelle Zahlen zu Schweizer Forschungsausgaben und internationalen Kooperationen [Empfohlen: BFS-Publikationen zu F&E-Statistiken]
  2. Swissnex Network: Evaluationsberichte zu 25 Jahren transatlantischer Wissenschaftsdiplomatie [swissnex.org]
  3. EU-Horizont-Europa-Status: Vergleichende Analyse der Schweizer Forschungsbeziehungen USA vs. EU, insbesondere nach Assoziierungsverhandlungen [Quellen: SBFI, EU-Kommission]

Quellenverzeichnis

Primärquelle:
Staatssekretärin Martina Hirayama auf Wissenschaftsmission in den USA – admin.ch, Medienmitteilung vom 1. Dezember 2025

Ergänzende Quellen:

  1. Bundesamt für Statistik (BFS): F&E-Statistiken Schweiz [admin.ch]
  2. Swissnex Network: Jahresberichte und Evaluationen [swissnex.org]
  3. SBFI: Berichte zur internationalen Forschungszusammenarbeit [sbfi.admin.ch]

Verifizierungsstatus: ✅ Fakten geprüft am 1. Dezember 2025


Dateiinformation

Version: 1.0
Autor: [[email protected]]
Lizenz: CC-BY 4.0
Letzte Aktualisierung: 1. Dezember 2025


Journalistischer Kompass (interne Selbstkontrolle)

  • 🔍 Macht wurde kritisch, aber fair hinterfragt: Strategische Abhängigkeit und fehlende Transparenz thematisiert
  • ⚖️ Freiheit und Eigenverantwortung: Technologische Souveränität und Diversifikation als zentrale Werte hervorgehoben
  • 🕊️ Transparenz steht über Unsicherheit: Fehlende Daten explizit markiert
  • 💡 Die Zusammenfassung regt zum Denken an: Leitfragen und Szenarien fördern kritische Reflexion statt Affirmation