Kurzfassung

Im Jahr 2025 wurden in der Schweiz 111.962 Verurteilungen ins Strafregister eingetragen. Die bedingte Geldstrafe blieb die häufigste Sanktion (78.693 Fälle), während kurze unbedingte Freiheitsstrafen auf einen historischen Tiefstand von 2.937 Fällen sanken. Am 31. Januar 2026 waren 7.119 Personen inhaftiert – die höchste Zahl seit Beginn der Erhebung 1988. Vermögensdelikte machten 48% aller Strafgesetzbuch-Verurteilungen aus, Verkehrsdelikte über die Hälfte aller Urteile.

Personen

Themen

  • Strafverfolgungsstatistik Schweiz
  • Gefängnisbelegung und Haftplätze
  • Sanktionsformen und Rückfallquoten
  • Datenplattform Swiss Stat Explorer

Clarus Lead

Die Rekordinzahl der Inhaftierten signalisiert Kapazitätsdruck im Vollzugssystem: Mit einer Belegungsrate von 97% operieren Schweizer Justizvollzugsanstalten am Limit. Gleichzeitig dokumentiert der Rückgang der Kurzhaftstrafen eine Systemverschiebung – Geldstrafen ersetzen Freiheitsentzug als Standardsanktion, was Reintegrationschancen verbessert, aber Platzengpässe verschärft. Die neue Swiss Stat Explorer-Plattform ermöglicht erstmals granulare Analyse von Rückfallmustern über demografische und deliktspezifische Dimensionen.

Detaillierte Zusammenfassung

Die 111.962 Verurteilungen 2025 verteilten sich ungleich: Verkehrsdelikte dominierten mit 57.150 Fällen (51% aller Urteile), während Strafgesetzbuch-Vergehen (38.406 Fälle) sich auf Vermögensdelikte (48%, 18.422), Körperverletzungen (12%, 4.716) und Sexualstraftaten (3%, 1.116) konzentrierten.

Die Sanktionspraxis hat sich seit Einführung der Geldstrafe 2007 fundamental verschoben: Bedingte Geldstrafen wurden 2025 insgesamt 78.693-mal verhängt und nur in 7% der Fälle widerrufen – ein Indikator für hohe Compliance. Kurze unbedingte Freiheitsstrafen fielen dagegen auf 2.937 Fälle, den niedrigsten Wert seit 2007. Landesverweisungen (2.272 Fälle) betrafen zu 94% obligatorische Ausweisungen; 37% der betroffenen Personen waren EU-Bürger, über die Hälfte erhielt Ausweisungsdauern über fünf Jahren.

Die Inhaftiertenquote offenbart ein Paradox: Während die absolute Zahl mit 7.119 Personen (31. Januar 2026) den historischen Höchststand seit 1988 markiert, ist die Quote gemessen an der Wohnbevölkerung niedriger als vor zehn Jahren – ein Effekt der Bevölkerungszunahme. Die Verteilung zeigt: 63% befanden sich im Straf-/Massnahmenvollzug, 31% in Untersuchungs-/Sicherheitshaft, 6% aus anderen Gründen. Mit 7.373 Haftplätzen in 90 Einrichtungen und sinkender Kapazität (leichter Rückgang) erreicht die Belegungsrate 97% – kritisch für Betriebsfähigkeit.

Das BFS hat die Dateninfrastruktur modernisiert: Der Swiss Stat Explorer bietet ab sofort flexible Auswertungen für 2007–2025 mit Filterung nach Kanton, Straftattyp und soziodemografischen Merkmalen. Neu dokumentiert sind Rückfallraten drei Jahre nach Entlassung, differenziert nach Vorstrafen, Alter, Geschlecht, Nationalität und Art des Rückfalls (identische vs. andere Straftat).

Kernaussagen

  • Bedingte Geldstrafe dominiert Sanktionspraxis mit 78.693 Fällen; nur 7% Widerrufsquote zeigt hohe Effizienz
  • Inhaftiertenquote erreicht 7.119 Personen (31.01.2026) – historisches Maximum, aber bevölkerungsbereinigt unter Niveau von vor 10 Jahren
  • Belegungsrate von 97% in Vollzugsanstalten signalisiert kritische Kapazitätsauslastung bei sinkender Platzanzahl
  • Swiss Stat Explorer ermöglicht erstmals granulare Rückfallanalyse nach demografischen und deliktsspezifischen Variablen

Kritische Fragen

  1. Datenqualität: Wie wird die Konsistenz zwischen kantonalen Strafregistern und der zentralen BFS-Erfassung gewährleistet, insbesondere bei Rückfallzählungen über Kantonsgrenzen hinweg?

  2. Kausalität: Erklärt der Rückgang der Kurzhaftstrafen eine genuine Präferenzverschiebung der Justiz oder administrative Anpassungen an Haftplatzengpässe?

  3. Umsetzbarkeit: Wie werden die 97% Belegungsrate bei weiterem Anstieg der Inhaftiertenzahlen operativ bewältigt – durch Neubau, Überbelegung oder Sanktionsverschärfung?

  4. Interessenskonflikte: Welche Anreize bestehen für Kantone, Geldstrafen statt Freiheitsentzug zu verhängen – budgetäre oder kriminalpolitische?

  5. Gegenhypothesen: Könnte die steigende absolute Inhaftiertenquote bei sinkender bevölkerungsbereinigter Quote auf demografische Verschiebungen (Zuwanderung, Alterung) oder auf veränderte Deliktsmuster zurückgehen?

  6. Rückfallvalidität: Wie werden Rückfälle in Kantonen erfasst, in denen die ursprüngliche Verurteilung stattfand – oder nur im Kanton der neuen Straftat?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Strafverfolgungsstatistik 2025 und Statistik des Freiheitsentzugs – Bundesamt für Statistik

Verifizierungsstatus: ✓ 11.05.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 11.05.2026