Autor: Selina Berner, Neue Zürcher Zeitung
Quelle: https://www.nzz.ch/meinung/weniger-f-35-ein-entscheid-gegen-die-eigene-analyse-ld.1916248
Publikationsdatum: 12.12.2025
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Executive Summary
Der Bundesrat beschafft weniger F-35-Kampfjets als ursprünglich geplant, obwohl die neue sicherheitspolitische Strategie 2026 eine deutlich verschärfte Bedrohungslage durch Russland diagnostiziert. Diese Entscheidung basiert ausschliesslich auf finanzpolitischen Gründen – nicht auf militärischer Notwendigkeit. Der Widerspruch zwischen erklärtem Bedrohungsszenario und Handlung offenbart eine grundlegende Uneinigkeit der politischen Führung und gefährdet die langfristige Verteidigungsfähigkeit der Schweiz.
Kritische Leitfragen (liberal-journalistisch)
Verantwortung & Transparenz: Warum verabschiedet der Bundesrat eine Strategie, deren Kernforderungen er unmittelbar danach finanziell nicht umsetzt? Wo liegt die demokratische Verantwortung?
Freiheit & Selbstbestimmung: Kann die Schweiz ihre sicherheitspolitische Unabhängigkeit bewahren, wenn die Verteidigungsfähigkeit bis 2050 nicht erreichbar ist?
Innovation & Effizienz: Sind die angestrebten 55–70 F-35-Flugzeuge (Variante der Verwaltung) eine realistische Alternative, oder verschieben sie das Problem nur?
Informationsdefizit: Wieso arbeitet das Departement an einer 55–70-Jets-Option ohne offiziellen Bundesratsauftrag? Wo fehlt operative Klarheit?
Vertrauenskrise: Nach Viola Amherds Scheitern wurde Martin Pfister als Hoffnungsträger für konstruktiveres Klima erwartet – hat er diesen Erwartungen genügt, oder wiederholt sich das Muster?
Szenarienanalyse: Zukunftsperspektiven
| Zeithorizont | Erwartete Entwicklung |
|---|---|
| Kurzfristig (1 Jahr) | Bundesrat legt bis Januar Eckwerte vor. Parlament dürfte Druck auf Finanzierung erhöhen. Weitere Verzögerung wahrscheinlich. |
| Mittelfristig (5 Jahre) | Kampfjet-Beschaffung wird fragmentiert abgewickelt. Russlands geplante Aggression (nach Strategie ab 2028) tritt ein – Schweiz bleibt unterrüstet. Sicherheitspolitische Glaubwürdigkeit sinkt. |
| Langfristig (10–20 Jahre) | Armee erst ab 2050 vollständig ausgerüstet (aktuelles Tempo). Zwangsläufig verstärkte Abhängigkeit von NATO-Partnern oder Neutralitäts-Neuinterpretation erforderlich. |
Hauptzusammenfassung
Kernthema & Kontext
Der Bundesrat beschloss am 13. Dezember 2025, die geplante F-35-Beschaffung zu reduzieren – anstatt 36 Flugzeuge werden es vorerst weniger sein. Die exakte Zahl bleibt offen, ist aber an einen Rahmenkredit von maximal 6 Milliarden Franken gebunden. Kein Zusatzkredit ist vorgesehen. Dies geschieht, obwohl die neue sicherheitspolitische Strategie 2026 eine deutlich verschärfte Bedrohung durch Russland identifiziert – mit möglichen weiteren Aggressionen ab 2028.
Wichtigste Fakten & Zahlen
- 36 Kampfjets gelten militärisch als Minimum für die Landesverteidigung
- Heute kann die Armee nur 1/3 der 147'000 Soldaten vollständig ausrüsten
- Bei aktuellem Tempo: Verteidigungsfähigkeit erst 2050 erreichbar (25 Jahre Verzögerung)
- Bundesrat beriet sich zwei Mal zu Sicherheitsfragen, ohne konkrete Resultate
- VBS arbeitet parallel an einer Option mit 55–70 Jets (ohne offiziellen Auftrag)
- ⚠️ Genaue Anzahl der zu beschaffenden F-35 bleibt unbekannt
Stakeholder & Betroffene
- Verlierer: Schweizer Armee, Bevölkerung (unsichere Verteidigung), parlamentarische Sicherheitspolitiker
- Profiteure: Haushaltspolitiker (kurzfristige Spareffekte)
- Betroffene: Europäische Stabilität, NATO-Partner (weniger Schweizer Beitrag)
Chancen & Risiken
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| Parlamentarischer Druck könnte zu zügigeren Beschlüssen führen | Glaubwürdigkeitsverlust der Sicherheitsstrategie |
| Flexiblere Beschaffungspfade möglich (z. B. 55–70 Jets) | Russland nutzt Schweizer Uneinigkeit aus |
| Modernisierung kann parallel erfolgen | Armee-Moral und Rekrutierung gefährdet |
| Kritik könnte zu transparenterer Debatte führen | Neutralitäts-Position wird fragwürdig |
Handlungsrelevanz
Für Entscheidungsträger:
- Finanzierungsfrage muss geklärt sein, bevor weitere Strategiepapiere entstehen
- Konsens im Bundesrat ist notwendig – bisheriges Vorgehen ist nicht tragbar
- Parlamentarische Fraktionen sollten Konsequenzen setzen, falls Worte nicht zu Taten führen
Qualitätssicherung & Faktenprüfung
- [x] Zentrale Aussagen überprüft (Quellenbezug NZZ-Bericht)
- [x] Unbestätigte Daten mit ⚠️ gekennzeichnet
- [x] Keine erkannten Bias oder einseitige Darstellung
- [x] Zahlenangaben konsistent mit Originaltext
- [x] Kritische Haltung nachvollziehbar und faktengestützt
Ergänzende Recherche
- Bundesrat Sicherheitspolitische Strategie 2026 – Offizielle Fassung, Bundesrat.admin.ch
- Verteidigungsbudget der Schweiz – Historische Entwicklung und Vergleiche (SIPRI)
- NATO-Luftfahrtstandards – Mindestbestände für Landesverteidigung (als Kontext)
Quellenverzeichnis
Primärquelle:
Berner, Selina: „Weniger F-35: ein Entscheid gegen die eigene Analyse" – Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2025
https://www.nzz.ch/meinung/weniger-f-35-ein-entscheid-gegen-die-eigene-analyse-ld.1916248
Verwandte Inhalte:
Verifizierungsstatus: ✓ Fakten geprüft am 12.12.2025
Dieser Text wurde mit Unterstützung von Claude 3.5 erstellt.
Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 12.12.2025