Kurzfassung

Der Bundesrat veröffentlichte am 30. Juni 2026 seinen Bericht zur Verkehrsentwicklung auf Schweizer Nationalstrassen. 2025 wurden 30 Milliarden Fahrzeugkilometer auf dem Netz zurückgelegt; die Staustunden stiegen um 20 Prozent auf 68'040 Stunden. Hauptverursacher sind Verkehrsüberlastung (89 Prozent) statt Baustellen. Besonders betroffen sind Pendlerachsen wie die A1, A2 und A3. Das Netz funktioniert nicht mehr nur in Spitzenlastzeiten, sondern nahezu ganztägig an der Kapazitätsgrenze.

Personen

  • Bundesrat (Kollektivorgan; verantwortlich für Verkehrspolitik)

Themen

  • Verkehrsentwicklung Nationalstrassen
  • Stauaufkommen und Verkehrsflussprobleme
  • Infrastrukturausbau und Verkehrsmanagement
  • Automatisiertes Fahren

Clarus Lead

Die Überlastung der Schweizer Nationalstrassen ist nicht länger ein Spitzenlast-Problem, sondern ein strukturelles Dauerproblem. Der 20-prozentige Anstieg der Staustunden signalisiert, dass intelligente Verkehrsmanagementsysteme und technologische Lösungen allein nicht ausreichen. Der Bundesrat leitet daraus die Notwendigkeit gezielter Netzausbauten ab – ein politisch sensibles Signal in einem Land, das Infrastrukturprojekte zunehmend kritisch hinterfragt. Die am 19. Juni 2026 eröffnete Vernehmlassung zum Projekt «Verkehr '45» wird zeigen, ob Kantone und Gemeinden bereit sind, punktuelle Erweiterungen zu akzeptieren.

Detaillierte Zusammenfassung

Das Nationalstrassennetz trägt eine Überproportionale Last: Mit nur 3 Prozent des Strassennetzes wurden 2025 45 Prozent aller Fahrzeugkilometer absolviert. Der Güterverkehr ist besonders abhängig: Über 70 Prozent des schweren Güterverkehrs nutzt Nationalstrassen. Personenwagen legten rund 25 Milliarden Kilometer zurück (+1,5 Prozent gegenüber 2024).

Die Stauproblematik konzentriert sich auf Pendlerachsen. Die A1 (Genf–St. Gallen), A2 (Basel–Chiasso) und A3 (Basel–Sargans) waren 2025 besonders belastet. Ein kritisches Phänomen: Verkehrsteilnehmende weichen auf Kantons- und Gemeindestrassen aus, wenn Nationalstrassen unzuverlässig werden. Auf parallelen Kantonsstrassen ist das Verkehrswachstum teilweise höher als auf den Autobahnen – ein Zeichen von Ausweichverkehr, der lokale Dörfer und Agglomerationen zusätzlich belastet.

Das ASTRA setzt auf operative Optimierung: Geschwindigkeitsharmonisierung und temporäre Pannenstreifenfreigabe haben auf der A6 (Thun–Bern) und A1 (Winterthur) nachweislich Staus reduziert. Seit Ende 2025 läuft die Anwendung «Verkehrslenkung Schweiz» zur zentralisierten Steuerung. Parallel werden Potenziale des hochautomatisierten Fahrens mit der Fahrzeugindustrie verfolgt. Allerdings räumt der Bericht ein: Diese Massnahmen genügen mittelfristig nicht. Systematische Engpässe erfordern punktuelle Netzausbauten, die das UVEK im Projekt «Verkehr '45» priorisiert hat.

Kernaussagen

  • Strukturelle Überlastung: Staustunden stiegen 2025 um 20 Prozent; Verkehrsüberlastung (nicht Baustellen) ist Hauptursache
  • Ganztägige Belastung: Verkehr verteilt sich über den ganzen Tag; Netz ist nicht mehr nur in Spitzenlastzeiten überlastet
  • Ausweichverkehr: Unzuverlässigkeit treibt Verkehr auf Kantonsstrassen, belastet Gemeinden zusätzlich
  • Technologie reicht nicht: Intelligente Systeme und automatisiertes Fahren allein können strukturelle Engpässe nicht lösen; Ausbauten sind notwendig

Kritische Fragen

  1. Datenqualität: Die Staustunden basieren auf Verkehrsmeldungen von Viasuisse und manueller Erfassung. Wie robust ist diese Methodik angesichts geplanter Umstellung auf automatisierte Erfassung (Floating Car Data)? Könnten Übergangsphasen Vergleichbarkeit gefährden?

  2. Kausalität Ausweichverkehr: Der Bericht beobachtet höheres Wachstum auf Kantonsstrassen parallel zu Nationalstrassen. Ist dies eindeutig Ausweichverkehr, oder gibt es alternative Erklärungen (z. B. regionales Bevölkerungswachstum, veränderte Siedlungsmuster)?

  3. Effizienz der Massnahmen: Pannenstreifenfreigabe zeigte lokal Erfolg (A6, A1 Winterthur). Wie skalierbar ist dieses Modell auf andere Strecken? Welche Sicherheitsrisiken entstehen?

  4. Interessenkonflikt Ausbauprojekte: Das UVEK priorisiert Ausbauten im Projekt «Verkehr '45» und eröffnet gleichzeitig die Vernehmlassung. Inwiefern könnte der Bericht als Legitimationsinstrument für Ausbaupläne fungieren, die politisch umstritten sind?

  5. Automatisiertes Fahren – Zeithorizont: Der Bericht nennt automatisiertes Fahren als mittelfristige Lösung. Welche Evidenz stützt die Annahme, dass Automatisierung Staustunden reduziert? Nicht auch Risiken (mehr Mobilität, induzierte Nachfrage)?

  6. Substitute nicht untersucht: Werden Modal-Shift-Potenziale (Schiene, öffentlicher Verkehr) analysiert, oder liegt der Fokus ausschliesslich auf Strassenausbau?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Bericht «Verkehrsentwicklung und Verfügbarkeit der Nationalstrasse 2025» – Bundesamt für Strassen (ASTRA), 30.06.2026

Ergänzende Quellen:

  1. Projekt «Verkehr '45» – UVEK
  2. Viasuisse – Verkehrsmeldungssystem (Datengrundlage Staustunden)

Verifizierungsstatus: ✓ 30.06.2026

Weitere Sprachen: Französisch | Englisch


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 30.06.2026