Kurzfassung
Die Schweizer Bundesbahnen (SBB) zahlten drei früheren Konzernleitungsmitgliedern im Jahr 2025 zusammen 573'000 Franken für die Ausübung von Mandaten nach deren Ausscheiden aus ihren Führungspositionen. Anton Häne (70) erhielt 99'000 Franken, Markus Jordi (64) 204'000 Franken und Peter Kummer (60) 270'000 Franken. Die Mandate umfassten Stiftungsratsfunktionen, Präsidien und Lehrstühle, teilweise auch ausserhalb der SBB. Die SBB geben jedoch nicht an, in welchem Umfang diese Personen tatsächlich tätig waren. Hinzu kommen Spesenentschädigungen und GA 1. Klasse.
Personen
- Thomas Hurter (SVP-Nationalrat, Präsident Verkehrskommission)
- Markus Jordi (ehemaliger Personalchef SBB)
- Peter Kummer (ehemaliger Infrastrukturchef SBB)
Themen
- Corporate Governance und Transparenz
- Staatsbetriebe und öffentliche Mittelverwendung
- Nachkarriere-Management in Führungsetagen
- Interessenskonflikte und Unabhängigkeit
Clarus Lead
Die Mandatszahlungen werfen Fragen zur Ausgabendisziplin eines Staatsbetriebs auf, der gleichzeitig behauptet, sparen zu müssen. Die SBB erhielten 2025 3,1 Milliarden Franken von der öffentlichen Hand, geben aber an, «ungenügend Ertragskraft» zu haben und müssten ihre Kosten bis 2030 um sechs Milliarden Franken senken. Parlamentarier verschiedener Fraktionen kritisieren die Mangelnde Kostentransparenz scharf – nicht nur als ethisches Problem, sondern als Signal mangelnder Eigenverantwortung in einer Behördenkultur, die externe Berater bevorzugt.
Detaillierte Zusammenfassung
Umfang und Struktur der Mandate
Anton Häne, pensioniert seit 2021, leitete während seiner aktiven Zeit den Personenverkehr. Seine 99'000 Franken entschädigten ihn für mehrere parallele Aufgaben: Präsidium der Stiftung SBB Historic (Bahngeschichtserhaltung), Koordination zum 125-Jahr-Jubiläum 2027 sowie Stiftungsratsmitgliedschaft der SBB-Pensionskasse.
Markus Jordi gab sein Amt als Personalchef im Mai 2025 ab und übernahm danach als «Senior Advisor» fünf Funktionen: Präsidium des Pensionskasse-Stiftungsrats, Vizepräsidium des SBB-Asbestfonds, Leitung des Dossiers «Internationales HR», Mitgliedschaft in SBB Historic sowie externe Mandate als Präsident des Fachhochschulrats der FHNW und Präsident der Pensionskasse Kanton Solothurn (PKSO). Seine 204'000 Franken wurden für sieben Monate (Juni–Dezember) gezahlt – eine effektive Jahresrate von etwa 350'000 Franken.
Peter Kummer, ehemaliger Infrastrukturchef, erhielt die höchste Summe: 270'000 Franken für ebenfalls sieben Monate als «Senior Consultant». Er übernahm einen SBB-finanzierten Lehrstuhl an der EPFL Lausanne für Bahn- und Verkehrssysteme und sass parallel im Verwaltungsrat des Spitalzentrums Biel.
Kontroverse über Transparenz und Vergleichbarkeit
SBB-Sprecherin Sabrina Schellenberg beteuert, dass Jordi und Kummer nach ihrem Rücktritt als «Hauptbeschäftigung» bei den SBB angestellt waren – nicht als Nebentätigkeiten. Dies ist ungewöhnlich: Normalerweise werden Mandate mit Honoraren entschädigt, nicht mit Löhnen. Die SBB weigern sich, die geleisteten Arbeitsstunden oder Pensenprozente offenzulegen.
SVP-Nationalrat Hurter vergleicht die Vergütungen mit dem Honorar der Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar (294'000 Franken für ein 60-Prozent-Pensum) und nennt die Beträge «völlig deplatziert». Die SBB lehnen diesen Vergleich ab: Verwaltungsräte erhielten Honorare für unabhängige Organfunktionen, während Kader Löhne für operative Funktionen erhielten – eine kategoriale Unterscheidung, die Hurter nicht überzeugt.
Politische Positionen
SP-Nationalrat David Roth fordert vollständige Arbeitsleistungsausweise – gerade bei Personen, die zuvor in obersten Entscheidungsgremien tätig waren. Mitte-Nationalrat Martin Candinas akzeptiert unternehmerische Entscheidungen, warnt aber: «Es darf nicht zum Standard werden, dass abtretende SBB-Kader nach ihrem Ausscheiden Mandate erhalten und weiterhin auf der Lohnliste stehen.»
Hurter kritisiert ein «generelles» Muster in Konzernleitungen: Die «Auslagerung» von Verantwortung auf externe Berater und ehemalige Manager diene oft nur der Verantwortungsdelegation, nicht dem echten Bedarf.
Kernaussagen
- Drei ehemalige SBB-Manager erhielten 2025 insgesamt 573'000 Franken für Mandate nach ihrem Ausscheiden – ohne offengelegte Arbeitsstunden oder Pensenprozente.
- Die SBB zahlten Löhne (nicht Honorare) für diese Mandate – eine ungewöhnliche Praxis, die das Unternehmen nicht rechtfertigt.
- Parlamentarier von links bis rechts fordern Transparenz und warnen vor einer «Unsitte», die Eigenverantwortung in Staatsbetrieben auszuhöhlen.
- Die SBB-Spitze lehnt Vergleiche mit dem Verwaltungsrat ab, aber die Intransparenz bei Arbeitspensen verstärkt Zweifel an der Kostendisziplin eines Unternehmens, das Sparmassnahmen predigt.
Kritische Fragen
Evidenz/Datenqualität: Wie können Revisoren oder der Bund die Wirtschaftlichkeit dieser Mandate bewerten, wenn weder Arbeitsstunden noch Pensenprozente offengelegt werden? Entspricht dies den Good-Governance-Vorgaben des Bundes, die die SBB selbst zitieren?
Interessenskonflikte: Kann ein ehemaliger Personalchef (Jordi) unabhängig den eigenen Pensionskasse-Stiftungsrat leiten, in den er selbst einzahlt? Wo liegen die Grenzen zwischen berechtigtem Wissenstransfer und Vetternwirtschaft?
Kausalität/Alternativen: Hätten die SBB diese Funktionen nicht extern, durch unabhängige Fachleute oder interne Nachwuchskräfte besetzen können – statt pensionierte Manager zu «belohnen»?
Umsetzbarkeit/Nebenwirkungen: Wenn dies zum Standard wird (wie Candinas warnt), welche Signale sendet das für die Motivation von mittlerem Management, das nach 30 Jahren ohne vergleichbare Abgangspakete ausscheiden muss?
Vergleichbarkeit: Warum sind direkte Vergleiche mit der Verwaltungsratspräsidentin «nicht sinnvoll», wenn beide Funktionen von den SBB bezahlt werden und der Öffentlichkeit gehört?
Transparenzstandard: Unterscheiden sich die SBB-Offenlegungen von denen anderer Schweizer Staatsbetriebe (Post, Swisscom) – und wenn ja, warum?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: 270'000 Franken für die Karriere danach: Die SBB belohnen ehemalige Topmanager mit lukrativen Mandaten – Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2026
Verifizierungsstatus: ✓ 12.04.2026
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 12.04.2026