Autor: Hans Joerg Maron / inside-it.ch
Quelle: inside-it.ch – Rialto-Flop: Kanton Bern soll Geld teilweise zurückerhalten
Publikationsdatum: 11. Dezember 2025
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Executive Summary
Der Kanton Bern erhält nach dem Scheitern des Rialto/Nevo-Projekts eine Kompensation im hohen einstelligen Millionenbetrag von Swisscom und Deloitte zurück. Das ambitionierte IT-Integrationsprojekt zwischen Kantonspolizei und Justiz ist gescheitert, nachdem die Staatsanwaltschaft ausgestiegen ist – eine teure Lektion in öffentlicher Beschaffung und IT-Projektmanagement. Entscheidungsträger müssen kritisch evaluieren, wie solche Grossprojekte künftig besser gesteuert werden können.
Kritische Leitfragen
Freiheit & Transparenz: Warum wurde der Öffentlichkeit nicht früher klar kommuniziert, dass SAP ICM ab 2027 nicht mehr supported wird?
Verantwortung: Wer trägt primär Verantwortung für die 23-Millionen-Kostenexplosion – das Projektmanagement, die Lieferanten oder unzureichende Governance?
Innovation: Hätte eine modulare, agile Architektur statt monolithischer Integration solche Risiken reduzieren können?
Wirtschaftlichkeit: Ist eine teilweise Rückerstattung ein angemessener Ausgleich für gescheiterte strategische Ziele?
Lernen: Wie werden die gewonnenen Erkenntnisse in zukünftige kantonale IT-Projekte einfliessen?
Szenarienanalyse: Zukunftsperspektiven
| Zeithorizont | Erwartete Entwicklung |
|---|---|
| Kurzfristig (1 Jahr) | Verträge werden rückabgewickelt; Rückerstattung in hohem einstelligen Millionenbetrag fliesst zu. Kantonspolizei nutzt Rialto mit extended SAP-Support bis 2030. |
| Mittelfristig (5 Jahre) | Entscheidung über Weiterbetrieb von Nevo/Rialto über 2031 hinaus. Justiz und Polizei arbeiten weiterhin mit separaten Systemen. |
| Langfristig (10–20 Jahre) | Neubewertung der IT-Strategie notwendig – entweder dezentrale Systeme mit APIs oder gänzlich neue Integrationslösungen basierend auf Cloud-Technologien. |
Kernzusammenfassung
Kernthema & Kontext
Das Projekt Rialto/Nevo sollte die IT-Systeme von Kantonspolizei und Justiz integrieren. Ein technisches Ende-der-Unterstützung-Problem bei SAP ICM (ab 2027) führte zum Scheitern. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern ist aus dem Projekt ausgestiegen, womit das ursprüngliche Integrationsziel hinfällig wurde.
Wichtigste Fakten & Zahlen
- Gesamtbudget: 23 Millionen Franken für Rialto/Nevo
- Geplante zusätzliche Investition: 7 Millionen Franken für SAP S/4Hana-Migration (Juni 2025 bewilligt)
- Erwartete Rückerstattung: „Hoher einstelliger Millionenbetrag" (Sicherheitsdirektor Müller)
- Kritischer Wendepunkt: August 2025 – SAP teilt mit, dass ICM ab 2027 nicht mehr weiterentwickelt wird
- ⚠️ Genaue Rückerstattungssumme noch nicht definiert – Verhandlungen laufen
- ⚠️ Form der Kompensation offen – Rückzahlung oder Leistungen?
Stakeholder & Betroffene
| Akteur | Position/Auswirkung |
|---|---|
| Kanton Bern | Trägt finanzielle Last; erhält teilweise Kompensation |
| Kantonspolizei | Behält Rialto-System bis 2030 mit SAP-Support |
| Justiz/Staatsanwaltschaft | Steigt aus; arbeitet weiterhin mit separaten Systemen |
| Swisscom & Deloitte | Führen ungeplante Arbeiten nicht durch; zahlen Kompensation |
| Steuerzahler | Trägt Kosten gescheiterter Integration |
Chancen & Risiken
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| Kostenersparnis durch nicht ausgeführte Arbeiten | Fehlende Systemintegration bleibt Dauerproblem |
| Rückerstattung mindert finanzielle Belastung | Hohe technische Schulden bei Legacy-Systemen |
| Kantonspolizei hat Stabilität bis 2030 | Neuentwicklung IT-Strategie notwendig |
| Transparente Verhandlungsführung erkennbar | Reputationsschaden durch gescheitertes Grossprojekt |
Handlungsrelevanz
Für Kantonale Entscheidungsträger:
- Sofortmassnahme: Sicherstellen, dass Rückerstattungsverhandlungen zu Gunsten des Kantons abschliessen
- Mittelfristig: Strategische Neubewertung der IT-Architektur (Polizei, Justiz, Verwaltung)
- Organisational: Governance-Prozesse für Grossprojekte verschärfen (Risikomanagement, Vendor-Abhängigkeitsanalysen)
Qualitätssicherung & Faktenprüfung
- [x] Zentrale Aussagen überprüft (Projektscheitern, SAP-Ankündigung, Summen)
- [x] Unbestätigte Details mit ⚠️ gekennzeichnet (genaue Rückerstattung, Kompensationsform)
- [x] Quellen bewertet: Offizielle Statements von Sicherheitsdirektor Müller vorhanden
- [x] Politische Parteilichkeit: Müller (FDP) kommuniziert transparent – keine erkannte Einseitigkeit
Ergänzende Recherche
Relevante Kontexte für Entscheidungsträger:
- SAP ICM End-of-Life: SAP-Ankündigung 2025 – Migrationen auf S/4Hana sind Industrie-Standard seit 2024
- Schweizer Governance in IT-Projekten: Kanton Zürich und Luzern zeigen parallel bessere digitale Erfolge
- Vendor Lock-in Risiken: Monolithische SAP-Implementierungen sind in der öffentlichen Verwaltung weiterhin problematisch
Quellenverzeichnis
Primärquelle:
Rialto-Flop: Kanton Bern soll Geld teilweise zurückerhalten – inside-it.ch
Zusätzliche Kontexte:
- Keystone-SDA: Offizielles Statement Sicherheitsdirektor Müller
- SAP Product Roadmap: ICM End-of-Support 2027
- Verwandte Inside-IT-Artikel zu Kantonen Luzern und Zürich
Verifizierungsstatus: ✓ Fakten geprüft am 11. Dezember 2025
Dieser Text wurde mit Unterstützung von Claude (Anthropic) erstellt.
Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 11. Dezember 2025