Kurzfassung

Die amerikanischen Tech-Giganten Meta und Microsoft treiben massive Investitionen in KI-Infrastruktur voran, um ihre Dienstleistungen zu monetarisieren. Während Meta mit starken Werbeeinnahmen und optimistischen Prognosen die Anleger überzeugt, enttäuscht Microsoft mit schwächerem Cloud-Wachstum als erwartet. Die «Magnificent Seven» Tech-Unternehmen versuchen, ihre Börsen-Dominanz zurückzugewinnen, während Zweifel an der Rentabilität der gigantischen KI-Investitionen bestehen bleiben.

Personen

Themen

  • KI-Infrastruktur und Rechenzentren
  • Tech-Konzern-Quartalsergebnisse
  • Cloud-Dienstleistungen und deren Wachstum
  • Digitalregulierung und Handelskonflikte
  • Monetarisierung von KI-Anwendungen

Detaillierte Zusammenfassung

Die Magnificent Seven unter Druck

Die sieben grössten Tech-Unternehmen der USA, die als «Magnificent Seven» bekannt sind, haben in den vergangenen Monaten an Aufmerksamkeit der Investoren verloren. Während sie lange die Börse dominierten, richten Analysten ihre Blicke zunehmend auf andere Sektoren und die «übrigen 493 Unternehmen» des S&P 500-Index. Diese Entwicklung stellt die Tech-Riesen unter Druck, ihre Relevanz und Profitabilität unter Beweis zu stellen.

Metas aggressive KI-Strategie zahlt sich aus

Meta unter der Führung von Mark Zuckerberg hat sich in den vergangenen drei Jahren systematisch von seinem ehemaligen Metaverse-Traum abgewandt und zu einem KI-konzentrierten Unternehmen transformiert. Der Werbekonzern nutzt die hervorragenden Erträge aus seinem digitalen Werbegeschäft – basierend auf Facebook, WhatsApp und Instagram – um immense Summen in KI-Rechenzentren und Fachkräfte zu investieren.

Im aktuellen Quartal kündigte Meta einen Umsatz zwischen 53,5 und 56,5 Milliarden Dollar an, deutlich über den Analystenschätzungen von 51 Milliarden Dollar. Besonders beeindruckend ist die Kapitalaufwendungs-Prognose für 2026: Meta plant 115 bis 135 Milliarden Dollar zu investieren – erheblich mehr als die erwarteten 111 Milliarden Dollar. Die Aktie legte nachbörslich um über 10 Prozent zu. Zuckerberg konnte allerdings noch keine konkreten Angaben zur Rentabilität der KI-Investitionen machen und versprach detailliertere Antworten in den kommenden Quartalen.

Microsofts Cloud-Wachstum enttäuscht

Microsoft musste dagegen eine Niederlage einstecken. Die Aktie des Redmond-Konzerns fiel nachbörslich um 5 Prozent, nachdem das Cloud-Segment nicht so schnell wuchs wie erhofft. Auch das Computerspiel-Geschäft verfehlte die Erwartungen im Weihnachtsquartal. Obwohl Microsoft als weltgrösster Software-Hersteller immer mehr KI-Applikationen in seine Produkte integriert, mangelt es dem Unternehmen an ausreichender Rechenleistung, um das gewünschte Wachstumstempo aufrechtzuerhalten.

Das Unternehmen erhöhte seine Investitionsausgaben im abgelaufenen Quartal auf 37,5 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Satya Nadella, CEO von Microsoft, betont regelmässig die Bedeutung praktischer KI-Anwendungen für positive Veränderungen in der «realen Welt». Die Investoren bleiben jedoch skeptisch, ob Microsoft genug zahlende Nutzer akquirieren kann, um die enormen Ausgaben zu rechtfertigen.

Regulatorische Herausforderungen und geopolitische Risiken

Meta weist auf regulatorische Auseinandersetzungen in Europa und den USA hin, insbesondere zu Jugendschutzauflagen, die das Werbegeschäft beeinträchtigen könnten. Besonders relevant ist die Trump-Regierung-Auseinandersetzung mit Europa über deren restriktive Digitalgesetzgebung. Da Meta fast ein Viertel seines Gesamtumsatzes (von 60 Milliarden Dollar) in Europa erwirtschaftet, könnten verschärfte Handelsconflikte erhebliche Auswirkungen haben.

Ausblick und weitere Ergebnisse

Die bisherigen Quartalsergebnisse der «Magnificent Seven» geben noch keine klare Antwort darauf, ob die amerikanische Tech-Industrie ihre Börsen-Dominanz zurückgewinnen wird. Apple wird am Donnerstag seine Zahlen vorlegen, gefolgt von Amazon und Alphabet in der kommenden Woche – beide investieren ebenfalls massiv in KI-Rechenzentren. Der Chip-Hersteller Nvidia schliesst den Ergebnisreigen am 25. Februar ab.

Kernaussagen

  • Meta überzeugt Anleger mit starken Werbeeinnahmen und aggressiven KI-Investitionsplänen von bis zu 135 Milliarden Dollar; die Rentabilität bleibt jedoch ungewiss
  • Microsoft enttäuscht mit schwächerem Cloud-Wachstum und Spielesparte-Ergebnissen trotz Investitionssteigerung um 66 Prozent
  • Die «Magnificent Seven» stehen unter Druck, ihre wirtschaftliche Relevanz und Profitabilität gegenüber Anlegern zu demonstrieren
  • Regulatorische Herausforderungen in Europa und potenzielle Handelskonflikte stellen zusätzliche Risiken für Tech-Konzerne dar
  • Die Kernfrage bleibt unbeantwortet: Ob sich die massiven KI-Infrastruktur-Investitionen je wirtschaftlich rechnen werden

Metadaten

Sprache: Deutsch
Quelle: Neue Zürcher Zeitung (NZZ)
Publikationsdatum: 29. Januar 2026
Original-URL: https://www.nzz.ch/wirtschaft/meta-und-microsoft-investieren-unsummen-um-ihre-ki-dienstleistungen-an-die-massen-zu-bringen-doch-eine-firma-enttaeuscht-die-anleger-ld.1922553
Autor: André Müller, New York
Lesezeit: ca. 4 Minuten