Kurzfassung

Die Schreinerei Koster AG Holzwelten und die Empa haben ein standardisiertes Verfahren zur Herstellung von Marmorholz entwickelt und bringen es unter dem Namen Myrai auf den Markt. Das besondere Holz entsteht durch kontrollierte Besiedlung mit einem Schlauchpilz, der natürliches Melanin-Pigment einlagert und charakteristische schwarze Linien erzeugt. Das Innosuisse-Projekt wandelt einen früheren Zufallsfund in ein skalierbares, hochtech-Produktionsverfahren um und eröffnet neue Wertschöpfung für einheimische Laubhölzer, die bislang überwiegend verheizt werden.

Personen

  • Francis Schwarze (Empa-Pilzexperte)
  • Jakob Koster (CEO und Gründer, Koster AG Holzwelten)
  • Lewis Douls (Chemiker, Hochskalierung)

Themen

  • Biotechnologie und Holzveredlung
  • Nachhaltige Materialinnovation
  • KMU-Forschungskooperation
  • Kreislaufwirtschaft und CO₂-Speicherung

Clarus Lead

Was früher ein seltener Waldfund war, ist heute Hightech: Ein Schlauchpilz zeichnet gezielt schwarze Melanin-Linien ins Holz. Die Kooperation zwischen dem St. Galler Familienbetrieb Koster AG Holzwelten und der Empa hat ein reproduzierbares Verfahren entwickelt, das einheimische Laubhölzer wie Ahorn, Buche und Esche in hochwertige Dekorationsmaterialien umwandelt. Für Entscheider relevant: Das Projekt demonstriert, wie KMU durch Forschungspartnerschaften komplexe Biotechnologie-Lösungen skalieren können und damit lokale Ressourcen statt exotischer Importhölzer nutzen. Der Markteintritt unter der Marke Myrai eröffnet neue Geschäftsfelder für bislang untergenutztes Holz und reduziert CO₂-Emissionen durch Vermeidung von Verbrennung.


Detaillierte Zusammenfassung

Die Innovation begann mit Zufall: Jakob Koster entdeckte schwarze Linien auf einem Holzstück seiner Schreinerei und zeigte es dem Empa-Forscher Francis Schwarze. Dieser erkannte sofort, dass ein Schlauchpilz – bekannt als Schädling an Laubbäumen – das Muster hinterlassen hatte. Das Potenzial war offensichtlich: Statt Baumstämme monatelang im Wald zu lagern und auf den richtigen Pilzbefall zu hoffen, sollte das marmorierte Holz gezielt hergestellt werden.

Das resultierende Innosuisse-Projekt etablierte ein standardisiertes Verfahren. Bretter werden in einer Vakuumkammer auf korrekte Feuchte gebracht, sterilisiert und mit dem Pilz inokuliert. In klimatisierten Kammern verziert der Pilz das Holz über mehrere Wochen mit seinen charakteristischen Linien. Nach technischer Trocknung stirbt der Pilz ab – das Besondere: Er baut nur schwach lignifizierte Zellwandbereiche ab, wodurch das Holz seine hohe Biegesteifigkeit behält. Das Endprodukt eignet sich für Möbel, Innenausbau, Musikinstrumente und Schmuck.

Die Hochskalierung war eine erhebliche Herausforderung. Chemiker Lewis Douls, der von der Empa zu Koster wechselte, musste Sterilität unter Laborbedingungen gewährleisten – eine komplexe Aufgabe, da Pilzsporen überall vorkommen. Die Investition in Biotechnologie-Ausrüstung (Autoklaven, Vakuumkammern) war erheblich. Das Unternehmen zeigte Erfindergeist: Klimakammern wurden von einem ehemaligen Speisepilzzüchter übernommen, Laborausrüstung von der ETH Zürich adaptiert. Douls optimierte Prozessschritte, sodass teure Grossautoklavage entfielen. Die resultierende Produktionsanlage ist heute besser ausgestattet als das ursprüngliche Empa-Labor.

Die Marktreife von Myrai hat erhebliche Nachhaltigkeitsimplikationen: Einheimische Laubhölzer, die in der Schweiz überwiegend verheizt werden, erhalten nun höherwertige Anwendungen. Holz ist ein CO₂-Speicher – solange es nicht verbrannt wird. Lokal produzierte Veredlung ersetzt teure Importhölzer und schont Ressourcen. Die nächste Phase ist wirtschaftliche Skalierung; erste Kundenanfragen liegen bereits vor.


Kernaussagen

  • Standardisierung von Zufallsfunden: Ein natürlicher Prozess (Pilzbefall) wurde in ein reproduzierbares, hochtech-Verfahren umgewandelt.
  • KMU-Forschungssynergie: Kleine und mittlere Unternehmen können komplexe Biotechnologie-Innovationen durch Kooperation mit Forschungsinstituten erfolgreich skalieren.
  • Ressourceneffizienz: Einheimische Laubhölzer, bislang Brennstoff, werden zu hochwertigen Dekorationsmaterialien veredelt – Vermeidung von CO₂-Emissionen und Importabhängigkeit.
  • Herausforderung Sterilität: Pilzkultivierung erfordert extreme Kontrollbedingungen; Optimierungen (z. B. Verzicht auf Grossautoklavage) sind entscheidend für Wirtschaftlichkeit.

Kritische Fragen

  1. Datenqualität & Reproduzierbarkeit: Wie konsistent sind die Melanin-Muster über mehrere Produktionschargen? Welche Fehlerquoten entstehen durch Kontaminationen oder Pilzvariabilität, und wie werden diese in der Kostenrechnung berücksichtigt?

  2. Skalierungsrisiken: Die Produktionsanlage ist neu; gibt es Langzeitdaten zur Stabilität der Klimakammern und zum Durchsatz? Wie schnell können Kapazitäten erhöht werden, falls Nachfrage überraschend stark wächst?

  3. Marktvalidierung: Die Pressemitteilung erwähnt „Anfragen", aber konkrete Aufträge oder Marktgrösse werden nicht genannt. Wie realistisch ist die Amortisation der Investitionen, und welche Konkurrenz existiert (z. B. andere Pilzholz-Anbieter, Importe)?

  4. Interessenkonflikte: Inwiefern profitiert die Empa von Lizenzgebühren oder Publikationen? Gibt es Abhängigkeiten, die die Forschungsunabhängigkeit gefährden könnten?

  5. Ökologische Nebenwirkungen: Welche Kontrollmassnahmen verhindern, dass Pilzsporen aus den Produktionsanlagen in die Umwelt gelangen? Könnte der Schlauchpilz, wenn er entweicht, zum Problem für Wälder werden?

  6. Wirtschaftlichkeit vs. Nachhaltigkeit: Ist Marmorholz preislich konkurrenzfähig zu exotischen Hölzern und industriell gefertigten Dekorationsmaterialien, oder bleibt es ein Nischenluxusprodukt?

  7. Skalierbarkeit der Rohstoffe: Reichen die einheimischen Laubholzbestände für eine signifikante Produktionssteigerung aus, oder besteht Konkurrenz zu anderen Nutzungen (Energieholz, Konstruktionsholz)?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Medienmitteilung: Aus dem Labor auf den Markt: Vom Pilz signiert – https://www.news.admin.ch/de/newnsb/ChTm2cBJtg-MrAZlJWkQX

Kontaktinformationen:

  • Prof. Dr. Francis W.M.R. Schwarze, Empa, Cellulose & Wood Materials, Tel. +41 58 765 7247, [email protected]
  • Jakob Koster, Koster AG Holzwelten, Tel. +41 79 629 30 45, [email protected]

Verifizierungsstatus: ✓ 12. Februar 2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 12. Februar 2026