Kurzfassung

Der Finanzexperte Michael Markowicz kritisiert in der Podcast-Serie „Schweizer Wirtschaftsdaily" ein verbreitetes Anlage-Dogma: die Behauptung, dass längere Anlagehorizonte automatisch geringeres Risiko bedeuten. Markowicz argumentiert, dass diese Aussage wissenschaftlich nicht haltbar ist und zu fehlerhafter Anlageberatung führt. Die zentrale These lautet: Längere Zeithorizonte erhöhen die Varianz des Vermögens und damit die Wahrscheinlichkeit, einen Crash zu erleben – sie reduzieren sie nicht. Die Verwechslung von Rendite-Varianz mit Vermögens-Varianz führe zu systematischer Fehlberatung bei Banken und durch Finanzinfluencer.

Personen

Themen

  • Anlage-Mythen und Fehlberatung
  • Risikomanagement und Zeithorizont
  • Finanzielle Vermögensbildung
  • Do-it-yourself-Investmentplattformen

Clarus Lead

Der „Langfrist-Mythos" ist nicht nur ein akademisches Problem – er legitimiert systemisch schlechte Anlageberatung. Wenn Berater einem Kunden nach Markteinbruch sagen „bleib investiert, die Zeit heilt alle Wunden", sprechen sie nicht zu wissenschaftlichen Fakten, sondern zu einem Mythos, der seit Jahrzehnten tradiert wird. In einem Umfeld, in dem Finanzinfluencer ohne Interessenskonflikte beraten und Regulierung schwach ist, wird dieser Mythos zur strukturellen Falle für private Anleger. Markowicz' neues Geschäftsmodell – kostenpflichtige Kurse statt provisionsabhängige Beratung – zielt direkt auf diese Grauzone.

Detaillierte Zusammenfassung

Markowicz unterscheidet präzise zwischen zwei mathematischen Konzepten, die in der Praxis ständig vermischt werden: Rendite-Varianz und Vermögens-Varianz.

Bei längeren Zeithorizonten wird die durchschnittliche Jahresrendite tatsächlich genauer schätzbar – ähnlich wie man das Durchschnittsverkehr auf einer befahrenen Strasse über 50 Fahrten zuverlässiger vorhersagen kann als über eine Fahrt. Aber: „Die Varianz des Vermögens wird immer grösser, je länger man investiert." Ein Anleger, der 50 Jahre spart und kurz vor der Pension einen Crash von 50 Prozent erlebt, verliert absolut mehr Vermögen als jemand, der zehn Jahre spart. Die Wahrscheinlichkeit, mindestens einen bedeutenden Crash zu erleben, steigt mit jedem zusätzlichen Jahr – statistisch quasi exponentiell.

Das bekannte Gegensatz-Beispiel: eine Wetterprognose wird ungenauer, je weiter in die Zukunft man blickt. Märkte verhalten sich umgekehrt – man kann Jahresrenditen über 20 Jahre besser schätzen als nächste Woche. Doch Schätzbarkeit der Rendite ist nicht Risikoreduktion. Markowicz verweist auf Paul Samuelson (Nobelpreisträger, 1990er-Jahre), der in seinem Papier „Another Dogma: Investing for the Long Run" genau diesen Fehlschluss widerlegte.

Die praktische Auswirkung: Banken und Online-Broker fragen im Onboarding, wie viel Vermögen der Kunde pro Jahr verlieren kann, bevor er nicht mehr schläft – etwa 20 Prozent. Hat ein Anleger diese Zahl genannt, ist es irrelevant, ob er eine oder zehn Jahre spart. Das maximale tolerierbare Risiko ändert sich nicht mit dem Zeithorizont. Die einzige Risikoreduktion ist ein Strategiewechsel (etwa: weniger Aktien, mehr stabile Anlagen) – nicht Zeitverlauf.

Markowicz gründete vor fünf Jahren Goal-Based-Investments, um diesem Beratungs-Wildwuchs entgegenzuwirken. Das Modell: Kunden zahlen für Kurse und Plattform, nicht für Produktverkauf. So entfallen Provisionsanreize. Allerdings zeigte sich: eine blosse Plattform reicht nicht. Viele Menschen verstehen auch „state-of-the-art-Technologie" nicht, wenn sie komplex ist. Also kam die Bildungskomponente hinzu.

Kernaussagen

  • Mythos „lange Zeit = niedriges Risiko" ist mathematisch falsch und wird von Paul Samuelson (Nobelpreis) widerleg; längere Horizonte erhöhen die Vermögens-Varianz und damit die Wahrscheinlichkeit, einen Crash zu erleben.
  • Rendite-Varianz und Vermögens-Varianz werden systematisch verwechselt: Die Jahresrendite wird genauer schätzbar über 20 Jahre, aber das Gesamtvermögen wird volatiler.
  • Provisionsabhängige Beratung perpetuiert den Mythos, weil er Beratern erlaubt, bei Markteinbrüchen einfach zu sagen „bleib investiert" – ohne echte Risikoanalyse.

Kritische Fragen

  1. Evidenz/Datenqualität: Markowicz zitiert Paul Samuelson (1990er-Jahre) für „Another Dogma: Investing for the Long Run" – liegt dieses Paper vor, und wie ist der aktuelle Konsens in der akademischen Finanzliteratur zum Langfrist-Risiko-Zusammenhang?

  2. Evidenz/Sourcevalidität: Das Strassenverkehr-Analogie ist illustrativ, aber: Sind Aktienmarkt-Crashes wirklich so kalibriert wie Unfallwahrscheinlichkeiten? Besteht nicht ein qualitativer Unterschied (Märkte sind adaptiv, Unfälle nicht)?

  3. Interessenskonflikte/Anreize: Markowicz' neues Geschäftsmodell (kostenpflichtige Kurse, keine Produktprovisionen) ist theoretisch konfliktfrei. Aber gibt es versteckte Anreize – z. B. dass er sein Plattform-Geschäft durch Angst-Narrativ („Banken lügen euch an") wachstumsmotiviert?

  4. Kausalität/Alternativen: Ist der Mythos primär durch Finanzberatung verursacht oder durch natürliches Investor-Denken (Menschen mögen simple Regeln wie „lange Sicht = sicher")? Können Kurse allein das ändern?

  5. Umsetzbarkeit: Wenn Vermögens-Varianz das echte Risiko ist, wie berät Markowicz konkret? Nach welcher Formel reduziert er Varianz für eine 40-jährige Person mit 500 k CHF Ersparnissen?

  6. Nebenwirkungen/Risikoverschiebung: Wenn jemand aus Angst vor Vermögens-Varianz in Anleihen/Bargeld flieht, riskiert er Inflations-Erosion. Wird dieser Trade-off in Markowicz' Kursen abgedeckt?


Weitere Meldungen

Keine (Single-Source-Produktion).


Quellenverzeichnis

Primärquelle: „Schweizer Wirtschaftsdaily, Folge 1: Langfristanlage-Mythos mit Michael Markowicz" – https://traffic.libsyn.com/secure/444aee3e-fcf2-4312-915d-c5494d773d9b/Folge_1_V03.mp3?dest-id=4841375

Referenzierte Quellen (in Transkript erwähnt, nicht verlinkt):

  • Paul Samuelson: „Another Dogma: Investing for the Long Run" (1990er-Jahre, genaue Quelle im Transkript nicht genannt)

Verifizierungsstatus: ✓ 28.03.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 28.03.2026