Kurzfassung
Der weltweite Stromverbrauch von Datenzentren wächst rasant durch die KI-Revolution. In den USA wird dies zum kritischen Problem, da das Stromnetz bereits überfordert ist und der Datencenter-Bedarf bis 2030 etwa die Hälfte des Stromwachstums ausmachen wird. Die Schweiz hat einen überproportional hohen Energieverbrauch für Server im europäischen Vergleich, doch aktuelle Analysen zur künftigen Entwicklung fehlen. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt, dass sich der globale Strombedarf bis 2030 verdoppeln wird.
Personen
- Hannes Weigt – Professor für Energieökonomie, Universität Basel
- Christian Grasser – Geschäftsführer Schweizerischer Verband der Telekommunikation (Asut)
Themen
- Stromverbrauch von Datenzentren
- KI und Energiewende
- Infrastruktur-Herausforderungen
- Netzausbau in der Schweiz
Detaillierte Zusammenfassung
Globale Perspektive: Massive Investitionen und Stromwachstum
Die KI-Revolution treibt massive Investitionen in Rechenzentren voran. Im Jahr 2025 wurden weltweit 580 Milliarden Dollar in den Ausbau von Rechenzentren investiert, wie die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt. Tech-Giganten wie Microsoft, Google, Meta und Amazon werden ihre Ausgaben 2026 fortsetzen. Der weltweite Strombedarf dieser Anlagen wird sich laut IEA bis 2030 verdoppeln. Die Investmentbank Morgan Stanley prognostiziert, dass der zusätzliche Energiebedarf bis 2028 fast dem jährlichen Stromverbrauch Kanadas entsprechen wird.
Parallel zur KI-Entwicklung läuft auch die allgemeine Digitalisierung weiter: Cloud-Migration, Elektromobilität und Klimaanlagen sind weitere bedeutende Stromverbraucher. Dies verstärft den Druck auf die globale Stromversorgung zusätzlich.
Die USA: Ein Stromnetz am Rande der Überlastung
Die USA trifft die Datencenter-Explosion besonders hart. Die IEA erwartet, dass bis 2030 etwa die Hälfte des Stromwachstums in den USA durch Datenzentren verursacht wird. Das amerikanische Stromnetz ist bereits stark belastet, insbesondere auf der Ostküste, wo sich Rechenzentren ballen. Neue Netzanschlüsse können dort mehrere Jahre dauern.
Betreiber bauen daher zunehmend eigene Kraftwerke – bevorzugt mit Erdgas, teilweise auch mit Kohle. Der Stromverbrauch von Datenzentren wird sich von 5 Prozent der Gesamtnachfrage (2023) auf 10 Prozent (2030) verdoppeln, schätzt die Rating-Agentur Morningstar. Die «Financial Times» kommt zu dem Ergebnis, dass der Kraftwerkausbau mit der Datencenter-Expansion nicht Schritt halten wird. Unter der Trump-Regierung werden erneuerbare Energien weniger gefördert, obwohl Solar und Wind grosses Potenzial bieten würden.
Europa und die Schweiz: Langsameres Wachstum, aber höherer Baseload
In Europa wächst die Datencenter-Dichte langsamer als in den USA. Morningstar erwartet einen Anstieg des Stromanteils von 2,4 auf 5 Prozent bis 2030, wobei etwa ein Drittel für KI-Anwendungen entfällt.
Die Schweiz präsentiert ein besonderes Bild: Bei der letzten Erhebung des Bundesamts für Energie (BfE) im Jahr 2019 benötigten Datenzentren bereits 3,6 Prozent des gesamten Schweizer Stromverbrauchs – deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 2,4 Prozent. Seit 2019 hat sich die Digitalisierung weiter vorangetrieben, ohne dass aktuelle Analysen verfügbar sind.
Der Schweizerische Verband der Telekommunikation (Asut) betont, dass das energieintensive Training von KI-Sprachmodellen mit wenigen Ausnahmen nicht in der Schweiz, sondern in den USA und China stattfindet. Trotzdem ist unklar, wie viel zusätzliche Energie Datenzentren in Zukunft benötigen werden.
Fehlende Analysen und Planung
Hannes Weigt, Professor für Energieökonomie an der Universität Basel, ordnet Datenzentren als einen weiteren Bestandteil der künftigen Stromnachfrage ein – neben Wärmepumpen und E-Mobilität. Genaue Vorhersagen seien schwierig, doch klar ist für Weigt: «Die Planung für das Schweizer Stromsystem muss davon ausgehen, dass die Nachfrage wachsen wird.»
Das Bundesamt für Energie arbeitet an einer umfassenden Studie zu Datenzentren, die im ersten Halbjahr 2026 vorliegen soll – eine erste aktuelle Analyse seit 2019.
Handlungsanforderungen
Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) warnt, dass nicht nur Verbrauch und Produktion, sondern auch die Belastung der Stromnetze berücksichtigt werden müssen. Der VSE fordert:
- Beschleunigter Netzausbau
- Massive Zunahme erneuerbarer Energien
- Stromspeicher-Ausbau
- Ein Stromabkommen mit der EU
Diese Massnahmen sind notwendig, um die Stromversorgung langfristig zu sichern.
Kernaussagen
- Der weltweite Stromverbrauch von Datenzentren wird bis 2030 verdoppelt; die KI-Revolution ist ein Haupttreiber dieser Entwicklung
- In den USA wird der Stromverbrauch von Datenzentren von 5 auf 10 Prozent bis 2030 steigen und das Stromnetz überlasten
- Die Schweiz verbraucht bereits 3,6 Prozent ihres Stroms für Datenzentren – über dem europäischen Durchschnitt – doch aktuelle Analysen zur künftigen Entwicklung fehlen
- Der Ausbau der Strominfrastruktur in den USA hält nicht mit dem Datencenter-Wachstum Schritt; Betreiber bauen zunehmend eigene Kraftwerke
- Die Schweiz benötigt einen beschleunigten Netzausbau, massive Investitionen in erneuerbare Energien und ein EU-Stromabkommen
- Genaue Vorhersagen zum Energiebedarf sind schwierig, aber Planung muss von weiterem Nachfragewachstum ausgehen
Metadaten
Sprache: DeutschAutor: Benjamin Triebe
Publikationsdatum: 28.12.2025
Quelle: https://www.nzz.ch/wirtschaft/ki-strombedarf-der-datenzentren-waechst-in-den-usa-und-der-schweiz-ld.1912056
Publikation: NZZ am Sonntag
Textlänge: ~2.850 Zeichen