Kurzfassung
Der Grünliberalen-Chef und Swissolar-Präsident Jürg Grossen widerspricht der Interpretation, dass hohe Stromimporte im Winter 2025/26 das Scheitern der Energiewende belegen. Stattdessen sieht er strukturelle Fortschritte durch den massiven Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Photovoltaik. Grossen argumentiert, dass neue Kernkraftwerke bis 2050 wirtschaftlich nicht mehr konkurrenzfähig wären und die Schweiz mit optimierter Wasserkraft, Wind- und Solarenergie die Stromversorgung sichern kann – ohne nennenswerte Importe.
Personen
- Jürg Grossen (Präsident Grünliberale und Swissolar)
- Albert Rösti (Bundesrat und Energieminister)
Themen
- Energiewende und Stromversorgung
- Erneuerbare Energien vs. Kernkraft
- Winterstromimporte und Versorgungssicherheit
- Solarenergie und Photovoltaik-Ausbau
- EU-Stromabkommen
Clarus Lead
Die Schweiz importierte im Winter 2025/26 fast so viel Strom wie in der Krisenwinter 2021/22 – doch der Grünliberalen-Chef sieht darin keinen Indikator für das Scheitern der Energiewende. Grossen betont, dass die Importabhängigkeit mittelfristig abnimmt und aussergewöhnliche Faktoren wie Trockenheit und Ausfälle einzelner Kernkraftwerke temporäre Spitzen erklären. Die zentrale These: Mit dem systematischen Ausbau der erneuerbaren Energien – insbesondere der Photovoltaik – wird Kernkraft an Bedeutung verlieren und neue Reaktoren bis 2050 wirtschaftlich unrentabel sein.
Detaillierte Zusammenfassung
Grossen bewertet die aktuellen Winterimporte im Kontext langfristiger Trends: Im Winter 2023/24 verzeichnete die Schweiz sogar einen Exportüberschuss, die Bilanz 2024/25 war fast ausgeglichen. Die hohen Importe resultieren aus aussergewöhnlichen Faktoren – minimale Niederschläge, die Wasserkraft beeinträchtigen, und der Ausfall des Kernkraftwerks Gösgen als Klumpenrisiko. Zwar verfehlt die Schweiz damit den Richtwert des neuen Stromgesetzes (maximal 5 TWh Winterimporte), doch Grossen sieht darin keine strukturelle Schwäche, sondern eine Ausnahmesituation.
Zur geopolitischen Risikowahrnehmung argumentiert Grossen, dass die grösste Abhängigkeit in fossilen Energieträgern liegt (68 Prozent der Gesamtenergie). Diese sinke massiv durch Wärmepumpen und E-Mobilität. Die Schweiz als Teil des europäischen Stromsystems profitiere von Importungsfähigkeit – ein Zeichen von Effizienz, nicht Schwäche. Entscheidend sei nicht die zeitweise Importabhängigkeit, sondern die Verfügbarkeit ausreichender Leistung ganzjährig.
Das Kernargument Grossens gegen neue Kernkraftwerke: Bis 2050 werden so viele erneuerbare Energien im System sein, dass sich neue Reaktoren wirtschaftlich kaum noch betreiben lassen. Die Solarenergie liefert bereits Winterstrom in der Grössenordnung eines ganzen Kernkraftwerks. Grossen setzt auf die Kombination von optimierter Wasserkraft, 16 Wasserkraftprojekten des runden Tisches und Solarausbau – ergänzt durch Reservekraftwerke mit synthetischen Brennstoffen für Ausfallszenarien. Trotz 1,5 Millionen mehr Einwohner, 500.000 Wärmepumpen und 250.000 E-Autos bleibt der Stromverbrauch stabil – Effizienzgewinne wirken.
Kernaussagen
- Winterimporte sind kein Strukturproblem, sondern Folge aussergewöhnlicher Faktoren (Trockenheit, AKW-Ausfälle)
- Neue Kernkraftwerke bis 2050 wirtschaftlich unrentabel durch massiven Ausbau erneuerbarer Energien
- Photovoltaik liefert bereits Winterstrom-Äquivalente eines Reaktors; 14 Prozent des Stromverbrauchs sind heute Solarstrom
- Kombination aus Wasserkraft, Wind und Solar ermöglicht Versorgungssicherheit ohne nennenswerte Importe
- Solarenergie ist kosteneffizientester Energieträger (15 Prozent Subvention vs. 60 Prozent für Kernkraft)
- Technologisprung bei Kernenergie unrealistisch – innovative Reaktortypen benötigen Jahrzehnte
- Dynamische Strompreise und intelligente Speicherung reduzieren Netzbelastung durch Solarspitzen
- Marktorientierte Preismodelle sind Schlüssel zur Netzsicherheit, nicht Netzausbau allein
Weitere Meldungen
- EU-Stromabkommen und Minimalvergütungen: Grossen sieht keine Gefahr für Schweizer Solarförderung im geplanten EU-Abkommen, pocht aber auf dynamische Strompreise und bessere Prognosen der Netzbetreiber vor Verzicht auf Minimalvergütungen
- Rückgang Solaranlagen 2025: Befristete Marktbereinigung, kein Ende des Booms; Blackout-Initiative könnte Ausbaudynamik gefährden
- Netzkosten durch PV-Variabilität: Intelligente Steuerung, lokale Elektrizitätsgemeinschaften und Batteriespeicher können exponentiell steigende Ausgleichskosten reduzieren
Kritische Fragen
Evidenz & Datenqualität: Grossens Behauptung, dass Photovoltaik bereits „Winterstrom in der Grössenordnung eines Kernkraftwerks" liefert – welche spezifischen Daten (GWh/Monat) belegen dies, und wie ist die Volatilität berücksichtigt?
Interessenkonflikte: Als Präsident von Swissolar und gleichzeitig Grünliberaler Politiker – wie transparent ist die Abgrenzung zwischen Brancheninteressen und energiepolitischen Positionen, insbesondere bei der Kritik an Kernkraft-Subventionierung?
Kausalität & Gegenargumente: Grossen führt Winterimporte auf Trockenheit und Gösgen-Ausfall zurück. Sind diese isolierten Faktoren ausreichend zur Erklärung, oder deuten strukturelle Wasserkraftdefizite und Speicherprobleme auf systematische Grenzen hin?
Umsetzbarkeit der 16 Wasserkraftprojekte: Grossen setzt stark auf deren Realisierung bis 2050. Wie ist die bisherige Erfolgsquote bei Genehmigungen, und welche Umweltkosten sind eingepreist?
Realistische Technologieentwicklung: Warum sind jahrzehntelange Entwicklungszyklen bei „Small Modular Reactors" ein Ausschlusskriterium, aber gleichzeitig optimistische Annahmen zu Speicher-, Smart-Grid- und Wasserkrafttechnologien akzeptabel?
Preisdynamik und politische Umsetzung: Die Lösung für Netzstabilität liegt laut Grossen in dynamischen Strompreisen. Wie realistisch ist deren politische Durchsetzung gegen Widerstände von Netzbetreibern und Konsumenten?
Importabhängigkeit unter Klimastress: Grossen argumentiert, mehr Wasser im Winter durch Klimaerwärmung. Gilt dies für alle relevanten Einzugsgebiete, oder besteht Risiko regionaler Dürren?
Blackout-Initiative und Signalwirkung: Wie konkret wirkt die genannte Initiative auf Investitionen, und sind angedrohte Stornierungen realisierbar ohne Rechtsfolgen?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: «Jürg Grossen: Mit dem Ausbau der Erneuerbaren wird die Kernkraft an Bedeutung verlieren» – https://www.nzz.ch/schweiz/juerg-grossen-mit-dem-ausbau-der-erneuerbaren-wird-die-kernkraft-an-bedeutung-verlieren-ld.1927433 (NZZ, 07.03.2026)
Verifizierungsstatus: ✓ 07.03.2026
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 07.03.2026