Kurzfassung

Das Verteidigungsdepartement VBS trennt seine zivile von der militärischen Informatik – ein sogenanntes Entflechtungsprojekt namens «iTask», das nach dem Cyberangriff auf Ruag vor zehn Jahren initiiert wurde. Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat das Projekt überprüft und warnt vor erheblichen Risiken: Die Gesamtplanung sei unvollständig, Aufgaben und Verantwortlichkeiten nicht abschliessend geregelt. Das Projekt soll bis 2032 abgeschlossen sein und kostet rund 100 Millionen Franken. Das VBS akzeptiert die Empfehlungen der Finanzkontrolle.

Personen

Themen

  • Cybersicherheit und Informationssicherheit
  • Bundesverwaltung und IT-Governance
  • Militärische Digitalisierung
  • Projektmanagement und Risikomanagement

Clarus Lead

Das Projekt offenbart ein strukturelles Dilemma der Schweizer Verteidigungspolitik: Während der Betrieb läuft, wird das Fundament erneuert. Die Kritik der Finanzkontrolle – fehlende Detailplanung, unklare Verantwortlichkeiten – deutet auf ein klassisches Risikomanagement-Problem hin, das über IT-Grossprojekte des Bundes hinausweist. Mit 126 verschiedenen «Business-IT-Services», die entflochten werden müssen, und einer neuen Digitalisierungsplattform, die erst ab Mitte 2026 operativ wird, entsteht ein Umsetzungsrisiko über acht Jahre hinweg – besonders kritisch für die Verfügbarkeit von Fachkräften und technischen Abhängigkeiten.

Detaillierte Zusammenfassung

Das VBS hatte die Entflechtung 2016 nach dem Cyberangriff auf die Ruag, den Rüstungskonzern des Bundes, initiiert. Das Ziel besteht darin, die zivile von der sensiblen militärischen Informatik strukturell zu trennen – eine Massnahme zur Erhöhung der Sicherheitsresilienz. Robert Scheidegger, stellvertretender Generalsekretär des VBS, charakterisiert das Vorhaben mit der Metapher «Wir wechseln das Rad am fahrenden Auto», was die operative Komplexität unterstreicht.

Die Finanzkontrolle dokumentiert in ihrem Bericht mehrere kritische Lücken: Die Projektgesamtplanung sei «unvollständig», und es bestehe das Risiko, dass das VBS erforderliche Leistungen nicht, verspätet oder in mangelhafter Qualität erbringt. Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten seien nicht abschliessend definiert. Daniel Keller, Chef des Armeestabes, betont jedoch, dass das Projekt einen «hohen Reifegrad» für die technische Umsetzung erreicht habe und aktuell im «grünen Bereich» liege. Als zentrale Herausforderung nennt er die Verfügbarkeit von Fachkräften über den langen Umsetzungszeitraum.

Die neue «Digitalisierungsplattform» der Armee soll ab Mitte 2026 operativ sein und dann schrittweise «besiedelt» werden. Dabei müssen 126 verschiedene Business-IT-Services migriert oder entflochten werden. Keller räumt ein, dass auch die neue Plattform selbst Risiken birgt – insbesondere technische Abhängigkeiten, verfügbare Ressourcen und «Aspekte, die wir heute vielleicht noch nicht kennen». Um diese Risiken zu minimieren, setzt das VBS auf «Pilotagen» (kleinere Erprobungen). Das VBS akzeptiert alle Empfehlungen der Finanzkontrolle und setzt diese schrittweise um.

Kernaussagen

  • Das iTask-Projekt trennt zivile von militärischer IT des VBS mit einem Kostenrahmen von 100 Millionen Franken bis 2032 und wurde nach dem Ruag-Cyberangriff 2016 initiiert.
  • Die Eidgenössische Finanzkontrolle identifiziert unvollständige Planung und unklare Verantwortlichkeiten als Risikofaktoren; das VBS sieht sich dennoch auf Kurs.
  • Die grösste Herausforderung ist die Verfügbarkeit von Fachkräften über acht Jahre hinweg bei der Migration von 126 Business-IT-Services.

Kritische Fragen

  1. Evidenz/Datenqualität: Welche konkreten Indikatoren definieren einen «hohen Reifegrad» für die technische Umsetzung, und wie wurde dieser gemessen?

  2. Interessenskonflikte: Inwieweit könnte der organisatorische Druck, das Projekt im «grünen Bereich» darzustellen, zu einer Unterschätzung der von der Finanzkontrolle identifizierten Planungslücken führen?

  3. Datenqualität/Quellenvalidität: Welche Detailvorgaben hat die Finanzkontrolle konkret für eine «vollständige» Gesamtplanung empfohlen, und sind diese öffentlich einsehbar?

  4. Kausalität/Alternativen: War eine schrittweise Entflechtung parallel zum Betrieb technisch notwendig, oder hätte eine Betriebsunterbrechung für eine vollständige Neugliederung in Frage kommen können?

  5. Umsetzbarkeit/Ressourcen: Gibt es eine konkrete Personalplanung für die 126 Service-Migrationen, und welche Konsequenzen hat ein Fachkräftemangel für die Einhaltung des Zeitplans bis 2032?

  6. Risiken/Nebenwirkungen: Welche technischen Abhängigkeiten bestehen zwischen der neuen Digitalisierungsplattform und externen Systemanbietern, und wie werden diese dokumentiert?

  7. Umsetzbarkeit: Wie werden die Erkenntnisse aus den «Pilotagen» in die Planung der verbleibenden 126 Services integriert, und gibt es ein formales Lernmanagement-System?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: IT-Projekt des VBS: «Wir wechseln das Rad am fahrenden Auto»SRF News, Autor: Philipp Burkhardt, 30.06.2026

Verifizierungsstatus: ✓ 30.06.2026

Weitere Sprachen: Französisch | Englisch


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 30.06.2026