Kurzfassung

Der Iran-Krieg wirkt sich indirekt auf die Schweizer Geldpolitik aus – weniger über Ölpreise als vielmehr durch die «Flucht in den sicheren Hafen Franken». Während höhere Energiepreise die Inflation um etwa 0,3 Prozentpunkte erhöhen, verstärkt die Franken-Aufwertung diesen Effekt durch billigere Importe um etwa 0,35 Prozentpunkte wieder auf. Der Nettoeffekt auf die Preisstabilität ist minimal. Die grössere Gefahr für die Schweizerische Nationalbank liegt in einer massiven Franken-Überbewertung, gegen die sie bereits verbal interveniert hat. Ein Leitzinsschritt wird diese Woche als unwahrscheinlich erachtet.

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Themen

  • Währungspolitik / Devisenmarkt
  • Geldpolitische Strategie
  • Geopolitisches Risiko
  • Energiepreise und Inflation

Clarus Lead

Der Iran-Konflikt erzeugt für die SNB ein paradoxes Szenario: Steigende Ölpreise erhöhen zwar die Inflation, doch die gleichzeitige Flucht von Investoren in den «sicheren Hafen Franken» wertet die Währung auf und verbilligt damit Importe – die beiden Effekte neutralisieren sich gegenseitig. Die SNB-Direktorium wird diese Woche deshalb keinen Leitzinsschritt vornehmen. Die eigentliche Sorge der Zentralbank ist eine übermässige Franken-Aufwertung, gegen die sie bereits «verbale Interventionen» am Devisenmarkt eingeleitet hat und möglicherweise aktiv interveniert.

Detaillierte Zusammenfassung

Die UBS-Ökonomie haben die beiden gegenlaufigen Effekte des Nahostkonflikts quantifiziert: Der Ölpreisanstieg erhöht Benzin- und Heizölkosten und damit die Inflation um maximal 0,3 Prozentpunkte. Parallel wertet der Franken gegenüber dem Euro seit Dezember um 3,5 Prozent auf – dieser Aufwertungseffekt senkt die Inflation um rund 0,35 Prozentpunkte, da ausländische Güter günstiger werden. Mathematisch heben sich diese Kräfte auf; die SNB kann daher auf ihrem aktuellen Leitzins von 0 Prozent verharren.

Doch dies gilt nur unter der Bedingung stabiler Verhältnisse. Chefökonom Karsten Junius geht davon aus, dass der Franken derzeit um rund 6 Prozent überbewertet ist. Sollte sich die Krise zuspitzen und die Fluchtbewegung in den Franken beschleunigen, droht eine destabilisierende Aufwertungsspirale. Die SNB hat deshalb bereits zwei Tage nach Kriegsausbruch signalisiert, ihre Interventionsbereitschaft am Devisenmarkt sei «erhöht». Sie wolle eine «rasche und übermässige Aufwertung» abbremsen. Zinssenker wären ineffektiv: Der Zinsunterschied zum Euro-Raum ist bereits gross; noch tiefere Zinsen würden Safety-Käufer nicht abschrecken. Stattdessen bleibt die SNB auf Devisenkäufe angewiesen – ein technisches Instrument, das sie erst verzögert und in aggregierter Form offenlegt.

Kernaussagen

  • Doppeltes Offset: Höhere Ölpreise und Franken-Aufwertung heben sich inflationär ungefähr auf; kein Handlungsdruck auf den Leitzins.
  • Grössere Gefahr: Eine übermässige Franken-Überbewertung (ca. 6 Prozent) destabilisiert die Realwirtschaft stärker als Energiekosten.
  • Verbale + mögliche aktive Interventionen: Die SNB signalisiert Interventionsbereitschaft und interveniert möglicherweise bereits am Devisenmarkt, ohne dies offen zu kommunizieren.
  • Unsicherheit erzwingt Zurückhaltung: Weil niemand die Kriegsdauer prognostizieren kann, ist «Aktivismus» ein schlechter Ratgeber.

Kritische Fragen

  1. Evidenz/Datenqualität: Auf welchen genauen Daten beruht die UBS-Schätzung der 0,3- und 0,35-Prozentpunkt-Effekte? Wie robust sind diese Faustregeln angesichts nicht-linearer Marktdynamiken?

  2. Quellenkonflikte: Vertritt Karsten Junius (Safra Sarasin) bei seiner 6-Prozent-Überbewertungsaussage die Positionen eines Vermögensverwalters, der von Franken-Schwäche profitiert, oder handelt es sich um unabhängige Analysteneinschätzung?

  3. Kausalität/Alternativen: Kann die SNB sicherstellen, dass beobachtete Kurssprünge (z. B. Euro unter 0.90 Franken) tatsächlich auf ihre Interventionen zurückgehen und nicht auf andere Marktfaktoren (z. B. US-Zinserwartungen)?

  4. Interessenkonflikte: Warum offenbart die SNB ihre Devisenmarktinterventionen erst verzögert und aggregiert? Schafft diese Intransparenz nicht Raum für Spekulationen und Marktverzerrungen?

  5. Risiken der Untätigkeit: Falls sich die Kriegslage rapide verschärft (z. B. Ölembargo), könnten die neutralisierenden Effekte aufbrechen – hat die SNB einen eskalations-triggered Plan?

  6. Umsetzbarkeit von Interventionen: Sind die SNB-Devisenkäufe ausreichend kapitaliert, um eine anhaltende Flucht in den Franken zu bremsen, oder ist dies ein temporäres Symptombekämpfungsinstrument?

  7. Deflationäres Risiko: Die SNB bezeichnet höhere Energiepreise als «entgegenkommend». Übersieht sie damit, dass importabhängige Sektoren bei Franken-Aufwertung stärker leiden könnten als die gesamtwirtschaftliche Inflation suggeriert?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Der Iran-Krieg führt zu einer Flucht in den Franken: Das ist für die Nationalbank die grössere Gefahr als der hohe Ölpreis – Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2026

Verifizierungsstatus: ✓ 16.03.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 16.03.2026