Kurzfassung

Die Schweiz stimmt am 8. März über die Individualbesteuerung ab – eine Reform, die die Heiratsstrafe abschaffen soll. SVP-Nationalrätin Monika Rüger warnt jedoch vor neuen Ungerechtigkeiten: Einverdiener-Ehepaare und Alleinerziehende sollen erheblich höhere Steuern zahlen, während Doppelverdiener mit hohem Einkommen profitieren. Der Bund rechnet mit 630 Millionen Franken Steuerausfallverluste jährlich. Umfragen zeigen jedoch: 64 % der Wähler unterstützen die Reform – trotz massiver Kritik der Gegner.

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Clarus Lead

Am 8. März 2026 entscheidet die Schweiz über die Individualbesteuerung – eine bundesweite Steuerreform, die Ehepaare künftig separat besteuert. Ziel: die Heiratsstrafe abschaffen. Doch SVP-Kritiker argumentieren, die Reform schafft neue Lasten für Einverdiener-Familien und Single-Haushalte. Entscheidend: 21 Kantone leisten bereits Widerstand via Referendum – viele haben bereits alternative Modelle (Splitting) implementiert.


Detaillierte Zusammenfassung

Das Kernproblem: Wer gewinnt, wer verliert?

Rüger zufolge profitieren von der geplanten Individualbesteuerung ausschliesslich Doppelverdien-Ehepaare mit höherem Einkommen. Ein Beispiel: Eine Staatsanwältin, die ihre Einkünfte bislang mit ihrem (niedrigerverdienenden) Partner zusammenzählte, wird künftig einzeln besteuert – und springt in eine höhere Steuerprogression. Die Folge: Familien mit klassischer Arbeitsteilung zahlen massiv mehr.

Besonders hart trifft es Einverdiener-Haushalte mit Kindern, Alleinerziehende und Singles. Diese rutschten automatisch in höhere Progressionsstufen. Rüger spricht von einer „Familienstrafe" – teilweise 10-mal höhere Steuerbelas­tung für Paare, bei denen eine Person für Betreuung arbeitszeit reduziert.

Optimierungsrisiken für Reiche

Ein weiteres Argument der Gegner: Wohlhabende können ihre Steuerlast durch Pseudo-Anstellungen senken – beispielsweise der Rechtsanwalt, der seine Partnerin als Sekretärin anstellt und Gehalt aufteilt. Solche Optimierungen sind Mittelständlern unmöglich.

Frauenförderung? Laut Rüger ein Mythos.

Die FDP-Befürworter versprechen mehr Frauenerwerbstätigkeit. Der Bundesrat rechnet mit maximal 6 % zusätzliche Arbeitstage für Frauen. Rüger kritisiert: Das rechtfertigt weder den Bürokratieaufwand noch die neuen Ungerechtigkeiten. Im Gegenteil: Das Modell entzieht Frauen die Wahlfreiheit – statt sie zu fördern.

Die Kantone rebellieren: 17 haben bereits Splitting

Ein Schlüsselargument: 17 von 26 Kantonen haben das Problem der Heiratsstrafe bereits mit einem Splitting-Modell gelöst. Dabei wird das Ehepaar-Einkommen addiert, durch zwei geteilt und dann besteuert – unabhängig von Arbeitsteilung. Dies bewahrt Neutralität gegenüber Familienmodellen. Jetzt zwingt der Bund alle Kantone zur Umstellung auf Individualbesteuerung, was massive IT-Umstrukturierungen und 1.600+ neue Steuerbeamte kostet.

Der Abstimmungskampf: Warum verlieren die Gegner?

Trotz fundierter Argumente führt die Gegnerseite in Umfragen: 64 % wollen die Vorlage. Rüger nennt zwei Gründe:

  1. Einfache Botschaft der Befürworter: „Heiratsstrafe weg = ja" – ohne differenzierte Kostenfolgen
  2. Medienscience: Gegner-Argumente werden „buchstäblich ignoriert". Wirtschaftsverbände und grössere Budgets dominieren die Kampagne.

Das Splitting-Modell der Mitte soll später folgen – wenn die Vorlage abgelehnt wird.


Kernaussagen

  • Neue Ungerechtigkeiten statt Gleichstellung: Einverdiener-Paare zahlen bis 10x höhere Steuern; Reiche profitieren via Optimierung
  • Frauenwahlfreiheit gefährdet: Das Modell bevormundet Frauen auf ein bestimmtes Erwerbsmuster – paradox zu Gleichstellungsversprechen
  • Kantone widersprechen: 21 Kantone lehnen ab; 17 haben bereits bessere Splitting-Systeme
  • Minimaleffekt auf Erwerbstätigkeit: Nur 6 % zusätzliche Frauenarbeitstage erwartet – Kosten (630 Mio. CHF/Jahr + 1.600 Beamte) unrentabel
  • Kampagnen-Asymmetrie: Befürworter nutzen einfache Messaging; Gegner leiden unter Budget und Medienignoranz

Kritische Fragen

  1. Evidenzqualität: Der Bundesrat prognostiziert maximal 6 % zusätzliche Frauenarbeitstage – auf welchen Modellierungen basiert diese Zahl, und wie robust sind diese gegenüber Verhaltensanpassungen (z. B. Paare, die statt zu arbeiten Kinderbetreuung outsourcen)?

  2. Interessenskonflikte: Welche Wirtschaftsverbände finanzieren die Befürworter-Kampagne, und profitieren diese Gruppen direkt (z. B. Selbstständige, Unternehmerehepaare) von der Splitting-Auflösung?

  3. Kausalität Heiratsstrafe: Ist die aktuelle Heiratsstrafe tatsächlich ein Haupthindernis für Frauenerwerbstätigkeit, oder spielen Kinderbetreuungskosten, Teilzeitkulturen und Karrierebrüche eine grössere Rolle – Faktoren, die die Individualbesteuerung nicht adressiert?

  4. Splitting-Alternative: Warum wird das Splitting-Modell (das 17 Kantone erfolgreich nutzen) nicht auf Bundesebene vorrangig behandelt, statt erst nach einer möglicherweise abgelehnten Vorlage?

  5. Bürokratiekosten: Die Schätzung von 1.600 neuen Steuerbeamten bundesweit – wie wurde diese hochgerechnet, und sind Digitalisierungsalternativen (zentrale Steuer-IT) evaluiert worden?

  6. Regressives Risiko: Gibt es empirische Studien aus anderen Ländern (z. B. Deutschland, Frankreich), die zeigen, wie Individualbesteuerung vs. Splitting auf Ungleichheit und Familienstrukturen wirken?

  7. Implementierungsrisiken: Sind die 17 Kantone mit Splitting-Systemen dazu bereit, ihre funktionierende IT und Prozesse komplett neu zu schreiben, oder drohen Verzögerungen und Fehlerquoten in der Umstellung?

  8. Umfrage-Glaubwürdigkeit: Die 64 %-Zustimmung in Umfragen – sind die Befragten über die Steuerfolgen für Einverdiener-Paare informiert worden, oder zeigen die Zahlen primär Zustimmung zum abstrakten Ziel (Heiratsstrafe abschaffen)?


Weitere Meldungen

  • Splitting-Initiative der Mitte: Plant alternative Bundessteuer-Reform für Herbst 2026 oder Frühjahr 2027
  • SRG-Initiative SVP: Bindet Ressourcen der Gegnerseite parallel zur Abstimmung am 8. März
  • Kantonal-Referenden: 21 Kantone ergreifen Referendum gegen Vorlage; Entscheidung Ende Q1 2026 erwartet

Quellenverzeichnis

Primärquelle: Podcast „Bern einfach Spezial" mit Monika Rüger (SVP-Nationalrätin) – Nebelspalter – 18.02.2026 https://audio.podigee-cdn.net/2363196-m-619fb06925107c3725f16bb32ec3d43e.mp3

Umfragen (referenziert, nicht direkt verlinkt):

  • GFS Bern (SRG): 64 % Ja-Stimmen
  • Levas (20 Minuten / Tamedia): 64 % Ja-Stimmen

Verifizierungsstatus: ✓ 18.02.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 18.02.2026