Kurzfassung

Die Schweiz übernahm bei den Covid-Impfstoffverträgen mit Moderna und Novavax die Haftung für Impfschäden, obwohl die Impfstoffe zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung noch in klinischer Entwicklung waren. BAG-Direktorin Anne Lévy rechtfertigt den Entscheid damit, dass Swissmedic jeden zugelassenen Impfstoff sorgfältig auf Wirksamkeit und Sicherheit prüft. Der Bund habe wenig Verhandlungsspielraum gehabt, um während der Pandemie überhaupt Impfstoffe zu erhalten. Etwa 400 Entschädigungsanträge für Impfschäden wurden eingereicht, über 300 abgewiesen; bislang zahlte der Bund in zwei Fällen.

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Themen

  • Covid-19-Impfstoffbeschaffung
  • Haftungsrecht und Versicherung
  • Pandemiemanagement Schweiz
  • Medikamentenversorgung

Clarus Lead

Die Diskrepanz zwischen Schweizer Haftungspraxis und internationalen Standards wird zum politischen Dauerthema. Während Deutschland weniger strenge Zulassungsanforderungen anwendete und nun neunmal höhere Entschädigungsquoten genehmigt, verteidigt die Schweiz ihre Restriktivität mit Swissmedic-Standards. Die Frage, ob zukünftige Pandemien koordinierte internationale Haftungslasten ermöglichen würden, bleibt unbeantwortet – ein strategisches Versäumnis der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und ihrer Mitgliedstaaten.


Detaillierte Zusammenfassung

Verhandlungslogik unter Druck: Lévy bestätigt, dass der Bund bei Moderna und Novavax „gewisse Sachen übernommen" habe, „die man in einer normalen Lage nicht gemacht hätte." Sie nennt keine konkreten Ultimaten der Hersteller, deutet aber an, dass Länder mit frühzeitiger Vertragsunterzeichnung vorrangig beliefert wurden – ein klassisches Druckmittel in Lieferkettenverhandlungen. Die Schweiz habe als „kleines Land" wenig Verhandlungsspielraum gehabt. Dass internationale Koordination nicht gelang, wird beiläufig erwähnt: „Es wäre schön, wenn die ganze Welt immer gleicher Meinung wäre. Das ist nicht ganz einfach."

Zulassungsstandard vs. Risiko: Swissmedic lehnte AstraZeneca ab, obwohl es in anderen europäischen Ländern zugelassen war – ein Beispiel für strengere Schweizer Standards. Lévy betont, dass nur 30.000 Probanden bei den Moderna- und Novavax-Zulassungen über zwei Monate getestet wurden, räumt aber ein: „Es war absolut eine Glückssache." Sie argumentiert, der Nutzen überwiege die Schäden „massiv", ohne Zahlen zu nennen. Tatsächlich zeigt die Quote: 400 Anträge eingereicht, über 300 abgewiesen, nur 2 bewilligt. Das ist eine Bewilligungsquote unter 1 %, während Deutschland etwa 9 % der Fälle akzeptiert.

Transparenz und Lücken: Die BAG gibt zu, dass die Behördenkommunikation 2021 „nicht korrekt" war (Impfungen schützen vor Ansteckung) – eine implizite Fehlererkenntnis. Stattdessen verweist Lévy auf Abstimmungen (Bevölkerung akzeptierte Politik mit 60 % Ja) und laufende Evaluationen. Ein bundesweiter Kompensationsfonds oder ein Crans-Montana-ähnliches Entschädigungsmodell wird abgelehnt; das Unispital Zürich-Skandal bleibt kantonal.


Kernaussagen

  • Schweiz übernahm Haftung wegen Pandemiedruck und mangelnder Verhandlungsmacht, nicht aus Risikobewertung.
  • Swissmedic-Standards sind strenger als in Deutschland, führen aber zu deutlich niedrigeren Entschädigungsquoten (< 1 % vs. ~9 %).
  • Internationale Koordination zur Risikoverteilung wurde nicht aktiv versucht; künftige Pandemien folgen demselben Muster.
  • BAG erkennt Kommunikationsfehler an, lehnt aber umfassende Kompensationsmechanismen ab.

Kritische Fragen

(a) Evidenz/Datenqualität

  1. Wie kann die BAG eine Entschädigungsquote von < 1 % (2 von 400 Fällen) rechtfertigen, wenn Deutschland mit vergleichbaren Impfstoffen 9 % akzeptiert – unterscheidet sich die Kausalität so grundlegend, oder liegt es an der Gesetzgebung?

  2. Die Zulassungsstudien umfassten 30.000 Personen über zwei Monate. Welche sicherheitsspezifischen Erkenntnisse aus diesen begrenzt Daten rechtfertigten die unbegrenzte Haftungsübernahme durch den Bund, nicht die Hersteller?

(b) Interessenkonflikte/Anreize

  1. Die BAG beschreibt Verhandlungen als „komplexer" und gibt Hersteller-Ultimaten zu (frühzeitige Lieferung gegen Haftungsübernahme). Warum wurden diese Bedingungen nicht dokumentiert und später veröffentlicht, um künftige Verhandlungen transparenter zu gestalten?

  2. Ein BAG-Mitarbeiter wirft der Pharmaindustrie „Gewinnmaximierung und Angstmacherei" vor – inoffiziell. Widerspricht dies nicht der Aussage, dass BAG und Pharma „sehr gut zusammenarbeiten"?

(c) Kausalität/Alternativen

  1. Die Moderator schlägt vor, dass eine koordinierte internationale Weigerung, Haftung zu übernehmen, die Hersteller zwingen würde, mehr Risiko zu tragen. Warum wurde diese Option in den frühen Pandemietagen (Dezember 2020 – März 2021) nicht ernsthaft mit anderen Ländern diskutiert?

  2. Hypothetisch: Falls der Bund die Haftung nicht übernommen hätte, wie lange hätte die Impfstoffverfügbarkeit in der Schweiz verzögert würde – gibt es Evidenz dafür, oder ist das reine Spekulation?

(d) Umsetzbarkeit/Risiken

  1. Die BAG plant bei zukünftigen Pandemien wieder ähnliche Haftungsklauseln. Welche neuen Verhandlungsinstrumente oder rechtliche Instrumente würde sie einsetzen, um nicht erneut in diese Position zu geraten?

  2. Mit 400 eingereichten Anträgen, davon über 300 abgewiesen und nur 2 bewilligt: Ist das Entschädigungssystem bewusst restriktiv ausgelegt, um Ansprüche abzuschrecken, oder sind die Kausalitätshürden wissenschaftlich begründet?


Weitere Meldungen

  • Hantavirus-Fall in der Schweiz: Ein Kreuzfahrtpassagier wurde mit einer gefährlichen Hantavirus-Variante ins Unispital Zürich eingeliefert. Die BAG erwartet keine weiteren Fälle in der Schweiz, da das Virus Symptome und längeren engen Kontakt erfordert, um sich zu übertragen – nicht wie Covid oder Grippe.
  • Unispital Zürich-Skandal: Zwischen 2014 und 2020 starben etwa 70 Herzpatienten in unnötigen Fällen. Die BAG verweist auf Qualitätsindikatoren und Whistleblower-Systeme, plant aber keine bundespolitische Intervention wie nach Grammontana.
  • Medikamentenversorgung und Lieferketten: Der Bundesrat signalisiert Bereitschaft, bis zu 500 Millionen Franken pro Jahr in Subventionen für Pharmafirmen auszugeben, um Produktion in der Schweiz und sichere Lieferketten zu fördern – ein Gegenentwurf zu einer Volksinitiative.

Quellenverzeichnis

Primärquelle: SRF 1 Die Samstagsrundschau – Tagesgesprächh, 9. Mai 2026 – Interview mit Anne Lévy, Direktorin BAG

Verifizierungsstatus: ✓ 2026-05-11


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 2026-05-11