Kurzfassung
Die Grimselbahn AG hat den Bauauftrag für den Grimseltunnel an die Marti Tunnel AG vergeben. Die Kosten sind mit 551,2 Millionen Franken deutlich niedriger als die Bundsprognose von 800 Millionen. Das Projekt soll parallel zu einer Stromleitung gebaut werden und verbindet Innertkirchen mit Oberwald. Die Realisierung hängt von Parlamentsbeschlüssen und technischen Machbarkeitsprüfungen ab. Gegen das Vergabeverfahren hat der frühere BAV-Rechtschef Peter König eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht.
Personen
- Peter König (ehemaliger Rechtschef BAV; kritisiert Vergabe)
- Albert Rösti (Verkehrsminister; plant Botschaftsvorlage)
- Benedikt Weibel (ehemaliger SBB-Chef; kritisch zum Projekt)
Themen
- Infrastrukturpolitik Schweiz
- Öffentlicher Verkehr
- Beschaffungsverfahren
- Subventionierte Bahnprojekte
- Föderale Entscheidungsprozesse
Clarus Lead
Die Vorwärtsbewegung beim Grimseltunnel schafft politischen Druck in einem sensiblen Moment: Das Bundesparlament muss 2025 über die Botschaft «Verkehr '45» abstimmen, während zentrale technische Fragen (Kompatibilität mit Stromleitung, Umweltverträglichkeit) noch ungeklärt sind. Der Preis von 551 Millionen Franken – deutlich unter Bundesschätzungen – wird von Fachleuten als unrealistisch angegeben und lässt vermuten, dass der Auftrag primär als Lobbying-Instrument für die parlamentarische Phase dienen soll. Dies verstärkt die ohnehin bestehende Skepsis in der Öffentlicher-Verkehr-Branche.
Detaillierte Zusammenfassung
Peter König wirft der Grimselbahn AG vor, mit der Vergabe an ein Allianzverfahren-Konsortium bewusst einen attraktiv niedrigen Preis zu lancieren, um die Parlamentsentscheidung zu beeinflussen. Er beschreibt dies als „unlauter und geradzu rechtsmissbräuchlich". König argumentiert, dass die Vergabe wahrscheinlich gegen das Subventionsgesetz verstösst: Die Grimselbahn AG sei weder Bahnunternehmen noch verfüge sie über eine erforderliche Konzession. Der Bund könne eine solche kaum erteilen, da die Voraussetzungen wie Eigenwirtschaftlichkeit nicht erfüllt seien.
König kritisiert zudem fundamentale prozessuale Mängel: Weder Umweltverträglichkeitsprüfung noch Plangenehmigung liegen vor, daher sind die rechtlichen Auflagen (Deponiematerial, Baustellenzufahrt, Betriebssicherheit) unbekannt. Dies mache eine realistische Kostenprognose unmöglich. König verweist auf den Vereinatunnel der Rhätischen Bahn, der vor 25 Jahren über eine Milliarde Franken kostete, und hält die geschätzten 500 Millionen für unrealistisch. Zentral ist auch seine These: Der Betrieb würde eine hochdefizitäre Regionallinie schaffen, die dauerhaft durch Bund und Kantone subventioniert werden müsste – während andere weniger unrentable Linien bereits auf dem Prüfstand stehen.
Die Skepsis ist branchenübergreifend: Neben König haben der ehemalige SBB-Chef Benedikt Weibel, ehemaliger BAV-Direktor Peter Füglistaler und der VöV-Direktor Ueli Stückelberger das Projekt kritisiert. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) bestätigte den Eingang der Aufsichtsbeschwerde, äusserte sich inhaltlich aber nicht. Die Grimselbahn AG wies darauf hin, nichts von der Beschwerde zu wissen.
Kernaussagen
- Grimselbahn AG vergibt Bauauftrag zu 551,2 Millionen Franken – deutlich unter Bundsprognose (800 Mio.)
- Ehemaliger BAV-Rechtschef König reicht Aufsichtsbeschwerde ein und kritisiert Vergabe als Lobbying-Instrument
- Zentrale Mängel: Fehlende Umweltprüfung, fehlende Plangenehmigung, keine Bahnkonzession der Grimselbahn AG
- Betriebswirtschaftlich kritisch: Projekt würde hochdefizitäre Regionallinie schaffen, die subventioniert werden müsste
- Branchenweit Skepsis von SBB, BAV und Verbänden gegen das Projekt
Kritische Fragen
Datenqualität & Evidenz: Auf welchen technischen Studien basiert die Kostenschätzung von 551 Millionen Franken, wenn Umweltverträglichkeitsprüfung und Plangenehmigung noch nicht vorliegen? Sind diese Grundlagen dem Bidder Marti Tunnel AG zur Verfügung gestellt worden?
Interessenskonflikte & Anreize: Warum vergibt die Grimselbahn AG den Auftrag vor der parlamentarischen Entscheidung über «Verkehr '45»? Welche Organisationen und Personen sind in der Grimselbahn AG vertreten, und haben sie finanzielle Interessen am Projekt?
Rechtliche Voraussetzungen: Kann die Grimselbahn AG ohne Bahnkonzession einen rechtmässigen Betriebsauftrag erhalten? Welche föderalen Genehmigungen sind zwingend erforderlich, bevor Kosten kalkuliert werden dürfen?
Realistische Kostenschätzung: Wie wird die Kostenprognose von 500 Millionen validiert, wenn Vergleichsprojekte (Vereinatunnel: 1 Milliarde vor 25 Jahren) erheblich teurer waren? Welche Inflation und Lohnsteigerungen wurden berücksichtigt?
Betriebswirtschaftlichkeit: Welche Fahrgastprognosen und Einnahmeerwartungen gibt es? Werden diese öffentlich gemacht vor der Parlamentsabstimmung?
Umwelt & Nebeneffekte: Welche Umweltauflagen entstehen durch die Kombination Tunnel-Stromleitung? Wie werden Deponiematerial und Baustellenzufahrt geregelt?
Alternative Szenarien: Wurden weniger kostspielige Verkehrslösungen in der Region gleichwertig geprüft? Warum werden andere defizitäre ÖV-Linien auf dem Prüfstand, dieser Tunnel aber vorangetrieben?
Umsetzungsrisiken: Falls Kosten deutlich steigen oder Bedingungen unerfüllt bleiben, wie kann das Projekt abgebrochen werden, ohne die bereits gezahlten Planungsmittel zu gefährden?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: Grimseltunnel: Initianten vergeben Bauauftrag – früherer Chefbeamter reicht Beschwerde ein – NZZ Schweiz, https://www.nzz.ch/schweiz/initianten-des-grimseltunnels-vergeben-bauauftrag-fruehere-chefbeamter-reicht-anzeige-ein-ld.10016188
Verifizierungsstatus: ✓ 21.07.2026
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Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 21.07.2026