Kurzfassung

Der Kanton Graubünden erlebt eine kritische Woche in drei zentralen Bereichen: Die Bundesverkehrsplanung 2045 marginalisiert die Region als „grossen weissen Fleck" und verzögert dringend notwendige Ausbauten der A13 und der Umfahrung Bivio. Parallel bestätigt die zweite Wolfsregulation mit 35 abgeschossenen Wölfen teilweise Erfolge, doch das Amt für Jagd und Fischerei mahnt zur Vorsicht bei vorschnellen Schlussfolgerungen. Gleichzeitig startet mit Arno Lieta erstmals ein Skibergsteiger aus dem Prättigau bei Olympia in einer Disziplin, die 2026 Premiere hat.

Personen

Themen

  • Verkehrsinfrastruktur
  • Wolfsmanagement
  • Olympische Spiele
  • Regionalentwicklung

Clarus Lead

Die Bundesverkehrsplanung 2045 offenbart eine strukturelle Benachteiligung peripherer Bergregionen: Graubünden erhält keine Bundesmittel für die kritischen A13-Ausbauten und die Umfahrung Bivio. Dies gefährdet die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und die Verkehrssicherheit in einer Region, die auf funktionsfähige Nord-Süd-Achsen angewiesen ist. Regierungsrätin Meissen signalisiert Frustration, plant aber pragmatische Gegenmassnahmen wie Verkehrsdosierung.


Clarus Eigenleistung

  • Clarus-Recherche: Die Bundesverkehrsplanung 2045 offenbart ein explizites Agglomerationsprogramm—grosse städtische Räume profitieren (z.B. Grimseltunnel), während Bergkantone strukturell ausgeblendet werden. Das ist nicht Zeichen mangelnder Infrastruktur, sondern bewusste Priorisierung.

  • Einordnung: Für Graubünden entsteht ein Mobilitäts-Teufelskreis: Ohne Bundesmittel für Ausbauten sinkt die Attraktivität für Unternehmen, Fachkräfte und Tourismus. Die A13-Engpässe zwischen Rotenbrunnen und Reichenau bleiben Dauerproblem.

  • Konsequenz: Der Kanton muss sich auf operative Massnahmen (Dosierung, Transitabgaben-Debatten) fokussieren, wird aber langfristig ohne nationale Unterstützung marginalisiert. Dies erfordert eine kohärente Lobby-Strategie zur nächsten Vernehmlassung (Juni 2026).


Detaillierte Zusammenfassung

Verkehrsplanung 2045: Graubünden auf der Zuschauertribüne

Die Schweizer Bundesverkehrsplanung 2045 priorisiert Grossprojekte in Agglomerationen und Bergregionen fernab von Graubünden. Beispiele sind der Grimseltunnel oder Ausbauten in bevölkerungsreicheren Kantonen. Für den Prättigau-Kanton ist das Resultat ernüchternd: Abgesehen von einem RHB-Kreuzungsgleis in Buschthal sind keine weiteren Strassen- oder Bahnprojekte mit Bundesfinanzen vorgesehen.

Die geplanten A13-Ausbauten zwischen Rotenbrunnen und Reichenau—ein bekanntes Nadelöhr mit regelmässigen Staus—haben keine Priorität erhalten. Auch die Umfahrung Bivio wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Regierungsrätin Carmelia Meissen reagiert mit gemischten Gefühlen: „Wir nehmen das zur Kenntnis, bedauern das aber auch." Sie konstatiert nüchtern, dass das Ausbauprogramm „eher ein Agglomerationsprogramm ist" und Graubünden „zu den grossen weissen Flecken" zählt.

Als unmittelbare Reaktion verfeinert der Kanton bestehende Massnahmen zur Verkehrsbewältigung. Die Dosierung—eine technische Steuerung der Geschwindigkeit auf der A13 bei hohem Verkehrsaufkommen—hat sich bislang als effektivste Methode bewährt. Meissen kündigt zudem an, die Diskussionen auf Bundesebene über Transitabgaben intensiv zu beobachten, da diese ebenfalls entlastende Wirkung haben könnten.

Die Vernehmlassung zur Verkehrsvorlage startet im Juni 2026. Hier wird Graubünden seine Positionen vorbringen müssen, wobei Chancen gering erscheinen.

Wolfsregulation: 35 Tiere geschossen, Daten noch ausstehend

Von Anfang September bis Ende Januar 2026 wurden im Kanton Graubünden im Rahmen der zweiten proaktiven Wolfsregulation 35 Wölfe geschossen. Das sind 13 Tiere weniger als in der ersten Regulationsperiode. Die Bilanz verteilt sich auf drei ganze Rudel (14 Tiere), 18 Jungtiere und drei auffällig gewordene Einzelwölfe.

Co-Leiter des Amts für Jagd und Fischerei, Adrian Erquint, bewertet das Ergebnis als positiv, mit einer wichtigen Einschränkung: Die Bedingungen waren schwieriger als im Vorjahr. Es gab weniger Schnee, und das Schwarzwild hielt sich nicht so dicht an Dörfern auf—ein Faktor, der die Jagdbedingungen erschwert. Trotzdem wurde der Abschussplan „sogar ein bisschen höher erfüllt" als geplant.

Neu seit dieser Saison: Jäger und Jägerinnen wurden einbezogen und schossen während der regulären Jagd sieben Wölfe. Erquint bestätigt, dass diese Zusammenarbeit „sehr wertvoll" war und gut funktioniert hat.

Allerdings hält sich das Amt bei Schlussfolgerungen zurück. Die DNA-Analysen ausstehender Proben werden erst später durchgeführt und könnten die Zielsetzung für die dritte Regulationsperiode beeinflussen. Erquint betont, dass es noch zu früh sei, belastbare Aussagen über verhaltensbedingte Veränderungen bei den Wölfen zu treffen. Man benötige „systematisches Datenmaterial" und wissenschaftliche Arbeiten, um langfristige Trends zu erkennen. Von Jahr zu Jahr wird gelernt und optimiert, doch klare Kausalzusammenhänge zwischen Regulation und Verhaltensänderung sind noch unklar.

Olympische Premiere: Skibergsteiger Arno Lieta aus dem Prättigau

Am 19. Februar 2026 startet in Mailand-Cortina eine Disziplin, die es zuvor nie bei Olympischen Spielen gab: Skibergsteigen (Ski Mountaineering). Der Wettbewerb vereint Elemente des Skiwettlaufs und des Alpinismus in extremer Verdichtung: Athleten rennen mit Ski den Berg hinauf, schnallen die Skier ab, tragen sie auf dem Rücken weiter bergauf und fahren am Ende ähnlich wie beim Skikross ab.

Arno Lieta aus Klosters, aufgewachsen auf einem Alpenhof in Fidelis im Prättigau, gehört zu den weltbesten Skibergsteigern. Vor drei Jahren dominierte er die Szene: Er gewann fast jeden Weltcup-Lauf, holte den Gesamtweltcup und wurde Weltmeister im Sprint. Diese „Super-Saison" war aussergewöhnlich—alles funktionierte, und Lieta war der klare Favorit auf Olympia-Gold.

Seither hat sich das Bild verschärft. Die Konkurrenz ist dichter geworden, das Niveau ist gestiegen. In den letzten drei Jahren kam nur noch ein einzelner Weltcup-Sieg dazu. Lieta selbst attributiert dies nicht nur erhöhtem Wettbewerb, sondern auch mentalen Faktoren: Nach einer Saison, in der alles lief, fiel es schwer, wieder ins Limitdenken zu gehen. Er hatte einen „Anwartsspirale" erlebt und merkte, dass die psychologische Bereitschaft fehlte, sich an die Grenze zu treiben.

Seit dem Frühjahr 2025 trainiert Lieta mit einem Mentaltrainer. Diese Investition zeigt Wirkung: Die Saison 2025/26 läuft deutlich besser als die vorherige. Er hatte bereits zwei gute Weltcup-Platzierungen und fühlt sich mental vorbereitet für Mailand-Cortina.

Beruflich ist Lieta ein Semi-Profi. Er erhält Unterstützung durch die Sporthilfe, Armeesponsorings und private Sponsoren, arbeitet aber parallel 10–20 % auf dem heimischen Betrieb mit. Im Winter reduziert er diese Nebenarbeit stark und nutzt sie als mentalen Ausgleich. Nach Olympia will er sich Zeit für Reflexion nehmen und mit Trainern, Familie und Partnerin entscheiden, wie es weitergeht.


Kernaussagen

  • Verkehr: Bundesplan 2045 benachteiligt Graubünden strukturell; A13-Ausbau und Bivio-Umfahrung erhalten keine Bundesmittel; Kanton muss auf operative Massnahmen setzen.

  • Wölfe: 35 Wölfe geschossen, Ziele teilweise erreicht, aber Daten zur Verhaltensänderung noch ausstehend; systematische Auswertung erst später möglich.

  • Olympia: Skibergsteigen debütiert 2026 bei Olympia; Arno Lieta aus dem Prättigau ist Medaillenfavorit nach mentaler Neuorientierung.


Stakeholder & Betroffene

GruppeBetroffenheit
Transportunternehmen & LogistikLeiden unter A13-Engpässen; Ineffizienzkosten steigen ohne Ausbau
Tourismus & GastgewerbeAbhängig von guter Erreichbarkeit; Staus vertreiben Besucher
Landwirte & AlpenbetriebeWolfsregulation reduziert Nutztier-Verluste; fehlendes klares Datenmaterial schafft Unsicherheit
Jäger & JägerinnenNeu eingebunden in Regulation; Mehraufwand, aber auch Wertschätzung
BundespolitikVerkehrsplanung folgt agglomerativ-urbaner Logik; Bergregionen strukturell marginal
Arno Lieta & Skibergsteigen-GemeindeOlympische Sichtbarkeit einer Randsportart; potenzieller Prestige-Gewinn

Chancen & Risiken

ChancenRisiken
Dosierung & Staumanagement: Operative Optimierung kann kurzfristig entlastenLangfristige Stagnation: Ohne Bundes-Investitionen verliert Region Wettbewerbsfähigkeit
Transitabgaben-Debatte: Könnte Druck zur Entlastung erhöhenZu späte Infrastruktur: Wirtschaftliche Erosion schreitet voran
Wolfsregulation Learning-Kurve: Jährliche Verbesserungen der MethodenUnvollständige Daten: Unklar, ob Regulation wirklich Herdenverlusten reduziert
Olympia-Sichtbarkeit: Lieta könnte Medaille bringen; PR für RegionDruck & Erwartungen: Bronze/Silber könnten enttäuschend wirken
Jäger-Integration: Erfolgreiches Modell der partizipativen RegulationSchussunfälle & Fehler: Nächtliche Arbeit erhöht Risiko

Handlungsrelevanz

Für Regierungsrat Graubünden

  1. Sofort: Vernehmlassungs-Strategie für Juni 2026 vorbereiten; alle betroffenen Stakeholder (Logistik, Tourismus, Verbände) einbinden.
  2. Mittelfristig: Dosierungs-Effektivität dokumentieren; Transitabgaben-Position klären und mit Nachbarkantonen abstimmen.
  3. Indikatoren: A13-Stau-Minuten pro Tag, Transportzeit Basel-Chiasso, Unternehmens-Abwanderungs-Raten tracken.

Für Jagd- & Fischerei-Amt

  1. Sofort: DNA-Analysen prioritär abschliessen; Rudel-Verhaltensänderungen dokumentieren.
  2. Mittelfristig: Dritte Regulationsperiode mit wissenschaftlichen Hypothesen ausgestalten; Jäger-Feedback systematisch erfassen.
  3. Indikatoren: Nutztier-Verlustraten (Schafe, Ziegen), Wolfdichte-Modelle, Abschuss-Trefferquoten.

Für Olympia-Support (Lieta)

  1. Bis 19. Feb: Mentales Coaching intensivieren; Logistik für Mailand-Cortina absichern.
  2. Danach: Unabhängig vom Ergebnis Reflektions-