Kurzfassung
Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) hat am 12. Mai 2026 ihre Erhebung zur finanziellen Lage der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen per 31. Dezember 2025 veröffentlicht. Die durchschnittliche Netto-Vermögensperformance betrug 6,1 %, die Deckungsgrade stiegen auf 117,1 % im Durchschnitt. Aktive Versicherte erhielten eine durchschnittliche Verzinsung ihrer Altersguthaben von 4,33 %. Praktisch keine Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie befanden sich in Unterdeckung. Die Wertschwankungsreserven wurden ausgebaut: 75 % der Einrichtungen erreichten mindestens 75 % ihres Zielwerts.
Personen
- Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) (Aufsichtsbehörde; Schweiz)
Themen
- Berufliche Vorsorge
- Finanzielle Stabilität
- Deckungsgrade und Vermögensperformance
- Governance und Interessenskonflikte
Clarus Lead
Trotz gestiegener geopolitischer Spannungen und Marktvolatilität 2025 zeigen sich Schweizer Vorsorgeeinrichtungen mehrheitlich resilient – dank aufgebauter Reserven und positiver Anlageentwicklung. Allerdings offenbaren sich strukturelle Schwachstellen: Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen, in denen drei Viertel der aktiven Versicherten versichert sind, weisen tiefere Deckungsgrade auf (114,5 % gegenüber 119,5 % bei firmeneigenen Einrichtungen). Wachstumsstrategien führen zu Verwässerung von Wertschwankungsreserven – ein Interessenkonflikt, auf den die OAK BV mit neuen Weisungen zu Rechtsgeschäften mit nahestehenden Personen reagiert. Diese Governance-Defizite werden auch auf politischer Ebene anerkannt und sollen gesetzgeberisch adressiert werden.
Detaillierte Zusammenfassung
Die positive Anlageentwicklung 2025 – mit guten Ergebnissen an Obligationen- und Aktienmärkten – führte zu einem weiteren Anstieg der Deckungsgrade. Einrichtungen ohne Staatsgarantie und ohne Vollversicherungslösung erreichten durchschnittlich 117,1 % (Vorjahr: 114,7 %), während öffentlich-rechtliche Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie bei 91,3 % lagen (Vorjahr: 88,3 %). Die Quote der unterdeckten Einrichtungen sank auf praktisch null Prozent. Parallel wurden Wertschwankungsreserven erheblich ausgebaut: 75 % der Einrichtungen erreichten per Ende 2025 mindestens 75 % ihres Zielwerts, gegenüber 53 % im Vorjahr. Diese Reserven sind entscheidend für die Bewältigung volatiler Marktphasen.
Die hohe Verzinsung der Altersguthaben (4,33 %) übersteigt die Jahresteuerung (0,2 %) deutlich und liegt weit über dem BVG-Mindestzinssatz von 1,25 %. Dies profitiert den Versicherten unmittelbar. Allerdings zeigen sich zwischen Einrichtungstypen erhebliche Unterschiede: Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen weisen durchschnittlich tiefere Deckungsgrade auf als firmeneigene Einrichtungen. Ein wesentlicher Treiber ist das Wachstum – in der Praxis führt es zu Verwässerung bestehender Wertschwankungsreserven und reduziert die Risikofähigkeit. Dies schafft einen Interessenkonflikt zwischen kurzfristigen Wachstumszielen von Betreibergesellschaften und langfristiger finanzieller Stabilität der Versicherten.
Die OAK BV hat auf diese Herausforderungen mit gezielten Massnahmen reagiert. Anfang Mai 2026 erliess sie Weisungen zu Mindestanforderungen für Rechtsgeschäfte mit nahestehenden Personen, um nicht marktübliche Vorteile zulasten der Versicherten zu verhindern. Der Postulatsbericht des Bundesrats zur Evaluation der Strukturreform greift zentrale Themen wie Governance und Brokertätigkeit auf und bestätigt gesetzgeberischen Handlungsbedarf. Die OAK BV wird eine Stellungnahme vor den Sommerferien veröffentlichen.
Kernaussagen
- Schweizer Vorsorgeeinrichtungen zeigen 2025 solide finanzielle Kennzahlen: 6,1 % Vermögensperformance, 117,1 % Deckungsgrad im Durchschnitt, praktisch keine Unterdeckungen.
- Aktive Versicherte profitieren von hoher Verzinsung (4,33 %), die die Inflation um ein Vielfaches übersteigt.
- Strukturelle Risiken entstehen durch Wachstumsstrategien bei Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen, die zwei Drittel der Versicherten abdecken und tiefere Deckungsgrade aufweisen.
- Neue OAK-BV-Weisungen und geplante gesetzgeberische Reformen sollen Governance-Defizite und Interessenskonflikte adressieren.
Kritische Fragen
Datenqualität: Wie wird die Konsistenz der Datenerhebung über sieben regionale Aufsichtsbehörden hinweg gewährleistet, und welche Validierungsmechanismen existieren gegen Meldungsfehler?
Interessenskonflikte: Inwiefern können die neuen OAK-BV-Weisungen zu Rechtsgeschäften mit nahestehenden Personen faktisch durchgesetzt werden, wenn Betreibergesellschaften von Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen wirtschaftliche Anreize für Wachstum haben?
Kausalität: Ist der Rückgang der unterdeckten Einrichtungen (1 % → ~0 %) primär auf positive Anlageentwicklung zurückzuführen, oder spielen Sanierungsmassnahmen und Fusionen eine relevante Rolle?
Umsetzungsrisiken: Der Postulatsbericht identifiziert Handlungsbedarf bei Governance und Brokertätigkeit – welche Zeitlinie und Ressourcen sind für gesetzgeberische Reformen vorgesehen, und welche Übergangsprobleme könnten entstehen?
Systemstabilität: Wie robust sind die aufgebauten Wertschwankungsreserven (75 % Zielwert) gegen ein Szenario mit simultanen geopolitischen Schocks und Marktvolatilität über mehrere Jahre hinweg?
Versichertenschutz: Welche Transparenzanforderungen bestehen für Versicherte bezüglich Interessenskonflikte und Gebührenstrukturen bei Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV): Finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2025 – https://www.news.admin.ch/de/newnsb/e35nqWBf0kFK
Verifizierungsstatus: ✓ 12.05.2026
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 12.05.2026