Übersicht

  • Autor: Verein zur Dekarbonisierung der Industrie (VZDI), Empa
  • Quelle: admin.ch
  • Datum: 30. November 2025
  • Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Zusammenfassung

In Zug wurde die erste Methan-Pyrolyse-Anlage der Schweiz eingeweiht, die Methan ohne CO₂-Emissionen in Wasserstoff und festen Kohlenstoff spaltet. Die Anlage ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von 16 Unternehmen und der Empa mit Investitionen von über CHF 8 Millionen und soll die Schweizer Industrie auf dem Weg zu den Netto-Null-Zielen bis 2050 unterstützen.

  • Die Anlage nutzt mikrowellenbasiertes Plasma zur Spaltung von Methan in Wasserstoff und festen Kohlenstoff
  • Jährlich werden rund 240 Tonnen CO₂ eingespart und 22 Tonnen Wasserstoff produziert
  • Der Wasserstoff ersetzt fossiles Erdgas im Emaillierungsofen von V-ZUG
  • Der feste Kohlenstoff kann als Rohstoff für Reifen, Batterien oder als CO₂-Senke in Beton genutzt werden
  • 16 Partner aus Industrie und Forschung plus der Kanton Zug sind beteiligt
  • Die Technologie nutzt bestehende Gas-Infrastruktur und ist weltweit rasch umsetzbar
  • Vision: Kombination mit Solar-Methanisierung in Wüstenregionen für negative CO₂-Emissionen

Chancen und Risiken

Chancen:

  • Dekarbonisierung industrieller Hochtemperaturprozesse ohne neue Infrastruktur
  • Kreislaufwirtschaft durch Verwertung des festen Kohlenstoffs als Rohstoff
  • Skalierbarkeit: Technologie ist global einsetzbar über bestehende Gasnetze
  • Potenzial für negative Emissionen durch Kombination mit erneuerbarer Methanisierung

Risiken:

  • Pilotanlage mit 22 Tonnen Wasserstoff pro Jahr ist noch sehr klein dimensioniert
  • Wirtschaftliche Tragfähigkeit im industriellen Massstab noch nicht bewiesen [⚠️ Noch zu prüfen]
  • Abhängigkeit von Methan-Verfügbarkeit (Erdgas/Biogas) bleibt bestehen
  • Langfristige Senken-Wirkung von Kohlenstoff in Beton/Asphalt unklar [⚠️ Noch zu prüfen]

Zukunftsbild

Kurzfristig (1 Jahr): Die Pilotanlage sammelt Betriebsdaten und optimiert den Prozess. V-ZUG reduziert die CO₂-Emissionen seiner Emaillierungsanlage schrittweise.

Mittelfristig (5 Jahre): Skalierung der Technologie auf weitere Industriestandorte in der Schweiz. Aufbau von Kooperationen für globale Ökosysteme mit Solar-Methanisierung in sonnenreichen Regionen.

Langfristig (10–20 Jahre): Etablierung eines zirkulären Systems mit erneuerbarem Methan, das über bestehende Infrastruktur transportiert und vor Ort pyrolysiert wird. Potenziell negative Netto-Emissionen durch Kohlenstoff-Senken.

Faktencheck

Gut belegt:

  • Technische Funktionsweise der Methan-Pyrolyse (Plasma-Spaltung)
  • Investitionssumme von CHF 8 Millionen und Anzahl der Partner
  • Jährliche CO₂-Einsparung (240 Tonnen) und Wasserstoffproduktion (22 Tonnen)
  • Existenz der Empa-Pilotanlage "move-MEGA" für Methanisierung

Fehlende Daten/Transparenz:

  • Produktionskosten pro Kilogramm Wasserstoff im Vergleich zu Alternativen
  • Energieeffizienz der mikrowellenbasierten Pyrolyse
  • Konkrete Verwertungswege und Mengen für den festen Kohlenstoff
  • Zeitplan und Finanzierung für globale Skalierungsprojekte

Kurzfazit

Die Methan-Pyrolyse-Anlage in Zug demonstriert einen innovativen Weg zur CO₂-freien Nutzung von Methan in der Industrie. Mit 240 Tonnen jährlicher CO₂-Einsparung ist die Pilotanlage ein wichtiges Forschungsprojekt, aber noch weit von industrieller Relevanz entfernt. Entscheidend wird sein, ob sich die Technologie wirtschaftlich skalieren lässt und der feste Kohlenstoff als dauerhafte Senke etabliert werden kann.

Drei Schlüsselfragen

  1. Freiheit: Stärkt die Technologie die Unabhängigkeit der Schweizer Industrie von fossilen Importen, oder schafft sie neue Abhängigkeiten von spezifischer Infrastruktur und Methan-Quellen?

  2. Verantwortung: Wer trägt die Verantwortung für die langfristige CO₂-Senken-Wirkung des Kohlenstoffs – und wie wird sichergestellt, dass dieser nicht später doch wieder als CO₂ freigesetzt wird?

  3. Transparenz: Welche Produktionskosten entstehen tatsächlich pro Kilogramm Wasserstoff, und wie transparent kommunizieren die Partner die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Dekarbonisierungsansätzen?