Kurzfassung

Die Weltraumfirma SpaceX bereitet sich auf den grössten Börsengang der Geschichte vor, mit einer erwarteten Marktkapitalisierung von bis zu 1,5 Billionen Dollar. Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, könnte durch diesen IPO zum ersten Dollarbillionär der Geschichte werden und sein Vermögen um über 600 Milliarden Dollar erhöhen. Neben technischen Herausforderungen bei der Umsetzung plant Musk zudem ambitionierte Zukunftsprojekte wie KI-Rechenzentren im Weltall.

Personen

Themen

  • SpaceX-Börsengang
  • Marktkapitalisierung und Bewertung
  • Starlink-Satellitennetzwerk
  • KI-Rechenzentren im All
  • Wettbewerbssituation im Raumfahrtsektor
  • Regulatorische Herausforderungen
  • Investmentbanking-Perspektiven

Detaillierte Zusammenfassung

Der geplante Börsengang

SpaceX plant 2026 einen historischen Börsengang, der alle bisherigen Rekorde sprengen könnte. Die erwartete Marktkapitalisierung wird auf etwa 1,5 Billionen Dollar beziffert, während der Börsengang selbst zwischen 25 und 50 Milliarden Dollar einbringen soll. Dies würde den bisherigen Rekord von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 (25,6 Milliarden Dollar) erheblich übertreffen. SpaceX-Grossaktionär Ron Baron spekulierte darauf, dass der Börsengang am 28. Juni 2026 stattfinden könnte – Elon Musks Geburtstag.

Bewertung und Geschäftsmodell

Die Bewertung von SpaceX bleibt umstritten. Das Unternehmen generiert derzeit etwa 15 Milliarden Dollar Jahresumsatz, wobei dieser bis 2026 auf 22 bis 24 Milliarden Dollar anwachsen dürfte – überwiegend durch das Starlink-Satellitennetzwerk. Im Gegensatz zu vielen anderen Wachstumsunternehmen ist SpaceX bereits profitabel. Morgan Stanley prognostiziert, dass Starlink bis 2040 etwa eine Milliarde Abonnenten haben könnte. Die Analysten warnen jedoch, dass SpaceX seine Gewinne erheblich steigern muss, um in die angestrebte hohe Bewertung hineinzuwachsen.

Wettbewerbsvorteil und technologische Führerschaft

SpaceX verfügt über deutliche Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten wie Blue Origin und Boeing. Dies zeigte sich exemplarisch bei Boeings Starliner-Mission im Juni 2024, bei der technische Probleme dazu führten, dass die NASA die Astronauten nicht mit diesem Raumschiff zurückbrachten, sondern auf SpaceX' Dragon-Kapsel ausweichen musste. SpaceX ist für die Privatwirtschaft und die NASA ein essentieller Partner für Transport in die Erdumlaufbahn.

Finanzielle Auswirkungen für Musk und Investoren

Elon Musk besitzt über 40 Prozent von SpaceX. Bei einer Marktkapitalisierung von 1,5 Billionen Dollar würde sein Anteil über 600 Milliarden Dollar wert sein. Mit seinem aktuellen Vermögen von über 700 Milliarden Dollar könnte er zum ersten Dollarbillionär der Geschichte werden. Andere Profiteure wären Peter Thiels Wagniskapitalgesellschaft Founders Fund sowie bekannte Investoren wie Andreessen Horowitz, Sequoia Capital, Fidelity und Google.

Regulatorische Herausforderungen

Nach einem Börsengang müsste SpaceX stärkere Aufsicht durch die SEC akzeptieren. Musk hatte bereits heftige Konflikte mit der amerikanischen Börsenaufsicht bei Tesla und der Twitter-Übernahme. Auch die Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis, welche die Stimmen von passiven Fonds und Pensionskassen bündeln, würden Mitspracherechte erhalten.

Praktische Umsetzungsprobleme

Investmentbanker diskutieren intensiv über Haltefristen für bisherige Anteilseigner, um einen Preiszerfall nach dem Börsengang zu verhindern. Bei SpaceX, Anthropic und OpenAI besteht die Herausforderung, dass an Ablaufdaten zu viele Aktien gleichzeitig auf den Markt kommen könnten. Daher werden gestaffelte oder möglicherweise geheim gehaltene Haltefristen in Betracht gezogen.

Zukunftsvision: KI-Rechenzentren im All

Um den Börsengang attraktiv zu gestalten, bewirbt Musk ambitionierte Zukunftspläne. Er plant KI-Rechenzentren im Weltall aufzubauen, da billigere Raketenstarts dies wirtschaftlich machen könnten. Satelliten in der Erdumlaufbahn könnten fast unbegrenzt Solarenergie verarbeiten. Allerdings gibt es erhebliche technische Hindernisse: Um ein Datencenter mit 1 Gigawatt Rechenleistung auf der Erde zu ersetzen, bräuchte es etwa 10.000 Satelliten mit je 100 Kilowatt Rechenleistung. Musk ist überzeugt, dass das neue Starship-Raumschiff bis zu 300 oder 500 Gigawatt Rechenleistung pro Jahr ins All bringen kann, doch die Realisierung bleibt fraglich.

Konkurrenz und Bankenkonsortium

Neben SpaceX gelten die KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic als IPO-Kandidaten, allerdings mit Zielen erst für 2027. Bei SpaceX tritt Morgan Stanley als Favorit an, da die Bank gute Kontakte zu Musk hat und bereits bei der Twitter-Übernahme 2022 beteiligt war. Goldman Sachs wäre der offensichtliche Konkurrent. Eine erfolgreiche IPO mit 50 Milliarden Dollar könnte einer Bank etwa 1,5 Milliarden Dollar an Gebühren einbringen.

Kernaussagen

  • SpaceX plant einen beispiellosen Börsengang mit einer Marktkapitalisierung von bis zu 1,5 Billionen Dollar und Einnahmen von 25-50 Milliarden Dollar
  • Elon Musk könnte durch seinen über 40-prozentigen Anteil zum ersten Dollarbillionär der Welt werden
  • Das Geschäftsmodell basiert stark auf dem profitablen Starlink-Satellitennetzwerk mit erwarteten 22-24 Milliarden Dollar Umsatz 2026
  • SpaceX hat deutliche Wettbewerbsvorteile durch fortgeschrittene Raketentechnologie gegenüber Boeing und Blue Origin
  • Musk plant ambitionierte Zukunftsprojekte wie KI-Rechenzentren im Weltall, deren wirtschaftliche Machbarkeit jedoch umstritten ist
  • Der IPO würde zu verstärkter SEC-Regulierung und Mitspracherechten von Stimmrechtsberatern führen
  • Praktische Herausforderungen bei Haltefristen für Investoren erfordern innovative Lösungsansätze
  • Morgan Stanley und Goldman Sachs konkurrieren um die Leitung des Bankenkonsortiums mit potenziellen Gebühren von 1,5 Milliarden Dollar

Metadaten

Sprache: Deutsch
Publikationsdatum: 29. Dezember 2025
Quelle: Neue Zürcher Zeitung (NZZ)
Original-URL: https://www.nzz.ch/wirtschaft/elon-musk-plant-mit-spacex-den-groessten-boersengang-aller-zeiten-und-koennte-zum-ersten-billionaer-der-welt-werden-ld.1917634
Autor: André Müller, New York
Textlänge: ca. 6.500 Zeichen