Kurzfassung
Das Wasserforschungsinstitut Eawag ist seit Anfang 2026 offizielles Nationales Referenzzentrum für Abwassermonitoring (NRAM) im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit. Die Institution analysiert ab sofort zentral das Abwasser von zehn über die Schweiz verteilten Kläranlagen – etwa 20 % der Bevölkerung – auf Krankheitserreger wie SARS-CoV-2, Influenza und RSV sowie auf Substanzen aus Arznei- und Suchtmittelgebrauch. Die zehnjährige Zusammenarbeit sichert die Kontinuität der abwasserbasierten Epidemiologie und verbessert die Vorbereitung auf künftige Pandemien.
Personen
- Christoph Ort (Abteilungsleiter Siedlungswasserwirtschaft, Eawag)
- Tim Julian (Abteilung Mikrobiologie, Eawag)
- Simon Ming (Pressesprecher Bundesamt für Gesundheit)
Themen
- Abwasserbasierte Epidemiologie (WBE)
- Virenmonitoring (SARS-CoV-2, Influenza, RSV)
- Substanzmonitoring (DroMedario II)
- Öffentliche Gesundheit
- Pandemieprävention
Clarus Lead
Das Wasserforschungsinstitut Eawag übernimmt ab 2026 als nationales Referenzzentrum die zentrale Verantwortung für das Abwassermonitoring in der Schweiz. Diese Institutionalisierung sichert die langfristige Überwachung von Krankheitserregern und Substanzenkonsum durch Analyse von Abwasserproben aus zehn strategisch verteilten Kläranlagen. Für Entscheider im Gesundheitswesen bedeutet dies verbesserte Früherkennung von Virusvarianten und Krankheitstrends – eine wesentliche Ergänzung zu klassischen Überwachungssystemen. Die zehnjährige Vereinbarung mit dem Bundesamt für Gesundheit ermöglicht zudem längerfristige Datenreihen, die tiefere Einsichten in Gesundheitsmuster erlauben.
Detaillierte Zusammenfassung
Die abwasserbasierte Epidemiologie (WBE) hat während der SARS-CoV-2-Pandemie ab 2020 massiv an Bedeutung gewonnen. Eawag und EPFL analysierten zeitweise Proben von über 100 Schweizer Kläranlagen. Seit Sommer 2023 wurde das Programm optimiert: Zentrale Analysen an der Eawag in Dübendorf, zehn Kläranlagen im Fokus (von Genf bis St. Gallen, Lugano bis Basel), Erfassung von etwa zwei Millionen Menschen. Methodische Verbesserungen wie digitale PCR-Geräte und Multiplex-Tests steigerten Effizienz und Vergleichbarkeit. Das Portfolio umfasst inzwischen SARS-CoV-2, Influenza A/B und RSV-Viren.
Parallel dazu läuft seit 2025 das Projekt DroMedario II – Analyse von Arznei- und Suchtmittelrückständen im Abwasser. Daten aus den ersten zwei Quartalen 2025 sind öffentlich verfügbar. Diese Kombination chemischer und mikrobiologischer Analysen eröffnet neue Perspektiven: Ein plötzlicher Anstieg eines Hustenmedikaments könnte auf anrollende Krankheiten hinweisen, bevor Praxen und Spitäler erhöhte Fallzahlen melden. Substanzmuster (z. B. Ketamin-Anstieg, wochenendliche Kokain-Peaks) werden sichtbar, ohne dass Verkaufszahlen vorliegen – das Abwasser als objektive Datenquelle.
Die Eawag betont jedoch: Trotz Institutionalisierung bleibt WBE ein Forschungsprojekt mit offenen Fragen (z. B. Automatisierung vor Ort). Zugleich grenzt sich die Institution bewusst ab – sie fungiert nicht als «Abwasserpolizei» und lehnt Überwachungsprojekte (etwa Cannabis-Monitoring in Schulen) ab.
Kernaussagen
- Institutionalisierung: Zehnjährige Vereinbarung mit BAG sichert kontinuierliches nationales Abwassermonitoring
- Technologische Reife: Zentrale Analysen, digitale PCR, Multiplex-Tests ermöglichen effiziente Virenüberwachung von 20 % der Bevölkerung
- Doppelter Nutzen: Kombination von Virenmonitoring (SARS-CoV-2, Influenza, RSV) und Substanzanalyse (Drogen, Medikamente) für Früherkennung und Gesundheitstrends
- Pandemieprävention: Bessere Vorbereitung auf zukünftige Pandemien durch längerfristige Datenreihen und trainiertes Team
- Ethische Grenzen: Klare Ablehnung von Überwachungsanwendungen ohne epidemiologischen Nutzen
Kritische Fragen
Datenqualität & Repräsentativität: Wie repräsentativ sind die zehn Kläranlagen (20 % der Bevölkerung) für nationale Trends? Welche geografischen oder demografischen Blindflecken entstehen durch die Auswahl?
Validität der Virenquantifizierung: Wie zuverlässig ist die Umrechnung von Virus-RNA im Abwasser auf tatsächliche Infektionszahlen in der Bevölkerung? Welche Variablen (Ausscheidungsraten, Abwasserfluss) beeinflussen die Messgenauigkeit?
Interessenskonflikte bei Substanzmonitoring: Inwiefern könnte die Veröffentlichung von Konsummustern (z. B. Ketamin, Kokain) zu Stigmatisierung von Städten oder Bevölkerungsgruppen führen? Wer kontrolliert die Datennutzung?
Kausalität Medikament–Krankheit: Kann ein Anstieg von Hustenmedikamenten wirklich früh auf Krankheitsausbrüche hinweisen, oder ist die Korrelation zu schwach? Welche Gegenhypothesen (saisonale Lagerbestände, Kaufverhalten) müssen ausgeschlossen werden?
Umsetzbarkeit & Skalierung: Ist die Automatisierung von Analysen direkt auf Kläranlagen technisch und wirtschaftlich realistisch? Welche Kosten entstehen für eine Ausweitung auf mehr Standorte?
Grenzen der Abwasserpolizei: Wie wird in der Praxis sichergestellt, dass die Eawag nicht unter Druck für Überwachungszwecke missbraucht wird? Welche rechtlichen Schutzvorschriften existieren?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: Medienmitteilung Eawag/BAG – Fortsetzung des Abwassermonitorings ist gesichert – https://www.news.admin.ch/de/newnsb/R2tqovVEDanDLYutVVHaX (18. Februar 2026)
Ergänzende Ressourcen:
- Wise-Datenportal: https://wise.ethz.ch/ (Virentrends SARS-CoV-2, Influenza)
- DroMedario-Datenportal: https://dromedario.ch (Substanzmonitoring)
Verifizierungsstatus: ✓ 18. Februar 2026
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 18. Februar 2026