Kurzfassung

Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) bescheinigt der Neuen Digitalisierungsplattform der Armee (NDP) einen realistischen Zeitplan und breite Abstützung – doch die Zeitreserven sind nahezu aufgebraucht. Das erste Besiedelungspaket soll bis Juli 2026 einsatzbereit sein und an der Militärübung EOS 26 verifiziert werden. Kritisch: Die Plattform stützt sich auf amerikanische Virtualisierungstechnologien und wird von externen Anbietern aufgebaut, was grundlegende Fragen zur digitalen Souveränität und langfristigen Betriebsfähigkeit aufwirft.

Personen

Themen

  • Neue Digitalisierungsplattform Armee (NDP)
  • Digitale Souveränität
  • Einsatzkritische IKT-Infrastruktur
  • Abhängigkeit von externen Lieferanten
  • Agile Projektführung (SAFe)

Clarus Lead

Das Kommando Cyber baut mit der NDP eine zentrale IKT-Plattform auf, die Sensoren, Entscheidungsträger und Wirkungssysteme vernetzen soll – ein einsatzkritisches Rückgrat für alle Armeeeinsätze ab 2026. Die EFK-Prüfung attestiert dem Programm plausible Planung, warnt aber: Zeitreserven sind auf rund zehn Wochen geschrumpft, nachdem ein externer Hardwarelieferant wiederholt Verzögerungen verursacht hat. Politisch brisant bleibt: Die Armee baut ihre digitale Kommandofähigkeit auf einer Plattform auf, deren Kerntechnologien von US-Konzernen wie Broadcom kontrolliert werden – deren Betrieb massgeblich in Händen externer Partner liegt.

Detaillierte Zusammenfassung

Die EFK-Prüfung (EFK-25130, Oktober 2025) beurteilt das Programm NDP inhaltlich auf Kurs. Das erste Besiedelungspaket (BSP I) umfasst militärische Endgeräte, Kollaborationsanwendungen (Chat, Mail, Atlassian-Ökosystem) sowie Fachanwendungen wie Sitaware, KADAS und MeteoDVM. Diese sollen ab 1. Juli 2026 für den operativen Einsatz bereitstehen und an der Militärübung EOS 26 verifiziert werden. Zieldatum für Vollbetrieb ist das WEF 2028 in Davos. Die Besiedlungsplanung wurde gemeinsam mit allen Direktunterstellten des Chefs der Armee erarbeitet – ein Ansatz, den die EFK würdigt.

Neben obligatorischen Arbeitspaketen wurden experimentelle Pakete definiert, die als zeitlicher Puffer gelten sollten. Dieser ist jedoch nahezu verbraucht: Release 4 der zentralen Hardware-Infrastruktur (Cubes) wurde um drei Monate verschoben, Release 5 weist weitere Verzögerungen auf. Nur noch zehn Wochen verbleiben bis zur geplanten Produktivsetzung – ohne nennenswerte Programm-Reserven.

Ein zweites Problem betrifft das Reporting: Die Überführung des Schlüsselprojekts RZ2020 IKT A&I in NDP ist nachvollziehbar dargestellt. Doch die EFK stellt fest, dass unklar bleibt, ob das Reporting den Anforderungen von Armee, Generalsekretariat VBS und Parlament vollumfänglich genügt. Für die Aufsichtsebene muss der Programmstand ohne Zusatzinformationen lesbar sein – das ist derzeit nicht gewährleistet. Positiv: Fünf Empfehlungen aus früheren Prüfungen (2021, 2023) wurden vollständig umgesetzt, darunter Qualitätssicherung, Sicherheitsvalidierung und die Einführung eines externen Qualitäts- und Risikomanagements.

Kernaussagen

  • Zeitreserven erschöpft: Release 5 der Cubes verzögert; nur noch zehn Wochen bis Produktivsetzung ohne nennenswerten Puffer.
  • Alle fünf Empfehlungen umgesetzt: EFK attestiert vollständige Umsetzung der Empfehlungen aus 2021 und 2023.
  • Reporting-Lücke: Steuerungs- und Aufsichtsgremien können den Programmstand nicht ohne Zusatzinformationen beurteilen.
  • Agile Methoden erfolgreich: SAFe-Methode ermöglicht parallele Arbeitspakete und flexible Anpassung – wesentlicher Risikopuffer.
  • Betrieb über alle Lagen ungeklärt: Konzept, wie militärisches Personal externe Partner im Mobilmachungsfall ersetzen soll, fehlt noch.

Kritische Fragen

  1. Digitale Souveränität: Einsatzkritische Infrastrukturen stützen sich mutmasslich auf Produkte von Broadcom (VMware) – einem US-Konzern, der nach 2023 Lizenzbedingungen einseitig ändert. Wie wird Schweizer digitale Souveränität gewährleistet, wenn Plattformkomponenten von ausländischen Anbietern kontrolliert werden? Welche Exit-Strategien wurden evaluiert?

  2. Externe Abhängigkeit: Die NDP wird zu wesentlichen Teilen von externen Anbietern entwickelt. RZ-Kompanie und NDP-Zug sind noch «in Ausbildung»; ein Betriebskonzept «über alle Lagen» fehlt. Wie realistisch ist autonomer Betrieb ohne dauerhafte Abhängigkeit nach Projektabschluss? Was geschieht im Mobilmachungsfall?

  3. Technologische Obsoleszenz: Was 2021 konzipiert, 2026 produktiv gesetzt und 2030 voll ausgebaut werden soll – in einem Umfeld rasanter Veränderung (KI, Post-Quanten-Kryptografie, softwaredefinierte Netzwerke). Welche Mechanismen verhindern, dass die NDP bei Vollbetrieb bereits technologisch überholt ist?

  4. Evidenzgrundlage: Die EFK stuft BSP I als «ambitioniert, aber machbar» ein – ohne belastbare Kennzahlen zu Ressourcenauslastung, Budgeträumen oder historischer Treffsicherheit vergleichbarer VBS-Projekte. Wie empirisch fundiert ist diese Einschätzung?

  5. Interessenkonflikte bei QRM: Der erste externe Qualitäts- und Risikomanagement-Anbieter wurde ausgetauscht. Externe Lieferanten sind zugleich am Aufbau und späteren Betrieb beteiligt. Wie wird Unabhängigkeit des externen QRM sichergestellt?

  6. Vertragliche Absicherung: Wiederholte Verzögerungen bei Cubes gefährden den Endtermin. Welche Mechanismen greifen bei weiteren Verzögerungen? Wer trägt Mehrkosten? Welche Konsequenzen für geplante Systemablösungen, die laut Bericht «essentiell» vom Termin abhängen?

  7. Steuerungswechsel als Risikofaktor: Kdo Cy plant Wechsel vom klassischen HERMES zu kontinuierlichem Lean Portfolio Management. EFK hält fest: «Notwendige Rahmenbedingungen befinden sich in Erarbeitung». Wird dieser Steuerungswechsel selbst zum Risikofaktor in einer Phase, in der NDP produktiv gesetzt werden muss?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: EFK-25130 – Prüfung des Schlüsselprojektes Neue Digitalisierungsplattform der Armee

Ergänzende Quellen:

  1. EFK-23155 – Prüfung des DTI-Schlüsselprojektes RZ2020 IKT-Architektur und -Infrastruktur (2024)
  2. EFK-21462 – Prüfung des DTI-Schlüsselprojektes Rechenzentren VBS/Bund 2020 (2023)
  3. Armeebotschaft 2023, BBl 2023 619
  4. HERMES Projektmanagement-Methode, eCH-0054

Verifizierungsstatus: ✓ 18.03.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 18.03.2026