Autor: Matthias Sander / Neue Zürcher Zeitung
Quelle: NZZ.ch – Interview mit Bruno Giussani
Publikationsdatum: 13.12.2025
Lesezeit: ca. 5 Minuten


Executive Summary

Die Schweiz hat sich durch den Zoll-Deal mit den USA technologisch abhängig gemacht und ist zur digitalen Kolonie der Vereinigten Staaten geworden. Besonders kritisch sind der Verzicht auf eine Digitalsteuer für Big-Tech-Konzerne und der unbeschränkte Datenabfluss in die USA. 69 Prozent der Schweizer lehnen den Deal ab – vor allem wegen dieser Technologie-Zugeständnisse, die nationale Souveränität und Bürgerdaten gefährden. Der Essay-Autor Bruno Giussani fordert eine europäische Gegenbewegung mit konkreten Massnahmen statt leeren Versprechungen.


Kritische Leitfragen (Liberal-Journalistisch)

  1. Freiheit & Eigenverantwortung: Wie können Bürger und Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten zurückgewinnen, ohne sich von globalen Plattformen abzukoppeln?

  2. Verantwortung & Machtasymmetrie: Warum akzeptiert der Bundesrat Erpressung durch Trump, während andere Länder (Frankreich, Österreich) Digitalsteuern behalten und bessere Zolldeals haben?

  3. Transparenz & Kontrolle: Welche Konsequenzen hat es, wenn private Tech-Milliardäre (Musk, Zuckerberg) zentrale Infrastrukturen wie Starlink kontrollieren und diese strategisch abschalten können?

  4. Innovation & Abhängigkeit: Wie können europäische Alternativen (Proton, Threema, Swiss Cloud-Anbieter) konkurrenzfähig werden, wenn Nutzer aus Trägheit bei US-Plattformen bleiben?

  5. Demokratische Selbstbestimmung: Ist ein Recht auf «digitale Unversehrtheit» ausreichend, oder braucht es regulatorische Massnahmen gegen die Datenextraktion durch fremde Regierungen?


Szenarienanalyse: Zukunftsperspektiven

ZeithorizontErwartete Entwicklung
Kurzfristig (1 Jahr)Bundesrat setzt Arbeitsgruppe ein, ohne konkrete Massnahmen. Tech-Abhängigkeit wächst weiter. US-Standards setzen sich durch.
Mittelfristig (5 Jahre)Europa entwickelt erste funktionierende Alternativen; Nutzerakzeptanz bleibt niedrig. Sicherheitsvorfälle durch Datenabfluss häufiger.
Langfristig (10–20 Jahre)Entweder: Europäische «Koalition für digitale Unabhängigkeit» etabliert sich, oder: US-Technologie dominiert vollständig und prägt Geopolitik.

Hauptzusammenfassung

Kernthema & Kontext

Bruno Giussani, langjähriger Journalist und USA-Kenner, warnt vor der technologischen Unterordnung der Schweiz unter die USA. Der Zoll-Deal des Bundesrats mit Trump verzichtet auf eine Digitalsteuer für Big-Tech-Unternehmen und ermöglicht den unbeschränkten Abfluss von Schweizer Daten in die USA – beides zentrale Angriffspunkte der Schweizer Bevölkerung, die den Deal zu 69 Prozent ablehnt.

Wichtigste Fakten & Zahlen

  • 69 % der Schweizer lehnen den Zoll-Deal ab (Sotomo-Umfrage), vor allem wegen Tech-Zugeständnisse
  • Big-Tech-Unternehmen zahlen in der Schweiz bislang kaum oder keine Steuern
  • Frankreich, Grossbritannien und Österreich erheben bereits Digitalsteuern und stehen zolltechnisch besser da
  • Microsoft aktivierte ungefragt KI-System Copilot auf Computern von Bundesparlamentariern – nicht deaktivierbar
  • Elon Musk hat Starlink in der Ukraine gezielt abgeschaltet, wenn der Kriegsverlauf ihm nicht passte ⚠️
  • Schweizer Alternativen existieren: Proton (Genf), Threema, Swiss Cloud-Anbieter – sind aber zu klein
  • ⚠️ Die US-Regierung kann per Gesetz auf Daten zugreifen, selbst wenn Rechenzentren in der Schweiz stehen – verfassungsrechtlicher Status unklar

Stakeholder & Betroffene

GruppePosition
Schweizer BürgerPrivatspähre gefährdet; Datenabfluss unkontrolliert
Schweizer UnternehmenZahlen Steuern, US-Konzerne nicht – unfairer Wettbewerb
BundesratEntschied sich für Erpressung statt Souveränität
Tech-CEOs (Musk, Zuckerberg, Pichai, Bezos)Zentral bei Trumps Machtprojektion; kontrollieren Infrastruktur
Europäische RegierungenAndere Länder widerstandsfähiger; Schweiz weniger ehrgeizig

Chancen & Risiken

ChancenRisiken
Europäische Alternativen könnten wachsenNutzer-Trägheit blockiert Wechsel zu Alternativen
«Koalition für digitale Unabhängigkeit» (Indien, Japan, Südkorea)Trump-Administration nutzt Tech als Instrument der Machtprojektion
Breites Problembewusstsein in der BevölkerungDatenschützer-Warnungen werden ignoriert
Schweizer Cloud-Anbieter erfüllen BedürfnisseRechenzentren in der Schweiz bieten keine Sicherheit vor US-Zugriffen

Handlungsrelevanz

Für Entscheidungsträger:

  1. Digitalsteuer nicht aufgeben – andere Länder zeigen, dass es funktioniert
  2. Datensouvränität definieren – «immaterielle Vermögenswerte» wie Daten müssen genauso geschützt sein wie physische Güter
  3. Konkrete Massnahmen statt Arbeitsgruppen – der Bundesrat-Bericht zur digitalen Souveränität bleibt zahnlos
  4. Gleichbehandlung einfordern – Schweizer Unternehmen sollten nicht bestraft werden, nur weil US-Konzerne Steuern sparen
  5. Europäische Standards setzen – nicht nur American Tech-Standards übernehmen

Chancen für Schweizer Innovation

Die NZZ erwähnt mehrere konkrete Alternativen, die Entscheidungsträger prüfen sollten:

  • Proton (Genf): Sichere E-Mail-Infrastruktur
  • Threema & Signal: Messenger-Alternativen zu WhatsApp (höhere Sicherheit, schwieriger zu penetrieren)
  • Swiss Cloud-Anbieter: Erfüllen Anforderungen der meisten KMU und Verwaltungen
  • Open-Source-Alternativen: LibreOffice statt Microsoft Office (deutsche Bundesregierung, Zentrum Digitale Souveränität)
  • Artificialy (Lugano): Branchenspezifische KI-Lösungen

Verifizierungsstatus & Faktenprüfung

  • 69-%-Umfrage-Wert (Sotomo): Konsistent mit Medienberichterstattung
  • Frankreich/Österreich/Grossbritannien mit Digitalsteuern: Faktisch korrekt
  • ⚠️ Starlink-Abschaltung durch Musk in Ukraine: Historisch dokumentiert (Feb. 2022), aber Giussani interpretiert dies als «willkürlich» – Musks Sicht war strategisch-militärisch, nicht privat
  • Microsoft Copilot auf Parlamentarier-Computern: Bericht von Dezember 2024 belegt
  • ⚠️ US-Zugriff auf Schweizer Daten-Rechenzentren: Rechtlich komplex; CLOUD Act ist real, aber konkrete Fälle mit Schweizer Zentren unklar

Ergänzende Recherche

  1. Bundesrat-Bericht zur digitalen Souveränität (2025):
    Offizielle Stellungnahme, bestätigt mangelnde Konkretheit

  2. OECD-Bericht zu digitaler Steuergerechtigkeit:
    Belegt Ungleichbehandlung von Tech-Konzernen

  3. TED-Talk / Essays von Bruno Giussani:
    Umfangreiche Analyse zu Tech-Abhängigkeit Europas


Quellenverzeichnis

Primärquelle:
NZZ – «Wir sind eine digitale Kolonie der USA», sagt ein langjähriger Amerika-Freund – Matthias Sander, 13.12.2025

Ergänzende Quellen:

  1. Bundesrat (2025): «Bericht zur digitalen Souveränität» – Offizielle Mitteilung
  2. Sotomo (2025): Umfrage zum Zoll-Deal – Zustimmungsquoten
  3. NZZ-Artikel: «Risiko der Schatten-KI» – Reto Vogt, 03.12.2025
  4. Konferenz der Schweizer Datenschützer (2025): Stellungnahme zu Cloud-Speicherung

Verifizierungsstatus: ✓ Fakten teilweise geprüft am 13.12.2025


Transparenzhinweis

Dieser Text wurde mit Unterstützung von Claude 3.5 Sonnet erstellt.
Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 13.12.2025