Kurzfassung

Der Bundesrat und die UBS liefern sich einen ungewöhnlich offenen Regulierungsstreit über Eigenkapitalvorschriften. Die Behörden fordern, dass die UBS ihre Auslandtöchter künftig vollständig mit hartem Eigenkapital unterlegen muss – als Folge der Credit-Suisse-Krise 2023. Die UBS kritisiert scharf, dass dies ihre Wettbewerbsfähigkeit schwächt. Während Experten und die Bevölkerung die Behördenposition unterstützen, warnt der Artikelautor vor übereilten Lösungen. Das Regelwerk habe bereits vor der Krise existiert; das eigentliche Problem war die Ausnahmebewilligung für die Credit Suisse, nicht fehlende Normen. Das Parlament muss nun einen tragfähigen Kompromiss finden, der Finanzstabilität und Wettbewerbsfähigkeit balanciert.

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Themen

  • Grossbankenregulierung
  • Eigenkapitalvorschriften
  • Finanzstabilität
  • Schweizer Finanzplatz

Clarus Lead

Der Konflikt zwischen dem Bundesrat und der UBS gefährdet die Reputation der Schweiz als globales Finanzzentrum. Während Regulatoren und Akademiker hinter strengeren Kapitalanforderungen stehen, signalisieren die Finanzmärkte unmissverständlich, dass die geplanten Vorschriften erhebliche wirtschaftliche Kosten haben. Das Parlament trägt nun die Verantwortung, nicht nur Stabilität zu sichern, sondern auch die strategische Frage zu klären: Welche Regeln braucht es wirklich, um eine nächste Krise zu verhindern – und welchen Preis ist die Schweiz bereit, dafür zu zahlen?

Detaillierte Zusammenfassung

Die Credit-Suisse-Rettung von 2023 offenbarte ein Governance-Problem statt einer Regelungslücke. Der Credit Suisse war genehmigt worden, ihre ausländischen Tochtergesellschaften durch einen «regulatorischen Filter» künstlich höher zu bewerten als unter geltenden Buchhaltungsregeln vorgesehen – eine Ausnahmebewilligung der Finma von 2017. Dies ermöglichte der Bank, künftige Gewinne ihrer Auslandtöchter bei der Eigenkapitalberechnung des Stammhauses einzurechnen. Als die Credit Suisse während der Krise Auslandtöchter verkaufen musste, führten die Verkäufe zu massiven Überbewertungsverlusten, die ein grosses Loch ins harte Eigenkapital rissen. Die Bank wurde faktisch handlungsunfähig.

Der Bundesratsvorschlag schliesst diese Schwachstelle, indem Auslandtöchter künftig mit 100 Prozent hartem Eigenkapital unterlegt werden müssen. Allerdings ignoriert er eine zentrale Lehre aus der Finanzkrise 2008: Die nächste Krise könnte völlig andere Ursachen haben. Finma und SNB warnen seit Jahren vor einer Korrektur am Schweizer Immobilienmarkt. Im Krisenfall der 1990er Jahre wären Schweizer Immobilienpositionen im Stammhaus nur mit 30 Prozent hartem Eigenkapital gedeckt gewesen, während das in Auslandtöchter gebundene Eigenkapital am falschen Ort gebunden wäre. Der Artikelautor argumentiert, dass eine umfassendere Lösung – etwa der noch nicht eingeführte Public Liquidity Backstop – notwendig ist, der der SNB erlauben würde, gescheiterte systemrelevante Banken während ihrer Sanierung mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen. Das Parlament sollte alternative Kompromisslösungen prüfen, statt den Bundesratsvorschlag automatisch anzunehmen.

Kernaussagen

  • Der Regulierungsstreit schadet der internationalen Reputation der Schweiz als Finanzplatz
  • Das eigentliche Problem der Credit-Suisse-Krise war eine Aufsichtsausnahme, nicht fehlende Regelwerk
  • Die Finanzmärkte signalisieren, dass die geplanten Eigenkapitalvorschriften erhebliche Wettbewerbskosten haben
  • Ein funktionierender Kompromiss muss Finanzstabilität und Wettbewerbsfähigkeit ausgewogen berücksichtigen

Kritische Fragen

  1. Evidenz/Datenqualität: Welche empirischen Daten zeigen, dass die geplante 100-Prozent-Eigenkapitalquote für Auslandtöchter tatsächlich eine nächste Krise verhindert – insbesondere wenn diese aus dem Schweizer Immobilienmarkt entsteht statt aus Auslandsverlustrisiken?

  2. Interessenkonflikte: Inwiefern unterscheiden sich die Positionen der Finma und SNB von denen des Bundesrates inhaltlich, oder sprechen sie einstimmig, weil sie als Behördenvertreter koordiniert agieren?

  3. Kausalität: Der Artikelautor argumentiert, dass die fehlende Durchsetzung bestehender Regeln das Problem war, nicht die Regeln selbst. Wie hätte eine 100-Prozent-Quote für Auslandtöchter die Finma-Genehmigung des «regulatorischen Filters» 2017 verhindert?

  4. Alternativen: Welche Kosten-Nutzen-Analysen vergleichen den Bundesratsvorschlag mit alternativen Stabilisierungsinstrumenten wie dem Public Liquidity Backstop?

  5. Umsetzbarkeit: Wenn die UBS-Aktie nach Ankündigung von Alternativprüfungen deutlich stärker wurde, bedeutet dies, dass Investoren die Kosten des Vorschlags als real einstufen – könnte dies zu einer Kapitalflucht aus der Schweiz führen?

  6. Wettbewerbsfähigkeit: Der Artikel erwähnt, dass die UBS-Aktie seit der CS-Rettung deutlich schwächer als internationale Konkurrenten abschnitt. Welche zusätzlichen Regulierungskosten entstehen der UBS konkret, und wie beeinflussen diese die Fähigkeit, Top-Talente zu halten?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Der Streit um die UBS schadet dem Ruf der Schweiz: Es ist Zeit für einen KompromissNZZ, 2026

Verifizierungsstatus: ✓ 22.07.2026

Weitere Sprachen: Französisch | Englisch


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt.
Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 22.07.2026