Kurzfassung

Der Schweizer Bundesrat hat am 19. Juni 2026 das Vernehmlassungsverfahren zu «Verkehr '45» eröffnet. Die Vorlage koordiniert Infrastrukturprojekte für Schiene und Strasse bis 2045 und basiert auf Eckwerten vom 28. Januar 2026. Die Vernehmlassung läuft bis 9. Oktober 2026. Kernelemente sind der Bahnausbau (Taktverdichtungen, neue Linien, strategische Netzelemente), der gezelte Ausbau von Nationalstrassen an Engpässen sowie 1,68 Milliarden Franken Bundesbeiträge für 40 Agglomerationsprojekte. Finanziert wird alles durch den Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF) – zu 100 Prozent nutzerfinanziert.

Personen

Themen

  • Verkehrsinfrastruktur
  • Bahnausbau
  • Nationalstrassen
  • Agglomerationsverkehr
  • Langfristplanung 2045

Clarus Lead

«Verkehr '45» markiert einen Paradigmenwechsel in der Schweizer Mobilitätspolitik: Erstmals werden Schiene und Strasse in einer gemeinsamen, priorisierten Vorlage gebündelt – eine Reaktion auf Mehrkosten beim Bahnausbau und die Ablehnung des Ausbauschritts 2023 durch das Volk. Der Bundesrat streicht dafür 68 kleinere bis mittlere Projekte (2,5 Mrd. CHF) und 31 Nationalstrassen-Projekte (16 Mrd. CHF), um Mittel neu zu konzentrieren. Die ETH Zürich-gestützte Priorisierung signalisiert: Finanzielle Grenzen erzwingen strategische Fokussierung statt Expansion – eine kritische Botschaft für Kantone und Regionen mit gestrichenen Projekten.

Detaillierte Zusammenfassung

Die Vorlage «Verkehr '45» adressiert zwei zentrale Herausforderungen: Die Finanzierungslücke beim Bahnausbau erfordert die Verlängerung des Mehrwertsteuerpromilles zugunsten des Bahninfrastrukturfonds (mit obligatorischem Referendum). Parallel wurden Projekte radikal neupriorisiert – gestützt auf ein im Januar 2025 in Auftrag gegebenes ETH-Gutachten, das die Machbarkeit und Kosteneffizienz bewertete.

Bahnausbau: Bis 2030 wird die Verbindung Biel–Genf verbessert. Bis 2035 entstehen der Viertelstundentakt Bern–Zürich und Halbstundentakte Basel–Zürich sowie Bern–Luzern. Der Güterverkehr erhält zusätzliche Kapazitäten auf der West-Ost-Achse (Lausanne–Zürich via Biel). Bis 2045 folgen strategische Netzelemente: Ligne directe Neuchâtel–La Chaux-de-Fonds, Bahnhof-Ausbauten in Genf und Basel, Zimmerberg-Basistunnel II, viertes Gleis Zürich Stadelhofen, erste Etappe Durchgangsbahnhof Luzern und Grimseltunnel. Das ursprüngliche «Herzstück Basel» wurde als nicht realisierbar verworfen; eine Alternative wird mit den Basler Kantonen erarbeitet.

Nationalstrassen: Der Bundesrat konzentriert sich auf zwei A1-Projekte im Ausbauschritt 2027 – sechsspuriger Ausbau Aarau-Ost bis Birrfeld (West-Ost-Achse) und sechsspuriger Ausbau Perly–Bernex (Genf-Umfahrung). Bis 2045 folgen acht weitere gezielte Abschnitte. Statt Expansion setzt der Bund auf betriebliche Massnahmen (z.B. temporäre Pannenstreifennutzung) an Engpässen. Abgelehnte Projekte wie Le Vengeron–Nyon werden nicht weiterverfolgt.

Agglomerationsverkehr: Die 5. Generation erhält 1,68 Mrd. CHF für 40 Agglomerationen. Flaggschiffe sind Franca-Magnani-Brücke Zürich, Bahnhofplatz Olten, Umfahrung Hasle bei Burgdorf, Verkehrsdrehscheibe Grand-Saconnex/Aéroport und Tramverlängerung St-Genis-Pouilly bei Genf.

Für Betrieb und Unterhalt der Nationalstrassen (2028–2031) plant der Bundesrat 9,46 Mrd. CHF. Bahninfrastruktur-Betrieb ist bis 2028 gesichert; für 2029–2032 folgt eine separate Vorlage.

Kernaussagen

  • Der Bundesrat bündelt Schiene und Strasse erstmals in einer integrierten Mobilitätsstrategie bis 2045 mit priorisierten Projekten.
  • 68 kleinere bis mittlere Bahnprojekte (2,5 Mrd. CHF) und 31 Nationalstrassen-Projekte (16 Mrd. CHF) werden gestrichen – Folge der ETH-Priorisierung und begrenzter Finanzierung.
  • Bahnausbau bis 2035: Viertelstundentakt Bern–Zürich, Halbstundentakte auf Kernstrecken; bis 2045 strategische Netzelemente wie Zimmerberg-Basistunnel II und Durchgangsbahnhof Luzern.
  • Nationalstrassen: Gezielte Engpass-Beseitigung (A1 Aarau-Ost bis Birrfeld, Genf-Umfahrung); Verzicht auf Expansion zugunsten betrieblicher Massnahmen.
  • 1,68 Mrd. CHF für 40 Agglomerationsprojekte (5. Generation); alle Investitionen zu 100 % nutzerfinanziert (NAF).

Kritische Fragen

  1. Datenqualität: Welche konkreten Kostensteigerungen beim Bahnausbau führten zur Neupriorisierung, und wie transparent sind die ETH-Bewertungskriterien für gestrichene Projekte dokumentiert?

  2. Interessenkonflikte: Wie wurden Kantone und Regionen mit gestrichenen Projekten in die Priorisierung einbezogen, und besteht das Risiko von Lobbying bei der parlamentarischen Behandlung?

  3. Kausalität: Ist die Fokussierung auf Engpass-Beseitigung (statt flächendeckender Ausbau) wissenschaftlich begründet, oder handelt es sich um eine Sparlogik, die langfristige Mobilitätsziele gefährdet?

  4. Verfassungsänderung: Wie wahrscheinlich ist die Annahme der Mehrwertsteuerpromille-Verlängerung (obligatorisches Referendum), und welche Szenarien existieren bei Ablehnung?

  5. Umsetzbarkeit: Sind die 9,46 Mrd. CHF für Betrieb und Unterhalt (2028–2031) ausreichend, um die Substanz der bestehenden Infrastruktur zu sichern, ohne Bauprojekte zu verzögern?

  6. Alternativen: Warum wurde das «Herzstück Basel» erst nach Planung verworfen – hätte eine frühere Machbarkeitsprüfung Kosten sparen können?

  7. Nebenwirkungen: Verstärkt die Streichung von 31 Nationalstrassen-Projekten den Druck auf kantonale Strassen und Ausweichverkehr in Agglomerationen?

  8. Zeitrahmen: Ist die Botschaft ans Parlament für Anfang 2027 realistisch, und wie lange dauert die parlamentarische Behandlung bis zur möglichen Abstimmung?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Bundesrat eröffnet Vernehmlassung zu «Verkehr '45» – news.admin.ch, 19.06.2026

Ergänzende Quellen:

  1. UVEK: Dossier Verkehr '45
  2. Faktenblätter (Website UVEK)
  3. Fachberichte der Verkehrsämter (BAV, ASTRA, ARE)

Verifizierungsstatus: ✓ 19.06.2026

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Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 19.06.2026