Kurzfassung

Der Hydrologe Tobias Wechsler von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat im Podcast «Durchblick» die aktuelle Trockenheit in der Schweiz eingeordnet. Seit dem Frühling 2026 liegen die Niederschläge im Mittelland deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, während die Temperaturen häufig über dem üblichen Wert liegen. Laut der nationalen Trockenheitsplattform des Bundes sind das gesamte Mittelland sowie die Regionen Jura und Basel von extremer Trockenheit betroffen. Sichtbar wird dies in trockenen Böden sowie tiefen Wasserständen von Gewässern und Grundwasser. Moderatorin des Gesprächs war Jasmin Wernli.

Personen

Themen

  • Trockenheit Schweiz
  • Wasserwirtschaft
  • Klimawandel
  • Hydrologie

Clarus Lead

Die Debatte um Wasserknappheit gewinnt an Brisanz, weil die Schweiz seit 2022 Trockenheit offiziell als Naturgefahr anerkennt, eine nationale Wasserstrategie sich aber erst im Anfangsstadium der Ausarbeitung befindet. Der Hydrologe der WSL verweist auf eine Häufung von Trockenperioden seit dem Hitzesommer 2003 – zuletzt 2015–2018, 2022–2023–2025 und nun 2026 – als Indiz für eine Intensivierung statt eines Einzelereignisses. Entscheidend für Politik und Wasserwirtschaft ist die saisonale Verschiebung: Klimasimulationen zeigen künftig weniger Abfluss im Sommer bei steigendem Wasserbedarf, dafür mehr Abfluss im Winter. Die Zuständigkeit für die Wasserverteilung liegt primär bei den Kantonen, was einheitliche Massnahmen erschwert.

Detaillierte Zusammenfassung

Wechsler unterscheidet zwischen meteorologischer, landwirtschaftlicher und hydrologischer Trockenheit, je nach Entstehung und Wirkung. Der aktuelle Trockenheitswert Ende Juni liegt statistisch in einem Bereich, der alle zwei bis alle zehn Jahre auftritt, teils auch seltener. Konkrete Folgen zeigen sich bereits: Alpbetriebe müssen Kühe wegen knappem Wasser und Futter früher als üblich in tiefere Lagen bringen. Schiffe auf dem Rhein transportieren wegen tiefer Pegel nur noch 30% bis 50% der üblichen Ladung. Einzelne Kernkraftwerke wurden zeitweise gedrosselt oder vom Netz genommen.

Bezüglich der Wasserherkunft nennt Wechsler für den Rhein im langjährigen Mittel 2% Anteil aus Gletscherschmelze, konzentriert auf den Sommer, 40% aus Schneeschmelze sowie rund 60% aus Niederschlägen. Schmelzwasser aus Gletschern und Schnee kann fehlende Niederschläge kompensieren – ein Puffer, der mit dem Klimawandel schrumpft. Steigt die Wassertemperatur bei sinkenden Mengen, begünstigt dies laut Wechsler Algenwachstum und höhere Bakterienkonzentrationen.

Die Metapher vom «Wasserschloss Europas» sei eine Selbstzuschreibung der Schweiz ohne offizielle Definition, so Wechsler; ob sie zutreffe, hänge von künftigem Handeln ab. Bei Wasserknappheit existiert bereits eine offizielle Priorisierung zwischen Landwirtschaft, Trinkwasser, Industrie und Stromproduktion. Die Überwachung, wer wann wie viel Wasser entnimmt, sei aber noch unzureichend gelöst – eine Lücke, die evidenzbasierte Massnahmen erschwert. Als strukturellen Vorteil nennt Wechsler den Alpenbogen, der Luftmassen zum Aufsteigen zwingt und dadurch orografischen Niederschlag begünstigt.

Kernaussagen

  • Die Trockenheit Ende Juni 2026 tritt statistisch alle zwei bis alle zehn Jahre auf, ist Teil einer Serie seit 2003.
  • Konkrete Folgen: frühere Alpabtriebe, reduzierte Rheinschifffahrt-Ladung, gedrosselte Kernkraftwerke.
  • Klimasimulationen zeigen saisonale Verschiebung: mehr Winterabfluss, weniger Sommerabfluss bei gleichzeitig höchstem Bedarf.
  • Eine nationale Wasserstrategie befindet sich erst im Anfangsstadium; Zuständigkeit liegt bei Kantonen.
  • Der Alpenbogen bleibt Niederschlagsvorteil, doch schrumpfende Gletscher und Schneedecke erhöhen die Abhängigkeit von Regen.

Kritische Fragen

  1. Wie belastbar sind die historischen Vergleichsdaten, auf denen die Einschätzung «alle zwei bis zehn Jahre» beruht?
  2. Welche Messnetze liefern die Grundlage der nationalen Trockenheitsplattform, und wie lückenlos ist die sektorale Wasserverbrauchserfassung?
  3. Inwiefern beeinflussen wirtschaftliche Interessen einzelner Sektoren die Priorisierung bei Wasserknappheit?
  4. Lässt sich die aktuelle Trockenheit eindeutig dem Klimawandel zuordnen, oder spielen natürliche Schwankungen ebenfalls eine Rolle?
  5. Welche Rolle könnten veränderte Landnutzung oder Bodenversiegelung bei den tiefen Pegelständen spielen?
  6. Welche konkreten Massnahmen soll die nationale Wasserstrategie enthalten, und bis wann wird sie erwartet?
  7. Welche Risiken entstehen, wenn die Wasserverteilung weiterhin primär kantonal statt national koordiniert bleibt?

Quellenverzeichnis

Primärquelle: Durchblick – der Wissenspodcast, Interview mit Tobias Wechsler (WSL) – https://audio.podigee-cdn.net/2552639-m-30be00014d3c5e7e4d6c1df3f5802a3e.mp3

Verifizierungsstatus: ✓ 26.07.2026

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Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 26.07.2026