Autor: Mara Bernath
Publikationsdatum: 01.01.2026
Quelle: Finanz und Wirtschaft (FuW)
Kurzfassung
2026 wird ein ereignisreiches Jahr für die Finanzmärkte und Geopolitik. Wichtige NATO-Gipfel, UN-Treffen zu Atomwaffenverträgen und nationale Wahlen in den USA, Ungarn, Israel und Brasilien prägen die Agenda. In der Schweiz entscheiden Stimmberechtigte über Individualbesteuerung, SRG-Gelder, einen Klimafonds und die Bargeld-Initiative. Zentralbanken halten an ihren festgelegten Sitzungsterminen fest, doch die künftige Geldpolitik bleibt offen – insbesondere die mögliche Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell könnte globale Finanzmärkte erheblich beeinflussen.
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Themen
- Geopolitische Termine und Gipfeltreffen
- Schweizer Abstimmungen
- Internationale Wahlen
- Geldpolitik und Zentralbanken
- Handelspolitik und Zölle
- Sicherheit und nukleare Abrüstung
Detaillierte Zusammenfassung
Geopolitische Agenda und Sicherheitsfragen
Die geopolitische Landschaft 2026 wird von mehreren Schlüsselterminen geprägt. Die Münchner Sicherheitskonferenz im Februar und der NATO-Gipfel im Juli stehen im Fokus militärischer Aufrüstung und der Ukraine-Unterstützung. Nach dem kontroversen Auftritt von US-Vizepräsident JD Vance in München im Vorjahr und der US-Sicherheitsstrategie vom November stellt sich die zentrale Frage, ob die USA ihren Sicherheitsverpflichtungen gegenüber NATO-Staaten weiterhin nachkommen werden.
Zwei UN-Treffen zu Atomwaffenverträgen sind ebenfalls geplant. Angesichts der angespannten geopolitischen Situation ist deren Ausgang für Investoren von grosser Bedeutung – es stellt sich die Frage, ob Fortschritte oder Rückschritte bei der nuklearen Abrüstung erreicht werden.
Sport als politisches Statement
Die Fussball-Weltmeisterschaft mit 48 teilnehmenden Nationalmannschaften findet 2026 in Mexiko, den USA und Kanada statt. Allerdings signalisiert die Trump-Administration mit hohen Zöllen gegen die Nachbarländer und Einreiseverboten für Bürger aus bestimmten Ländern nicht gerade Sportlichkeit. Es besteht das Risiko, dass Präsident Trump das Turnier zum Anlass nimmt, den mexikanisch-amerikanisch-kanadischen Freihandelsvertrag aus seiner ersten Amtszeit wieder aufzukündigen – dieser läuft Mitte 2026 aus.
Im Februar richtet Italien die Winterolympiade aus. Russische und belarussische Athleten dürfen teilnehmen, allerdings nur als „individuelle neutrale Athleten" ohne eigene Flagge – ein politisches Statement mit Symbolkraft.
Schweizer Abstimmungen und EU-Beziehungen
Nach den Winterspielen findet die erste eidgenössische Volksabstimmung 2026 statt. Die Schweizer Stimmberechtigten entscheiden über:
- Das Bundesgesetz zur Individualbesteuerung
- Die Kürzung der SRG-Gelder
- Die Einführung eines Klimafonds
- Die Bargeld-Initiative (Währungswechsel und digitale Währung)
Die Beziehung zur Europäischen Union bleibt wichtig, doch die sogenannten Bilateralen III kommen frühestens 2027 vors Volk. Der Bundesrat überweist eine entsprechende Botschaft voraussichtlich im März 2026 ans Parlament. Ein allfälliges Referendum könnte erst 2027 oder 2028 stattfinden, da die eidgenössischen Wahlen den Abstimmungstermin verzögern könnten.
Richtungsweisende Wahlen weltweit
Die US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 sind die meistbeachteten nationalen Wahlen. Sie entscheiden darüber, wie viel Macht Präsident Trump für seine verbleibenden zwei Amtsjahre haben wird. In Wahljahren sinkt zudem die Wahrscheinlichkeit eines Government-Shutdowns – positive Nachrichten für die US-Wirtschaft.
Die Wahlen in Ungarn im April sind richtungsweisend für die EU. Sollte Viktor Orbán und seine Fidesz-Partei abgestraft werden, könnte dies das Ende der ungarischen Blockadepolitik in Brüssel bedeuten.
Im Oktober 2026 entscheiden die Stimmberechtigten in Israel und Brasilien über die weitere Amtszeit von Benjamin Netanyahu beziehungsweise Luiz Inácio Lula da Silva.
Geldpolitik und Zentralbanken
Die Zentralbanken halten ihre Termine für 2026 bereits fest. Allerdings ist die Richtung der Geldpolitik noch offen. Der EZB-Rat lässt sich alle Optionen offen, während das US-Fed-Gremium gespalten ist, ob es die Zinsen weiter senken oder das derzeitige Niveau halten wird.
Ein entscheidender Punkt: Im Mai läuft die Amtszeit von Fed-Vorsitzendem Jerome Powell ab. Es wird damit gerechnet, dass Präsident Trump ihn durch eine Person ersetzt, die seine Ziele vorantreibt – nämlich Zinssenkungen unabhängig von makroökonomischen Daten. Sollte es Trump gelingen, die Geldpolitik zu seinem Vorteil zu beeinflussen, könnte der Verlust der Unabhängigkeit der Zentralbank weitreichende Folgen für die globalen Finanzmärkte haben.
Kernaussagen
- Die geopolitische Agenda 2026 wird von Sicherheitskonferenzen, NATO-Gipfeln und UN-Treffen zu Atomwaffenverträgen dominiert
- Die Fussball-Weltmeisterschaft und Winterolympiade haben politische Dimensionen, insbesondere bezüglich Handelskonflikte und Sanktionen
- In der Schweiz entscheiden Stimmberechtigte über vier wichtige Vorlagen (Individualbesteuerung, SRG, Klimafonds, Bargeld-Initiative)
- US-Zwischenwahlen im November sind entscheidend für Trumps restliche Amtszeit
- Die Wahl eines neuen Fed-Vorsitzenden könnte die globale Geldpolitik fundamental verändern und zu Lasten der Zentralbankunabhängigkeit gehen
- Regionale Wahlen in Ungarn, Israel und Brasilien könnten geopolitische Verschiebungen auslösen
Metadaten
Sprache: DeutschAutor: Mara Bernath
Publikationsdatum: 01.01.2026, 10:00 Uhr
Quelle: Finanz und Wirtschaft (FuW)
Original-URL: https://www.fuw.ch/finanzmaerkte-die-wichtigsten-termine-2026-229087614999
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