Kurzfassung
Der Podcast "Transalpin" diskutiert den wachsenden Einfluss dubioser US-amerikanischer Technologiekonzerne in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Mittelpunkt steht Palantir, ein Daten- und Überwachungskonzern unter der Führung von Alex Carp, dessen Europasitz in der Schweiz sitzt. Während die Schweiz das Unternehmen konsequent aus ihren Behörden ferngehalten hat, nutzen deutsche Bundesländer die Software bereits für polizeiliche Ermittlungen. Der Beitrag beleuchtet auch die Rolle von Peter Thiel, Multimilliardär und Mitgründer von Palantir, sowie Strategien zur digitalen Souveränität Europas.
Personen
- Alex Carp
- Peter Thiel
- Laura Rudarsch
- Lenz Jakobsen
- Mattis Daum
- Florian Gasser
- Elon Musk
- Emmanuel Macron
- Friedrich Merz
Themen
- US-amerikanische Technologiekonzerne in Europa
- Datenschutz und Überwachung
- Digitale Souveränität
- Polizeiliche Datenverarbeitung
- Kreuzworträtsel-Geschichte und Kultur
- Europäische Cloud-Infrastruktur
Detaillierte Zusammenfassung
Der Einfluss von Palantir
Palantir, ein Daten- und Überwachungskonzern, wird als eines der problematischsten Beispiele für US-amerikanische Tech-Dominanz in Europa dargestellt. Das Unternehmen ist in Drohnenangriffe, Geheimdienstaktivitäten und unter der Trump-Administration in die Jagd auf Migranten verwickelt. CEO Alex Carp hat öffentlich erklärt, er wolle "Amerika tödlicher machen" und betrachtet die europäische Migrationspolitik als "grössten Menschenrechtsbruch der Nachkriegszeit".
Der Peter-Thiel-Faktor: Mitgründer und grösster Anteilseigner ist Peter Thiel, ein deutschstämmiger, rechtsideologischer Multimilliardär, der sich selbst als Verschwörungstheoretiker outet und die Vereinbarkeit von Freiheit mit Demokratie ablehnt. Thiel ist zudem glühender Anhänger des französischen Philosophen René Girard.
Palantir in den deutschsprachigen Ländern
Schweiz: Trotz Ansiedlung des Europasitzes in Zürich ist es Palantir nicht gelungen, in die Schweizer Behörden einzudringen. Recherchen der Republik zeigen, dass Laura Rudarsch, ehemalige SPD-Bundesgeschäftsführerin und jetzt Executive Vice President von Palantir, wiederholt bei Schweizer Bundesämtern vorstellig wurde – alle Male ohne Erfolg. Begründung der Armee: "Palantir ist ein Unternehmen mit Sitz in den USA, bei dem die Möglichkeit besteht, dass sensible Daten durch die amerikanische Regierung eingesehen werden können."
Deutschland: Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen nutzen Palantir-Software für polizeiliche Ermittlungen. Die Software durchsucht Millionen von Datensätze in Sekunden und kombiniert verschiedene Datenquellen. Deutsche Datenschützer und Oppositionspolitiker laufen Sturm gegen diese Zusammenarbeit. SPD-Innenministerin Nancy Faeser stoppte 2023 die Einführung, doch ihr Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU) hat für weitere Expansion geworben und plant, Drittanbieter wie Palantir noch direkter in polizeiliche Ermittlungen einzubinden.
Österreich: Beim österreichischen Bundesheer testete die Schwarzplan-Regierung unter Sebastian Kurz Palantirs Analyse-Tool "Conan". Das Jagdkommando nutzte es sechs Monate kostenlos, angeblich ohne Internetanbindung und geheime Daten. Der Standard deckte auf, dass dies möglich war.
Österreich-Verbindung zu Thiel: An der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck hielt Peter Thiel im August 2024 ein privates Seminar mit dem Titel "Der Antikrist – eine vierteilige Vorlesung". Theologe Wolfgang Palaver moderierte die Diskussion. Thiel nutzte Innsbruck offenbar als Test-Rahmen für Positionen, die er später auf grosser Bühne in San Francisco präsentierte.
Digitale Abhängigkeit und Cloud-Infrastruktur
Die europäische Cloud-Situation ist paradox: Während die EU digitale Souveränität propagiert, wird die neue "European Sovereign Cloud" in Brandenburg von Amazon betrieben – unter der Leitung von Gründer Jeff Bezos, der Trump gesponsert und applaudiert hat. Der Digitalpolitik-Experte Markus Beckedahl nennt dies "Souveränitäts-Washing".
Schweiz: 340 Millionen Franken zahlt die Schweiz jährlich für Microsoft Office 365 Lizenzen. Parallel eröffnet Microsoft Rechenzentren rund um Wien – Österreich baut eine "AI Innovation Factory" von Microsoft.
Gegenbeispiele: Die Stadt Wien nutzt seit langem Open-Source-Software, das österreichische Wirtschaftsministerium nutzt NextCloud statt Microsoft, und Schleswig-Holstein plant einen kompletten Umstieg auf Open Source.
Payments und lokale Alternativen
PayPal, gegründet von Peter Thiel, dominiert in Deutschland. Die Schweiz hat mit Twint (gegründet von PostFinance) eine funktionierende nationale Alternative, während Vero eine europäische Lösung zu werden versucht – allerdings mit begrenzter Verfügbarkeit (Deutschland wird gerade geprüft). Der Onlinehandel wird in der Schweiz von Digitec Galaxus, nicht Amazon, dominiert.
Kreuzworträtsel-Geschichte
Das erste deutsche Kreuzworträtsel erschien 1925 in der Berliner illustrierten Zeitung. Die erste Frage lautete: "Deutschlands drückende Verpflichtung" – die Antwort war "Reparationen". In der Schweiz erschien zeitgleich das erste Rätsel im Tagesanzeiger. In Österreich liess sich das erste Rätsel schwer nachverfolgen, aber in der Arbeiterzeitung erschien 1949 das erste dokumentierte Exemplar.
Ärzte des 20. Jahrhunderts warnten vor "Crossword Widows" und behaupteten, Kreuzworträtsel machten kurzsichtig und erzeugten Neurosen. In Österreich war Tutti Müller-Bossart über 30 Jahre lang Chefrätsleatorin des Tagesanzeigers und setzte auf die schwierigere "um die Ecke gedacht"-Variante.
Die britische Times nannte Kreuzworträtsel "fünf Millionen Stunden täglich, verloren für eine sinnlose, leppische Sache".
Die Gebets-App "Hello"
Eine katholische Gebets-App namens "Hello" wird von Peter Thiel und J.D. Vance finanziert. Nutzer können gemeinsam mit prominenten Namen wie Gwen Stefani oder Mark Wahlberg beten. Problematisch: Der österreichische Motorsport-Moderator und Urenkel des letzten Kaisers, Ferdinand Habsburg, nutzt die App zur Bewerbung der Heiligsprechung von Kaiser Karl, der im Ersten Weltkrieg unter anderem Giftgas einsetzen liess.
Kernaussagen
- Palantir, gegründet von Peter Thiel, ist ein Musterbeispiel dubioser US-Tech-Dominanz in Europa, mit Verbindungen zu Drohnen, Geheimdienstaktivitäten und Trump-Administration
- Die Schweiz hat Palantir konsequent aus Behörden ferngehalten, während deutsche Bundesländer und Österreichs Armee die Software bereits testen oder nutzen
- Europäische "Souveränitäts-Clouds" werden von Amazon und Microsoft betrieben – ein Widerspruch, den Experten als "Souveränitäts-Washing" bezeichnen
- Kleine, praktische Alternativen wie Twint (Schweiz) zeigen, dass nationale Tech-Lösungen funktionieren können
- Peter Thiel investiert strategisch in verschiedenste Sektoren (PayPal, Palantir, Hello-App) und beeinflusst Diskurse auch in Europa
- Kreuzworträtsel sind kulturelle Kontinuitäten, die 1925 in Deutschland mit einer politischen Frage zur Reparationsfrage begannen
Metadaten
Sprache: DeutschTranscript ID: 168
Dateiname: default.mp3
Original-URL: https://zeitonline.simplecastaudio.com/5c4ef034-52ef-432d-99e8-c0f3785b3a9d/episodes/93b4601f-594c-47ef-a64e-554b0d9d4a4c/audio/128/default.mp3
Erstellungsdatum: 2026-01-24 12:20:24
Textlänge: 61590 Zeichen