Kurzfassung

Die Schweiz sicherte ihre Stromversorgung im Winter 2025/26 trotz des Ausfalls des Kernkraftwerks Gösgen durch Netto-Importe von 6,8 TWh – etwa ein Fünftel des Winterbedarfs – ab. Die Wasserkraftproduktion lag unter dem Niveau der Vorjahre. Der Spotmarktpreis betrug durchschnittlich 120 EUR/MWh. Für den kommenden Winter entstehen durch den Iran-Krieg und die Blockade der Strasse von Hormus Unsicherheiten bei der Gasversorgung und damit bei der Stromverfügbarkeit. Die Elcom warnt vor Unterhaltsstau im Übertragungsnetz und fordert rechtliche Vereinfachungen.

Personen

  • Elcom (Eidgenössische Elektrizitätskommission; Aufsichtsbehörde)

Themen

  • Stromversorgungssicherheit
  • Kernenergie und Energiewende
  • Internationale Stromimporte
  • Geopolitische Energierisiken
  • Netzinfrastruktur

Clarus Lead

Die Schweiz steht vor einem kritischen Versorgungsproblem im Winter 2026/27: Während die aktuelle Marktpreisstruktur noch keine physische Stromknappheit signalisiert, könnte eine Kombination aus verlängerter Hormus-Blockade, unzureichend gefüllten europäischen Gasspeichern und kaltem Wetter mit niedriger Windkraft ein Extremszenario auslösen. Anders als in der Krise 2021/22 verfügt Europa heute über grössere LNG-Kapazitäten und Frankreich über hohe Kernkraftproduktion – doch diese Puffer reichen möglicherweise nicht aus. Parallel verschärft sich die mittelfristige Infrastruktur-Krise: 60% der Strommasten sind 50–80 Jahre alt und benötigen Erneuerung; ohne beschleunigte Genehmigungsverfahren droht ein Engpass beim Netzausbau.

Detaillierte Zusammenfassung

Winterbilanz 2025/26 und Importabhängigkeit

Das Kernkraftwerk Gösgen deckt normalerweise 13% des Winterverbrauchs. Sein Ausfall bis März 2026 zog eine beispiellose Importabhängigkeit nach sich: 6,8 TWh Netto-Importe entsprechen etwa einem Fünftel des saisonalen Landesbedarfs. Diese wurden überwiegend aus Frankreich bezogen, wo hohe Kernkraftproduktion Überschüsse erzeugte und das Marktpreisniveau dämpfte. Die Wasserkraftproduktion erreichte zwar die langjährige Norm, blieb aber deutlich unter den Niveaus von 2023/24 und 2024/25, was den Importbedarf zusätzlich erhöhte. Technische oder regulatorische Beschränkungen der Importkapazitäten existierten nicht – ein Glücksfall, der die Versorgung stabilisierte.

Geopolitische Risiken für Winter 2026/27

Der Iran-Krieg und die Hormus-Blockade seit März 2026 haben Flüssiggas-Preise spürbar angetrieben und die europäischen Gaslager auf relativ tiefe Füllstände gedrückt. Die Marktpreisstruktur zeigt ein inverses Bild: kurzfristige Gaslieferungen sind teurer als Winterverträge – ein Anreiz gegen Vorsorgekäufe. Sollten die europäischen Gasspeicher bis Herbst nicht ausreichend gefüllt werden, könnten Gaskraftwerke im Winter zum Engpass werden. Ein Extremszenario kombiniert verlängerte Hormus-Blockade, mangelnde Speicherfüllung, anhaltend tiefe Temperaturen und geringe Windkraftproduktion – das würde Gasverbrauch und Strompreis in die Höhe treiben und gleichzeitig Gaskraftwerk-Verfügbarkeit reduzieren.

Netzinfrastruktur und Lerneffekte aus dem iberischen Blackout

Die Elcom fordert Beschleunigung beim Unterhalt der rund 12'000 Strommasten: 60% sind zwischen 50 und 80 Jahre alt. Der sogenannte «Netzexpress» soll Genehmigungsverfahren vereinfachen – durch einen «Freileitungsgrundsatz» und ein «Verschlechterungsverbot», das bestehende Trassen ohne neue Hürden nutzbar macht. Der Blackout auf der iberischen Halbinsel im April 2025 zeigte, dass Spannungshaltung, Schwarzstartfähigkeit und Netzwiederaufbau zentral sind. Die Schweiz ist durch ihren Produktionsmix und ihre geografische Lage weniger vulnerabel, doch die Erkenntnisse müssen in europäische Netzstandards einfliessen.

Kernaussagen

  • Stromversorgung Winter 2025/26 gesichert durch Rekord-Importe (6,8 TWh), aber mit hoher Abhängigkeit von französischer Kernkraft und fehlenden technischen Engpässen
  • Iran-Krieg und Hormus-Blockade erzeugen Unsicherheit bei Gasversorgung und damit bei Stromverfügbarkeit für Winter 2026/27; Extremszenario möglich, aber nicht wahrscheinlich
  • Mittelfristige Infrastruktur-Krise: Stromübertragungsnetz überaltert (60% der Masten 50–80 Jahre alt); Netzexpress-Reformen notwendig zur Beschleunigung von Erneuerung

Kritische Fragen

  1. Evidenz/Datenqualität: Wie robust sind die Prognosen zur Wiederbefüllung europäischer Gaslager bis Winter 2026/27? Welche Annahmen zu Hormus-Blockadedauer liegen den Szenarien zugrunde?

  2. Interessenkonflikte/Unabhängigkeit: Inwiefern beeinflusst die französische Kernkraftproduktion die Elcom-Risikoeinschätzung? Sind Abhängigkeitsstrukturen in der Analyse ausreichend thematisiert?

  3. Kausalität/Alternativen: Könnte der Ausbau erneuerbarer Energien schneller als geplant Gasabhängigkeit reduzieren? Welche alternativen Importquellen (norwegische Wasserkraft, Windkraft) werden geprüft?

  4. Umsetzbarkeit/Risiken: Wie realistisch ist die Beschleunigung von Netzunterhalt durch «Netzexpress»? Welche Umwelt- oder Planungshürden könnten Verzögerungen verursachen?

  5. Datenqualität – Historische Vergleichbarkeit: Sind die Spotmarktpreise (120 EUR/MWh) direkt mit 2021/22-Krisenwerten vergleichbar, oder unterscheiden sich Marktstrukturen?

  6. Szenariorobustheit: Das Extremszenario kombiniert drei gleichzeitige Schocks (Blockade, Speicher, Wetter). Wie wahrscheinlich ist diese Kombination statistisch?

  7. Regulatorisches Risiko: Welche EU-Entscheidungen zur LNG-Infrastruktur oder Strommarktdesign könnten Schweizer Versorgungssicherheit gefährden?

  8. Netzstabilität post-Blackout: Wurden konkrete Massnahmen zur Spannungshaltung und Schwarzstartfähigkeit in der Schweiz eingeleitet, oder bleiben diese auf Studienebene?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) – Rück- und Ausblick zur Stromversorgungssicherheit 2026 – https://www.news.admin.ch/de/newnsb/pmdramXPsQ6lVTQ7o2xT-

Ergänzende Quellen:

  1. ENTSO-E – Schlussbericht Blackout iberische Halbinsel (April 2025), veröffentlicht 20. März 2026
  2. Swissgrid – Stromübertragungsnetz Schweiz (Infrastrukturstatus)

Verifizierungsstatus: ✓ 07.05.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 07.05.2026