Kurzfassung
Forschende der ETH Zürich und der Empa haben ein innovatives Verfahren entwickelt, das Sägemehl mittels eines Minerals und eines Melonen-Enzyms in schwer entflammbare Baustoffe umwandelt. Das neue Komposit bietet überlegenen Brandschutz, ist deutlich leichter als zementgebundene Alternativen und vollständig recycelbar. Das Material könnte Millionen Tonnen jährlich anfallender Sägemehl-Abfälle in den Materialkreislauf zurückführen und damit Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft verbinden.
Personen
- Ronny Kürsteiner (Doktorand, Entwickler des Verfahrens)
- Ingo Burgert (Professor für holzbasierte Materialien)
Themen
- Brandschutz & Baumaterialien
- Kreislaufwirtschaft & Abfallverwertung
- Holzwerkstoffe & Materialwissenschaft
- Enzymatische Kristallisation
- Nachhaltige Baustoffproduktion
Clarus Lead
Forschende an der ETH Zürich und Empa haben ein Verfahren entwickelt, das Sägemehl mit dem Mineral Struvit zu schwer entflammbaren Kompositen verarbeitet. Ein aus Wassermelonen-Kernen gewonnenes Enzym steuert die Kristallisation und verbindet die Sägemehl-Partikel dauerhaft. Das Material zündet erst nach über 45 Sekunden, während unbehandeltes Holz bereits nach 15 Sekunden brennt – und lässt sich am Ende seines Lebenszyklus vollständig recyceln.
Detaillierte Zusammenfassung
Weltweit entstehen jährlich Millionen Tonnen Sägemehl, das überwiegend verbrannt wird und dabei gespeichertes Kohlendioxid freisetzt. Das neue Struvit-Sägemehl-Komposit hält diesen Rohstoff länger im Materialkreislauf. Die zentrale Innovation liegt in der Verwendung eines Enzyms aus Melonen-Kernen, das die Kristallisation des Minerals Struvit (Ammoniummagnesiumphosphat) kontrolliert und grosse Kristalle entstehen lässt, die die Hohlräume zwischen Sägemehl-Partikeln ausfüllen und diese fest verbinden.
Das Material wird zwei Tage verpresst, dann bei Raumtemperatur getrocknet. Es ist druckstabiler als unbehandeltes Fichtenholz und eignet sich besonders für den Innenausbau. Unter Hitze zersetzt sich Struvit und setzt Wasserdampf und Ammoniak frei – ein endothermer Prozess, der Wärme aufnimmt und kühlend wirkt. Die freigesetzten nicht brennbaren Gase verdrängen Luft und verhindern Feuerausbreitung. Im standardisierten Kegelkalorimeter-Test zündete das Komposit erst nach über 45 Sekunden, danach bildete sich schnell eine Schutzschicht aus anorganischem Material und Kohlenstoff.
Die Struvit-Platten bestehen nur zu 40 Prozent aus Bindemittel und sind damit deutlich leichter als zementgebundene Spanplatten (60–70 % Zement). Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass das Material die gleiche Brandschutzklasse erreicht wie herkömmliche Zement-Spanplatten – dies muss jedoch noch durch grössere Flammschutzexperimente bestätigt werden.
Ein entscheidender Vorteil: Das Material ist vollständig recycelbar. Durch mechanisches Aufbrechen, Erhitzen auf über 100 °C und Siebung können Sägemehl und mineralische Komponenten zurückgewonnen werden. Das Mineral Newberyit (Ausgangsstoff für Struvit) wird erneut ausgefällt und kann mit neuem Sägemehl zu Kompositen verarbeitet werden. Zudem wirkt das Material als natürlicher Langzeitdünger in der Landwirtschaft.
Kernaussagen
Enzymatische Kontrolle: Ein Melonen-Kern-Enzym ermöglicht erstmals die stabile Verbindung von Sägemehl mit Struvit durch kontrollierte Kristallisation.
Überlegener Brandschutz: Das Komposit zündet dreimal später als unbehandeltes Holz und bildet selbstschützende Verkohlung durch endotherme Mineralzersetzung.
Leichtere Alternative: Mit nur 40 % Bindemittel ist das Material deutlich leichter und klimafreundlicher als zementgebundene Spanplatten (60–70 % Zement).
Vollständige Kreislauffähigkeit: Material kann mechanisch und thermisch in Ausgangsstoffe zerlegt und unbegrenzt recycelt werden – im Gegensatz zu Zement-Spanplatten auf der Sondermülldeponie.
Doppelte Ressourcennutzung: Sägemehl bleibt länger im Kreislauf; Struvit aus Kläranlagen könnte als zusätzliche Rohstoffquelle erschlossen werden.
Kritische Fragen
Evidenz/Datenqualität: Die Brandschutzklasse basiert auf „ersten Schätzungen" – wann werden die angekündigten grösseren Flammschutzexperimente durchgeführt und veröffentlicht, um die Gleichwertigkeit zu zementgebundenen Spanplatten zu bestätigen?
Skalierbarkeit & Kostenfaktor: Der Text nennt Struvit als „verhältnismässig teuer" im Vergleich zu Polymer-Bindemitteln und Zement – welche konkreten Kostenszenarien liegen vor, und ab welcher Produktionsmenge wird das Material wirtschaftlich wettbewerbsfähig?
Verfügbarkeit des Enzyms: Wie gross ist die verfügbare Menge an Melonen-Kern-Enzymen weltweit, und könnte eine Skalierung auf industrielle Mengen zu Engpässen oder neuen Abhängigkeiten führen?
Recycling-Effizienz in der Praxis: Der beschriebene Recyclingprozess erfolgt unter kontrollierten Laborbedingungen – wie hoch ist die praktische Rückgewinnungsquote bei gemischten Bauabfällen, und welche Verunreinigungen könnten den Prozess beeinträchtigen?
Interessenskonflikte & Marktpositionierung: Welche Patente halten ETH Zürich und Empa, und gibt es bereits Lizenzvereinbarungen mit Baustoff-Herstellern, die Zement-Spanplatten produzieren und damit Konkurrenzinteressen haben?
Langzeitverhalten & Feuchtigkeitsresistenz: Wie verhält sich das Material gegenüber Feuchtigkeitsaufnahme und Quellverformung über mehrere Jahre, insbesondere in feuchten Innenräumen?
Ammoniakfreisetzung & Innenraumluftqualität: Welche Ammoniakkonzentrationen entstehen beim Brandfall oder bei Beschädigungen, und entsprechen diese den Grenzwerten für Innenraumluft?
Alternative Binderstoffe: Wurden andere minerale Binderstoffe (z. B. Magnesiumoxide, Geopolymere) mit ähnlichen Enzymen getestet, und warum ist Struvit die optimale Lösung?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: Schwer entflammbare Holzwerkstoffe dank Melonen-Enzymen – Medienmitteilung ETH Zürich/Empa – https://www.news.admin.ch/de/newnsb/OQrHm2uHX9j_TpbynLKoy (19. März 2026)
Verifizierungsstatus: ✓ 19. März 2026
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 19. März 2026