Kurzfassung

Die Schweiz hat 2025 Kriegsmaterial im Wert von CHF 948,2 Millionen in 64 Länder exportiert – ein Anstieg um knapp 43 Prozent gegenüber 2024. Deutschland ist mit CHF 386,4 Millionen grösster Abnehmer, gefolgt von USA, Ungarn, Italien und Luxemburg. Der Schwerpunkt liegt auf Munition (43 Prozent) und gepanzerten Fahrzeugen (24 Prozent). 91 Prozent der Exporte gingen an Länder mit strengen internationalen Exportkontrollstandards. Das Parlament hat im Dezember 2025 das Kriegsmaterialgesetz angepasst, um dem Bundesrat mehr Flexibilität bei Exporten in Konfliktregionen zu gewähren.

Personen

Themen

  • Rüstungsexporte und Exportkontrolle
  • Neutralitätspolitik der Schweiz
  • Ukraine-Konflikt und Nahost-Eskalation
  • Kriegsmaterialgesetzgebung
  • Internationale Exportkontrollregime

Clarus Lead

Schweizer Unternehmen haben 2025 trotz geopolitischer Spannungen massiv mehr Kriegsmaterial exportiert. Der Anstieg um 43 Prozent auf knapp 950 Millionen Franken übersteigt deutlich das allgemeine Warenausfuhr-Wachstum von 17 Prozent und signalisiert steigende Nachfrage aus NATO-Ländern. Deutschland dominiert als Abnehmer mit über 40 Prozent der Exporte. Gleichzeitig verschärft sich die politische Debatte: Das Parlament hat das Kriegsmaterialgesetz reformiert, um dem Bundesrat Spielraum für Exporte in Konfliktländer zu geben – unter Berufung auf Neutralitätsrecht und nationale Interessen. Die Referendumsfrist läuft bis 17. April 2026.

Detaillierte Zusammenfassung

Die Steigerung der Kriegsmaterialausfuhren um CHF 283,5 Millionen (von 664,7 auf 948,2 Millionen) deutet auf strukturelle Verschiebungen in der europäischen Rüstungsnachfrage hin. Der Fokus auf Deutschland, USA und Ungarn spiegelt NATO-Aufrüstung wider. Besonders relevant sind die Lieferungen von Munitionskomponenten (CHF 215 Millionen) und gepanzerten Fahrzeugen nach Deutschland (CHF 124,8 Millionen) – Kategorien, die unmittelbar mit europäischen Sicherheitsbedenken zusammenhängen.

Die geografische Verteilung zeigt Verschiebungen: Europa-Exporte stiegen von 81 auf 86 Prozent, während Asien-Lieferungen von 6,4 auf 3,3 Prozent sanken. Dies unterstreicht die Umorientierung hin zu westlichen Verbündeten. Dass 91 Prozent an Länder des Anhangs 2 der Kriegsmaterialverordnung gingen – Staaten mit vier internationalen Exportkontrollverpflichtungen – soll Kontrollstandards gewährleisten, wird aber angesichts der Gesamtvolumina kontrovers diskutiert.

Die parlamentarische Gesetzesänderung vom Dezember 2025 markiert einen Wendepunkt: Der Bundesrat erhält Flexibilität bei der Anwendung des Neutralitätsrechts und kann künftig Exporte in Konfliktländer genehmigen, wenn „ausserordentliche Umstände" und Schweizer Interessen dies rechtfertigen. Dies zielt direkt auf die Ukraine-Situation ab, wo die Schweiz bislang Weitergaben von Schweizer Kriegsmaterial ablehnt. Parallel bleibt ein de-facto-Embargo gegenüber dem Iran und Israel bestehen.

Kernaussagen

  • Massive Steigerung: Kriegsmaterialexporte stiegen 2025 um 43 Prozent auf CHF 948,2 Millionen; Deutschland ist mit CHF 386,4 Millionen Hauptabnehmer
  • Produktmix: Munition und Komponenten (43 Prozent) sowie gepanzerte Fahrzeuge (24 Prozent) dominieren; Exporte konzentrieren sich auf NATO-Länder und Partner
  • Rechtliche Neuausrichtung: Parlamentarische Reform ermöglicht dem Bundesrat Abweichungen von Exportverboten in Konfliktländern unter Berufung auf Neutralitätsrecht und nationale Interessen
  • Kontrollstandards: 91 Prozent gingen an Länder mit internationalen Exportkontrollverpflichtungen; Bedenken bezüglich Gesamtvolumina bleiben
  • Referendumsmöglichkeit: Bis 17. April 2026 können Bürger gegen die Gesetzesänderung das Referendum ergreifen

Kritische Fragen

  1. Datenqualität: Wie wird die 43-Prozent-Steigerung begründet – resultiert sie aus erhöhten Bestellvolumina oder aus Bewilligungen für Projekte, die 2024 noch ausstanden? Welche Zeitverzögerungen existieren zwischen Bewilligung und Ausfuhr?

  2. Interessenskonflikte: Inwiefern beeinflussen wirtschaftliche Interessen Schweizer Rüstungsunternehmen und deren Verbände die Lobbying für liberalere Exportregeln? Gibt es Transparenzpflichten für Spenden an Parteien, die die Gesetzesänderung unterstützten?

  3. Neutralitätsinterpretation: Die neue Formulierung „ausserordentliche Umstände" und „Interessen der Schweiz" ist vage. Wer definiert diese Kriterien konkret, und wie wird verhindert, dass Geopolitik die Neutralität aushöhlt? Unterscheidet sich die Schweizer Interpretation vom Neutralitätsrecht anderer Länder?

  4. Ukraine-Spezifik: Warum werden Komponenten (unter 50-Prozent-Herstellungskostenanteil) vom Embargo ausgenommen? Könnte dies als Umgehungsmechanismus fungieren, um indirekt Rüstungsgüter in die Ukraine zu liefern?

  5. Nahost-Konsistenz: Seit 28. Februar 2026 werden USA-Exporte weder genehmigt noch abgelehnt. Wie lange kann dieser Status quo bestehen, und welche Kriterien führen zu einer Entscheidung? Widerspricht das Zuwarten der Forderung nach „Zurückhaltung"?

  6. Kontrollumsetzung: Wie wird überwacht, dass Kriegsmaterial, das an Deutschland oder andere NATO-Partner geht, nicht in Drittländer weitergeleitet wird? Welche Sanktionen drohen bei Verstössen?

  7. Parlamentarische Kontrolle: Erhält das Parlament Echtzeit-Informationen über Bewilligungen unter den neuen Kriterien, oder erfolgt Transparenz erst im Jahresbericht? Ist eine Veto-Option für das Parlament vorgesehen?

  8. Referendum-Chancen: Welche Organisationen arbeiten an der Referendumssammlung? Wie wahrscheinlich ist eine erfolgreiche Unterschriftensammlung bis 17. April 2026?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Ausfuhr von Kriegsmaterial im Jahr 2025 – Medienmitteilung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) vom 10. März 2026 https://www.news.admin.ch/de/newnsb/TH6DWe30NGhy7ClVBW22P

Ergänzende Quellen:

  1. Jahresbericht 2025: Die Exportkontrolle im Bereich Small Arms and Light Weapons (SALW) unter der Kriegsmaterialgesetzgebung (PDF)
  2. Ausfuhr Kriegsmaterial 2025 – Detaillierte Statistik (PDF)

Verifizierungsstatus: ✓ 10.03.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 10.03.2026