Kurzfassung
Eine neue Empa-Studie im Rahmen des EU-Projekts IRISS zeigt, dass der ganzheitliche Innovationsansatz «Safe and Sustainable by Design» (SSbD) zu 64 Prozent bereits mit zentralen europäischen Umweltverordnungen übereinstimmt. Die Analyse untersuchte 15 relevante EU-Verordnungen branchenübergreifend und identifizierte besonders hohe Übereinstimmungen bei Batterien-, Rohstoff- und Verpackungsverordnungen. Der Forschungsbericht wurde am 9. April 2026 in St. Gallen veröffentlicht und zeigt, dass SSbD Unternehmen hilft, regulatorische Anforderungen frühzeitig zu erfüllen.
Personen
- Akshat Sudheshwar (Studienautor, Empa)
Themen
- Safe and Sustainable by Design (SSbD)
- Europäische Regulierung
- Produktinnovation und Nachhaltigkeit
- Chemikalienmanagement
Clarus Lead
Für europäische Unternehmen entsteht durch SSbD kein zusätzliches regulatorisches Risiko – im Gegenteil. Die Studie widerlegt die verbreitete Befürchtung, dass der ganzheitliche Ansatz zu Mehrbelastung führt. Stattdessen zeigt sich: Wer SSbD-Prinzipien früh in der Entwicklung anwendet, vermeidet teure Fehlentwicklungen, Verbote und Sanierungen später. Dies wird besonders relevant, da die EU-Kommission SSbD zunehmend in neue Verordnungen integriert und damit zum De-facto-Standard für sichere Innovation macht.
Detaillierte Zusammenfassung
Das internationale Forschungsteam unter Leitung der Empa systematisierte zunächst jene 15 EU-Verordnungen, die für die europäische Industrie entlang der gesamten Wertschöpfungskette zentral sind – darunter die Chemikalienverordnung und die Batterieverordnung. Anschliessend prüften die Forschenden, inwieweit diese Verordnungen bereits SSbD-Anforderungen wie Sicherheitsbewertungen, messbare Kriterien (Recyclingquoten, Grenzwerte) und vorgeschriebene Methoden (Lebenszyklusanalysen, Ökotoxizitätstests) enthalten. Das Ergebnis wurde in einer Heatmap visualisiert.
Die Analyse offenbarte eine hohe Kongruenz: 64 Prozent der untersuchten Verordnungen decken sich mit SSbD-Anforderungen. Dies bedeutet, dass Unternehmen Daten und Bewertungen, die sie ohnehin für regulatorische Konformität benötigen, durch SSbD-Prozesse bereits in der Entwicklungsphase erheben. Besonders stark ist die Übereinstimmung bei Batterien-, kritischen Rohstoffen-, Verpackungsverordnungen und der Abfallrahmenrichtlinie.
Das Fallbeispiel PFAS verdeutlicht den Wert dieses Ansatzes: Die Risiken der «Ewigkeitschemikalien» waren bei ihrer Markteinführung bekannt, wurden aber jahrzehntelang ignoriert. Heute trägt die Gesellschaft die Kosten für Umweltkontamination und Gesundheitsfolgen. Ein SSbD-Ansatz hätte diese Risiken frühzeitig adressierbar gemacht – nach dem EU-Prinzip «fail early and fail cheap». Die Studie erkennt jedoch auch Grenzen an: Bei der Bewertung von Biodiversitätsauswirkungen fehlen verlässliche Daten, toxikologische Informationen und robuste Methoden. Der SSbD-Rahmen ist jedoch ausdrücklich adaptiv und kann sich an neue wissenschaftliche Standards anpassen.
Kernaussagen
- 64 Prozent Regulatorische Übereinstimmung: SSbD-Anforderungen sind bereits in zwei Dritteln der relevanten EU-Verordnungen verankert, nicht zusätzlich zu ihnen.
- Frühzeitige Kostenersparnis: Investitionen in sichere und nachhaltige Entwicklung in frühen Phasen vermeiden später teure Verbote, Sanierungen und Marktanpassungen.
- Strategischer Wettbewerbsvorteil: Unternehmen, die SSbD-Rahmen nutzen, stärken langfristig Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Umweltschutz gleichzeitig.
Kritische Fragen
Datenqualität und Validität: Die Studie analysiert 15 EU-Verordnungen – wie repräsentativ ist diese Auswahl für die gesamte europäische Regulierungslandschaft, insbesondere für Sektoren ausserhalb der untersuchten Branchen?
Interessenskonflikte: Empa ist eine öffentliche Forschungsinstitution mit Nähe zu Industrie und Politik – wie könnte ein institutionelles Interesse an der Förderung von SSbD die Interpretation der Ergebnisse beeinflusst haben?
Kausalität und Alternativhypothesen: Führt SSbD tatsächlich zu Kostenersparnis, oder profitieren bereits innovationsstarke Unternehmen von beiden (SSbD und Compliance)? Könnte der Effekt auch durch andere Faktoren wie Unternehmenskultur erklärt werden?
Umsetzungsrisiken: Die Studie nennt fehlende Methoden bei Biodiversitätsbewertung – wie viele weitere «blinde Flecken» im SSbD-Rahmen könnten erst in der praktischen Anwendung offenbar werden, und wer trägt dann das finanzielle Risiko?
Politische Anreize: Der Artikel fordert «regulatorische Erleichterungen» und «Patentverlängerungen» für SSbD-Anwender – wer finanziert diese Anreize, und könnten sie zu Wettbewerbsverzerrungen führen?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: Safe and Sustainable by Design: Warum sich sichere und nachhaltige Innovationen für Unternehmen auszahlen – news.admin.ch, 09.04.2026
Wissenschaftliche Publikation: Sudheshwar, A. et al. (2025). Safe and Sustainable-by-Design under the European Green Deal—regulatory readiness or pressure for companies? Integrated Environmental Assessment and Management. https://doi.org/10.1093/inteam/vjaf188
Kontakt: Akshat Sudheshwar, Empa Technology and Society, [email protected]
Verifizierungsstatus: ✓ 09.04.2026
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 09.04.2026