Kurzfassung
Der Systemwechsel bei der psychologischen Psychotherapie in der Schweiz (seit 1. Juli 2022) wird von Patienten und Fachpersonen überwiegend als gelungen beurteilt. Die Anordnungspraxis funktioniert gut, der Zugang zur Therapie hat sich tendenziell verbessert. Allerdings sind die Kosten zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) in drei Jahren von 528 Millionen Franken (2021) auf 922 Millionen Franken (2024) gestiegen – ein Anstieg von 75 Prozent. Der Bundesrat hat diese Evaluation am 24. Juni 2026 zur Kenntnis genommen und will das Kostenmonitoring fortführen.
Personen
- Bundesrat (kollektiv)
Themen
- Gesundheitspolitik
- Psychische Gesundheit
- Krankenversicherung
- Kosten im Gesundheitswesen
Clarus Lead
Der massive Kostenanstieg stellt Entscheidungsträger vor ein Dilemma: Das neue Anordnungsmodell hat nachweislich den Zugang zur psychologischen Therapie verbessert und wird von Fachpersonen akzeptiert – doch die Finanzierbarkeit gerät unter Druck. Mit knapp 45 Prozent des Kostenwachstums lassen sich nicht direkt beobachtbaren Faktoren zuordnen (etwa Verlagerung aus Zusatzversicherungen), was auf versteckte Nachfrageeffekte hindeutet. Der Bundesrat reagiert defensiv mit verstärktem Monitoring statt mit strukturellen Massnahmen – ein Signal, dass Kostenkontrolle und Leistungsverbesserung in Konflikt geraten.
Detaillierte Zusammenfassung
Vor dem Systemwechsel (bis Juni 2022) waren psychologische Psychotherapeuten entweder unter ärztlicher Aufsicht tätig (Delegationsmodell) oder arbeiteten privat im Zusatzversicherungs- und Selbstzahlerbereich. Das neue Anordnungsmodell ermöglicht es ihnen, auf ärztliche Anordnung hin selbstständig und direkt zulasten der OKP tätig zu sein. Ziel war, Zugang zu verbessern und Qualität zu sichern.
Die 2025 durchgeführte Evaluation basiert auf Befragungen von Therapeuten, Psychiatern, Hausärzten und Patienten. Ergebnisse: Die Anordnungspraxis hat sich etabliert, die Zahl zugelassener Therapeuten ist deutlich gestiegen. Allerdings bleiben Wartezeiten lang, besonders im Kinder- und Jugendbereich und in ländlichen Regionen. Der Fachärztemangel und steigende Inanspruchnahme erschweren die Versorgungssituation zusätzlich.
Zur Kostenexplosion: Rund 30 Prozent des Wachstums resultieren aus höheren Tarifen, knapp 25 Prozent aus langfristigem Trend zur steigenden Nachfrage und Bevölkerungswachstum. Die verbleibenden 45 Prozent entstehen durch nicht direkt messbare Faktoren – primär die Verschiebung von privat bezahlten und zusatzversicherten Leistungen in die OKP. Der Evaluationsbericht identifiziert Optimierungspotenzial bei Kostengutsprachen und psychiatrischen Fallbeurteilungen bei längeren Therapien.
Kernaussagen
- Der Systemwechsel wird von Fachpersonen und Patienten überwiegend als erfolgreich bewertet; die Anordnungspraxis funktioniert etabliert.
- Die OKP-Kosten sind in drei Jahren um 394 Millionen Franken (75 %) gestiegen; fast die Hälfte des Anstiegs lässt sich nicht direkt erklären.
- Wartezeiten bleiben lang, besonders für Kinder/Jugendliche und in ländlichen Gebieten; der Fachärztemangel bleibt ein strukturelles Problem.
Kritische Fragen
Datenqualität: Wie repräsentativ sind die Befragungen der Evaluation? Welche Stichprobengrösse und Rücklaufquoten wurden erreicht, und wie wurden Selektionsbias ausgeschlossen?
Kausalität des Kostenanstiegs: Die 45 Prozent "nicht direkt beobachtbarer Faktoren" sind eine Residualkategorie. Welche konkreten Mechanismen werden vermutet (z. B. Überdiagnose, Anreizeffekte durch Anordnungsmodell, Nachholeffekt)?
Interessenskonflikte: Inwieweit haben Psychotherapeuten, deren Einkommen durch das neue Modell gestiegen ist, die Evaluation beeinflusst? Wurden unabhängige externe Evaluatoren eingesetzt?
Umsetzbarkeit von Kontrollen: Der Bericht nennt "Optimierungspotenzial" bei Kostengutsprachen. Welche konkreten Massnahmen plant der Bundesrat, und wie werden diese die Versorgungsqualität nicht gefährden?
Versorgungsgerechtigkeit: Während Wartezeiten in ländlichen Regionen lang bleiben, sind die Kosten zentral gestiegen. Wie plant der Bundesrat, die regionalen Disparitäten zu beheben, ohne neue Kosten zu treiben?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: Bundesrat – Evaluation psychologische Psychotherapie: Systemwechsel erfolgreich, Kostenanstieg beobachtet – https://www.news.admin.ch/de/newnsb/InNuMMG44_5LuF8ztcpg3
Verifizierungsstatus: ✓ 24.06.2026
Weitere Sprachen: Französisch | Englisch
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 24.06.2026