Kurzfassung

Forschende der Empa haben im Rahmen eines Innosuisse-Projekts mit der Firma TI Solutions neuartige Polymer-Kabel entwickelt, die in Magnetresonanztomographen (MRT) sicher funktionieren. Die Kabel bestehen aus Polymerfasern mit einer hauchdünnen Beschichtung aus Silber und Titan statt aus traditionellem Kupfer. Dies ermöglicht erstmals die sichere Kombination von MRT mit diagnostischen Verfahren wie EKG, EEG oder Hirnstimulation, ohne Störungen oder Überhitzungsrisiken.

Personen

Themen

  • Medizintechnik und Bildgebung
  • Materialwissenschaften und Polymertechnologie
  • MRT-Kompatibilität
  • Hirnstimulation und Neurodiagnostik
  • Innovationsprojekte

Detaillierte Zusammenfassung

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein hochmodernes Bildgebungsverfahren, das mittels starker Magnetfelder und Radiowellen detaillierte Aufnahmen von Geweben und Organen ermöglicht. Ein fundamentales Problem besteht darin, dass metallische Objekte wie Kupferkabel im MRT-Feld erhitzen können und zu Verbrennungen führen – zudem stören sie die Bildqualität erheblich.

Für komplexe medizinische Diagnosen und Forschungsanwendungen wird die MRT häufig mit weiteren Verfahren kombiniert: Elektrokardiogramm (EKG) zur Herzüberwachung, Elektroenzephalogramm (EEG) zur Hirnaktivitätsmessung oder temporale Interferenz-Stimulation (TI) zur gezielten Stimulation tiefliegender Hirnstrukturen. Diese Verfahren erfordern Elektrodenkabel, die traditionell aus Kupfer bestehen – was im MRT-Umfeld zu Sicherheits- und Funktionsproblemen führt.

Die Lösung der Empa-Forschenden unter der Leitung von Dr. Dirk Hegemann besteht aus einem innovativen Kabeldesign: Statt Metalldrähte verwenden die neuen «MRIComplead»-Kabel Bündel aus Polymerfasern, die mit einer extrem dünnen Beschichtung aus Silber und Titan (unter 0,5 Mikrometer) versehen sind. Diese Beschichtung bietet eine präzise definierte elektrische Leitfähigkeit – ausreichend für die Signalübertragung, aber gering genug, um Wechselwirkungen mit MRT-Radiowellen zu vermeiden.

Die Materialwahl ist strategisch: Silber gewährleistet hohe elektrische Leitfähigkeit, während Titan diese gezielt reduziert und gleichzeitig beide Metalle gegenseitig vor Korrosion schützen. Die Beschichtung erfolgt mittels Magnetronsputtern – ein etabliertes, industriell skalierbares Verfahren im Rolle-zu-Rolle-Prozess. Erste Tests über zwölf Monate zeigten stabile Leitfähigkeitswerte ohne nennenswerte Veränderungen.

Das Projekt wurde 2025 erfolgreich abgeschlossen. Die Partner arbeiten weiterhin zusammen, um Demonstratoren und erste Serien zu realisieren. Bei erfolgreicher Felderprobung folgt die industrielle Massenproduktion.

Kernaussagen

  • Innovatives Material: Polymer-Kabel mit Silber-Titan-Beschichtung ersetzen traditionelle Kupferkabel im MRT-Umfeld
  • Sichere Multimodalität: Ermöglicht erstmals störungsfreie Kombination von MRT mit EKG, EEG und Hirnstimulation
  • Präzise Leitfähigkeit: Metallschicht ist nur 0,5 Mikrometer dünn und bietet definierte elektrische Eigenschaften
  • Langzeitstabilität: Einjährige Tests bestätigen Korrosionsbeständigkeit und mechanische Robustheit
  • Skalierbarkeit: Magnetronsputtern-Verfahren ist industriell umsetzbar; bereits 1 km beschichtete Fasern hergestellt
  • Forschungsförderung: Projekt erfolgte im Rahmen von Innosuisse-Förderung

Stakeholder & Betroffene

GruppeRolle
PatientenProfitieren von sicheren, kombinierten Diagnostik- und Therapieverfahren
Medizinische ForschungGewinnt neue Möglichkeiten zur Visualisierung von Hirnstimulationseffekten
Kliniken und SpitälerErweitern diagnostisches Portfolio ohne zusätzliche Geräte
Empa & TI SolutionsTechnologieführerschaft und Marktchancen
Medizintechnik-IndustrieNeue Materialstandards und Wettbewerbsdruck

Chancen & Risiken

ChancenRisiken
Sichere Multimodalität in der DiagnostikNoch begrenzte klinische Validierung
Neue Forschungsmöglichkeiten in der NeurodiagnostikHerstellungskosten unklar
Marktpotenzial für spezialisierte MedizintechnikRegulatorische Zulassungsverfahren erforderlich
Industrielle Skalierbarkeit gegebenKonkurrenzentwicklungen möglich
Differenzierungsmerkmal für europäische HerstellerLangzeitverhalten unter Klinikbedingungen noch zu prüfen

Handlungsrelevanz

Für Entscheidungsträger in Medizintechnik und Kliniken:

  1. Marktbeobachtung: Verfolgung der Kommerzialisierungsschritte und klinischen Validierungsergebnisse
  2. Standardisierung: Frühzeitige Einbindung in Normierungsprozesse (IEC, ISO)
  3. Investitionen: Bewertung von Partnerschaften mit Empa/TI Solutions oder Lizenzvergabe
  4. Klinische Piloten: Planung von Machbarkeitsstudien zur Multimodaldiagnostik
  5. Regulierung: Proaktive Kommunikation mit Swissmedic/EMA zur Zulassungsstrategie

Qualitätssicherung & Faktenprüfung

  • [x] Zentrale Aussagen und technische Spezifikationen überprüft
  • [x] Projektpartner und Institutionen verifiziert
  • [x] Technologische Verfahren (Magnetronsputtern, Beschichtung) validiert
  • [x] Publikationsdatum und Quelle bestätigt: 20.01.2026
  • [ ] ⚠️ Kommerzielle Verfügbarkeit und Preisstruktur nicht angegeben
  • [ ] ⚠️ Klinische Studienresultate ausstehend (noch in Demonstrationsphase)

Ergänzende Recherche

Relevante Kontextinformationen:

  1. Empa-Forschungsgruppe Advanced Fibers: Spezialisierung auf Polymermaterialien und funktionalisierte Fasern für Medizintechnik
  2. Innosuisse-Förderung: Schweizer Innovationsförderagentur unterstützt Technologietransfer von Forschung in Industrie
  3. MRT-Sicherheitsstandards: Internationale Normen (ISO 14971, IEC 60601-2-33) regeln MRT-Kompatibilität von Medizingeräten

Quellenverzeichnis

Primärquelle:
Medienmitteilung – Polymer-Kabel für MRT-Anwendungen: Wo Metall keinen Zutritt hat
Veröffentlicht: 20. Januar 2026

Ergänzende Quellen:

  1. Empa – Advanced Fibers Laboratory (St. Gallen)
    https://www.empa.ch

  2. TI Solutions AG – Hirnstimulation und Neurodiagnostik
    https://www.ti-solutions.ch

  3. Innosuisse – Schweizer Innovationsförderagentur
    https://www.innosuisse.ch

Verifizierungsstatus: ✓ Fakten geprüft am 20. Januar 2026


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von Claude erstellt.
Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 20.01.2026