Kurzfassung

Die Vernehmlassung zum geplanten Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen (KomPG) ist abgeschlossen. Die Vorlage findet breite Resonanz, spaltet aber die Schweizer Parteienlandschaft: Während Befürworter wie die Mitte und Verlegerverbände die Regulierung als notwendig einstufen, kritisiert die SVP das Gesetz als Zensurmassnahme. Grüne, SP und Jugendschutzorganisationen fordern dagegen deutlich stärkere Bestimmungen zum Schutz von Minderjährigen.

Personen

Themen

  • Digitale Regulierung
  • Plattformkontrolle
  • Jugendschutz
  • Meinungsfreiheit
  • Transparenzpflichten

Clarus Lead

Das Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen zielt darauf ab, Transparenz und Sicherheit im digitalen Raum zu stärken. Betroffen sind sehr grosse Plattformen wie Facebook, X, TikTok und Google, die künftig unkomplizierte Meldeoptionen für mutmasslich rechtswidrige Inhalte anbieten müssen. Das Gesetz polarisiert: Während konservative und progressive Kräfte unterschiedliche Gründe für Unzufriedenheit vorbringen, zeigt sich ein breites Spektrum an Interessenkonflikten zwischen Meinungsfreiheit, Jugendschutz und Unternehmensinteressen.

Detaillierte Zusammenfassung

Der Bundesrat schickte die Gesetzesvorlage im Oktober 2025 in die Vernehmlassung; die ursprünglich für März 2024 geplante Verabschiedung wurde nicht erreicht. Das Gesetz soll zunächst nur auf fünf bis fünfzehn grosse ausländische Unternehmen zutreffen, da diese aufgrund ihrer Reichweite die öffentliche Debatte und Meinungsbildung wesentlich beeinflussen.

Die SVP lehnt die Vorlage kategorisch ab und nennt sie „das neue Zensurgesetz". Die Partei argumentiert, die bestehende Rechtsordnung sei zur Verfolgung echter Kriminalität ausreichend; alles Darüberhinausgehende stelle einen Angriff auf Bürgerrechte dar. Zudem kritisiert sie eine unzulässige Zentralisierung von Kompetenzen beim Bund zulasten kantonaler Strafverfolgungshoheit.

Demgegenüber sieht die Mitte die Regulierung als notwendig, fordert aber Verbesserungen bei Minderjährigenschutz, Transparenzpflichten und Krisenmanagement. Grüne, GLP und SP bewerten den Entwurf als deutlich unzureichend. Sie verlangen ein Verbot personalisierter Werbung für Minderjährige, schärfere Regeln gegen KI-generierte sexuelle Inhalte und die vollständige Übernahme des EU-Digital Services Act (DSA).

Medienorganisationen wie der Verlegerverband VSM befürworten die Regulierung ausdrücklich und fordern schnelle Umsetzung, um die bedrohte Medienvielfalt zu schützen. Auch das MAZ Luzern und Fairmedia unterstützen den Entwurf, verlangen aber strengere Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte und nutzerfreundlichere Meldeoptionen.

Kinder- und Jugendorganisationen warnen, dass der aktuelle Schutz hinter EU-Standard zurückbleibt. Sie fordern sichere Voreinstellungen, Werbeeinschränkungen und konkrete Risikominderungspflichten. Die Digitale Gesellschaft Schweiz fordert zudem die Integration von KI-Systemen in den Geltungsbereich und verbindliche Risikoabbaumassnahmen statt nur Analysen.

Der Verband Swico kritisiert wiederum, dass die geplanten Netzsperren des Bundesamts für Kommunikation zu weitreichend seien und Millionen rechtmässiger Nutzer treffen sowie die Meinungsfreiheit einschränken würden.

Kernaussagen

  • Das KomPG regelt erstmals grosse digitale Plattformen in der Schweiz und schafft Meldemechanismen für rechtswidrige Inhalte
  • Die Parteien spalten sich: SVP sieht Zensur; Grüne/SP fordern stärkere Regeln; Mitte und Verleger unterstützen mit Nachbesserungswünschen
  • Jugendschutz ist zentrale Kritikachse: Viele Organisationen fordern EU-ähnliche Standards (DSA-Level)
  • Technische Implementierung (Netzsperren) wird als übergriffig kritisiert
  • Anwendungsbereich zu eng: Kleinere Plattformen wie Telegram sind nicht erfasst

Kritische Fragen

  1. Evidenz/Datenqualität: Auf welchen empirischen Befunden basiert die Bundesrat-Annahme, dass nur fünf bis fünfzehn Unternehmen unter das Gesetz fallen? Wird diese Zahl regelmässig überprüft?

  2. Interessenskonflikte: Wie wird verhindert, dass Netzsperren-Kompetenzen des Bundesamts für Kommunikation zukünftig für politische Zwecke missbraucht werden, wie Swico befürchtet?

  3. Kausalität: Sind Meldeoptionen allein ausreichend, um die Meinungsmacht grosser Plattformen zu begrenzen, oder liegt das Kernproblem – wie SP und Grüne argumentieren – in den Geschäftsmodellen selbst?

  4. Umsetzbarkeit: Wie realistisch ist es, dass Schweizer Behörden globale Plattformen zur Einhaltung neuer Standards verpflichten können, ohne dass diese einfach andere Märkte höher priorisieren?

  5. Nebenwirkungen: Könnte eine nationale Sonderlösung – statt EU-Harmonisierung – zu einem „Schweizer Sonderweg" führen, der für Plattformen teuer ist und letztlich Schweizer Nutzer benachteiligt?

  6. Jugendschutz-Standard: Warum orientiert sich der Entwurf nicht an den bereits europaweit etablierten DSA-Mindeststandards, wenn Kinderschutzorganisationen warnen, dass Schweizer Jugendliche sonst schlechter geschützt wären?

  7. Regulierungsbereich: Sind kleinere, aber wachsende Plattformen wie Telegram wirklich aus dem Gesetz auszunehmen, oder entsteht hier eine Regulierungslücke?

  8. Transparenzbericht: Welche Kontrollmechanismen sollen sicherstellen, dass Plattformen in ihren Transparenzberichten tatsächlich ehrlich über die Häufigkeit rechtswidriger Inhalte berichten?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Plattformregulierung des Bundes stösst auf Kritik – inside-it.ch / Keystone-sda, 16. Februar 2026

Verifizierungsstatus: ✓ 16. Februar 2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 16. Februar 2026