Kurzfassung
Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz haben im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) eine neue Methode zur systematischen Erfassung charakteristischer Schweizer Landschaften entwickelt. Die Methode unterteilt die Schweiz in 100-Meter-Quadrate und ordnet jedem einen entsprechenden Landschaftstyp zu – von naturnahen Landschaften wie Waldweiden und Mooren bis zu siedlungs- oder industriegeprägten Gebieten. Ein Prototyp wurde für den Kanton Zug entwickelt und an den Kantonen Waadt und Graubünden getestet. Die Ergebnisse wurden in einem WSL-Bericht publiziert.
Personen
- Marcel Hunziker (Sozialwissenschafter, WSL Birmensdorf)
Themen
- Landschaftsschutz und Landschaftsentwicklung
- Digitale Kartographie und Geodaten
- Klimawandel und Landschaftsveränderung
- Raumplanung und regionale Identität
Clarus Lead
Schweizer Landschaften verändern sich durch Neubautätigkeit, Verwaldung und Klimawandel – eine Entwicklung, die Planungsbehörden künftig systematisch überwachen müssen. Die neue Landschaftscharaktertypologie schafft eine digitale Grundlage, um regionale Landschaftscharaktere zu dokumentieren und deren Qualität zu bewahren. Indem die Methode sowohl objektive Geodaten als auch subjektive Wahrnehmungsdaten aus dem Programm Landschaftsbeobachtung Schweiz (LABES) kombiniert, bietet sie Planungsbehörden ein praktisches Instrument zur Umsetzung der Schweizer Landschaftspolitik.
Detaillierte Zusammenfassung
Die Forschenden nutzen bestehende Klassifikationen wie den Katalog charakteristischer Kulturlandschaften der Schweiz sowie digitale Karten und Geodaten zur Landnutzung. Durch die Kombination dieser Datenquellen entstand ein räumliches Klassifizierungssystem, das die Schweiz flächendeckend abbildet. Im Kanton Zug beispielsweise wurden 22 verschiedene Landschaftstypen identifiziert und kartographiert.
Ein zentrales Merkmal der Methode ist die Integration von Wahrnehmungsdaten: Weil Landschaft von Menschen erlebt wird, flossen Erkenntnisse aus dem LABES-Programm ein, das erfasst, wie Bevölkerung den Charakter ihrer Landschaften empfindet. Diese subjektiven Daten wurden mit lokalen Fachleuten abgeglichen, um Validität zu sichern. Im Kanton Zug zeigen die Ergebnisse, dass Moor- und Obstwiesenlandschaften als besonders charakteristisch und identitätsstiftend wahrgenommen werden.
Die Methode adressiert ein zentrales Anliegen der Schweizer Landschaftspolitik: die Vielfalt charakteristischer Landschaften und Elemente zu erhalten, während gleichzeitig Veränderungsprozesse dokumentierbar werden. Der Prototyp wurde bereits für drei Kantone (Zug, Waadt, Graubünden) umgesetzt und kartographiert.
Kernaussagen
- Eine neue digitale Methode ermöglicht die systematische Erfassung charakteristischer Schweizer Landschaftstypen auf Basis von 100-Meter-Quadraten.
- Die Methode kombiniert objektive Geodaten mit subjektiven Wahrnehmungsdaten, um regionale Landschaftsidentität zu dokumentieren.
- Planungsbehörden erhalten ein Instrument zur Überwachung von Landschaftsveränderungen und zur gezielten Landschaftsentwicklung.
Kritische Fragen
Datenqualität & Validierung: Wie wurde die Genauigkeit der 100-Meter-Klassifizierung überprüft, und welche Fehlerquoten entstehen durch die Rasterung? Sind die Validierungsergebnisse mit lokalen Fachleuten dokumentiert und veröffentlicht?
Repräsentativität der Wahrnehmungsdaten: Das LABES-Programm erfasst Bürgerperspektiven – wie ist die Stichprobe zusammengesetzt, und werden marginalisierte oder weniger sichtbare Landschaftserfahrungen adäquat abgebildet?
Kausalität von Veränderungen: Die Methode dokumentiert dass Landschaften sich verändern (Neubau, Verwaldung, Klimawandel), aber kann sie zwischen diesen Ursachen differenzieren und ihre jeweilige Wirkung isolieren?
Praktische Umsetzung in der Raumplanung: Welche konkreten Planungsentscheidungen sollen Kantone und Gemeinden auf Basis dieser Typologie treffen, und gibt es bereits verbindliche Richtlinien oder Empfehlungen?
Skalierbarkeit & Wartung: Der Prototyp wurde für drei Kantone getestet – wie aufwändig ist die Ausweitung auf alle 26 Kantone, und wer trägt die Kosten für regelmässige Aktualisierungen?
Interessenskonflikte bei der Wahrnehmung: Können Entwicklungsinteressen (z. B. Baulobby) die Erhebung von Wahrnehmungsdaten beeinflussen, und wie wird Unabhängigkeit der Befragten sichergestellt?
Quellenverzeichnis
Primärquelle: Paket Schweiz-EU (Bilaterale III) – Neue Landschaftscharaktertypologie für die Schweiz – news.admin.ch, 30.06.2026
Publikation: Eine neue Landschaftscharaktertypologie für die Schweiz – WSL Berichte 190(2026)
Verifizierungsstatus: ✓ 30.06.2026
Weitere Sprachen: Französisch | Englisch
Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 30.06.2026