Kurzfassung

Monika Ribar gibt nach 10 Jahren ihre Position als Präsidentin des SBB-Verwaltungsrats ab. Sie sieht die Schweizer Bahnen mit stabilen Betriebsabläufen und hoher Pünktlichkeit, warnt aber vor gravierenden Unterhaltsrückständen: Die SBB erneuert jährlich weniger Gleisstrecke als nötig (2025: 186 statt 230 km), weil die Finanzierung begrenzt ist. Das Ausbauprojekt «Verkehr 45» könnte teurer werden als geplant. Ihr Nachfolger wird André Weiss.

Personen

Themen

  • Schieneninfrastruktur-Finanzierung
  • Eisenbahn-Wartung und Rückstau
  • Ausbauprojekte Schweizer Bahnen

Clarus Lead

Die Schweizer Bahnen stehen an einem kritischen Punkt: Trotz rekordhoher Auslastung und Pünktlichkeit unter Ribar bröckelt die Infrastruktur-Basis. Während der Bund neue Ausbauprojekte plant und finanziert, fehlen dem Betreiber SBB die Mittel zur Erneuerung bestehender Gleise. Der Rückstand wächst schneller, als er aufgeholt wird – ein Signal für künftige Gestaltungskonflikte zwischen ehrgeizigen Expansions-Zielen und der Realität der Instandhaltung.


Detaillierte Zusammenfassung

Ribar betont, dass die Infrastruktur-Probleme nicht aktuellen Versäumnissen entstammen, sondern strukturell sind: Historisch wurde die Abnutzung durch höhere Frequenzen und schwerere Züge unterschätzt. Die systematische Erfassung des Netzzustands 2013 habe erst Transparenz geschaffen. Seitdem «fahren wir auf den Zahnfleisch», wie der SBB-Infrastrukturleiter zusammenfasst. Der Bahninfrastrukturfonds finanziert Betrieb und Unterhalt, ist aber begrenzt. Die detaillierte Planung zeigt einen Bedarf, der die verfügbaren Mittel regelmässig übersteigt.

Zum Ausbau «Verkehr 45» äussert sich Ribar ambivalent. Neue Kapazitäten sind notwendig (Viertelstunden-Takt auf Hauptlinien), doch die Eidgenössische Finanzkontrolle hat recht: Planungs- bis Realisierungszyklen werden länger, Kosten steigen. Ribar rät zu Priorisierung und regelmässiger Hinterfragung, nicht zu Verzicht auf Planung insgesamt. Sie weist auf Digitalisierung hin, die möglicherweise andere Lösungen ermöglicht. Ein Einzelfall wie der umstrittene Grimsel-Tunnel wird sie nicht kommentieren – das sei politisches Terrain, nicht SBB-Sache.


Kernaussagen

  • Unterhaltsrückstand ist strukturell: Finanzrahmen zu klein für notwendige Gleiserneuerung
  • 2025: Nur 186 von 230 nötigen km Fahrbahn erneuert
  • Ausbau «Verkehr 45» birgt Kostenrisiken; Priorisierung und Flexibilität notwendig
  • Operative Stabilität und Pünktlichkeit unter Ribar erreicht, aber Basis bleibt fragil

Weitere Meldungen

  • Einzelwagen-Ladungsverkehr: Ribar bekennt sich zur Fortführung mit neuem Geschäftsmodell, nicht flächendeckend; erfordert politische Unterstützung.
  • Governance im SBB-Management: 8 Männer, 1 Frau in Konzernleitung; Ribar betont Fokus auf Qualifikation und bewusste Kandidaturauswahl, inkl. Sprachregionen-Ausgleich.

Kritische Fragen

  1. Evidenz: Basiert die Aussage „230 km jährlich erforderlich" auf einer objektiven Netzanalyse, oder ist es ein politisches Zielset? Wer validiert diese Zahl unabhängig?

  2. Datenqualität: Der Netzzustandsbericht 2013 schuf erst Transparenz – bedeutet das, dass vorher keine systematische Erfassung existierte, oder fehlte nur die Kommunikation?

  3. Finanzierungstruktur: Warum ist der Bahninfrastrukturfonds für Unterhalt und Ausbau gekoppelt? Wäre eine getrennte Finanzierung politisch nicht machbar?

  4. Kostensteigerungen «Verkehr 45»: Welche Projekte sind davon betroffen, und um wie viel Prozent liegen die aktuellen Schätzungen über den ursprünglichen Kalkulationen?

  5. Priorisierung: Welche Kriterien würde Ribar für die Auswahl zwischen Ausbau und Unterhalt anwenden, wenn das Gesamtbudget nicht wächst?

  6. Folgen des Rückstaus: Wie wirkt sich der Unterhaltsverzug konkret auf Fahrgastsicherheit und Pünktlichkeit aus? Gibt es Schwellenwerte?

  7. Alternativen zu Zugverkehr: Ribar verweist auf E-Lastwagen; unter welchen Bedingungen wäre eine teilweise Substitution des Einzelwagen-Ladungsverkehrs verträglich?

  8. Nachfolger-Strategie: Welche Prioritäten wird André Weiss bei Unterhalt vs. Ausbau setzen, und wie unterscheidet sich sein Ansatz von Ribars?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: «Monika Ribar: Es fällt mir leicht loszulassen» – Tagesgespräch, SRF Radio, 24.04.2026 https://download-media.srf.ch/world/audio/Tagesgespraech_radio/2026/04/Tagesgespraech_radio_AUDI20260424_NR_0021_1e61c83e4a1b4c89b20eb51a48e8ea46.mp3

Verifizierungsstatus: ✓ 27.04.2026


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 27.04.2026