Kurzfassung

Microsoft erhöht die Preise für Microsoft 365 ab Juli 2026 um bis zu 33 Prozent. Die Lizenz «Microsoft 365 E3» kostet nun 39 statt 36 Dollar pro Mitarbeiter und Monat. Der Konzern begründet die Erhöhung mit 1.100 neuen Funktionen, doch die zentrale Neuerung ist die zwangsweise Aktivierung des KI-Chatbots Copilot für alle Unternehmenskunden – unabhängig von Bedarf oder Datenschutzbedenken. Bei einem Unternehmen mit 50.000 Mitarbeitern bedeutet dies zusätzliche Jahreskosten von 1,8 Millionen Dollar. Die Schweizer Wettbewerbskommission prüft die neuen Preise seit Januar 2026.

Personen

  • Reto Vogt (Autor, Kolumnist)
  • Benjamin Lukas Kollmer (Kommentator)

Themen

  • Softwarelizenzierung
  • Künstliche Intelligenz
  • Digitale Souveränität
  • Kartellrecht und Wettbewerb
  • Cloud-Computing

Clarus Lead

Die Preiserhöhung offenbart ein Bündelungsproblem: Kunden zahlen für Copilot, können es aber nicht ablehnen – selbst aus Datenschutzgründen. Dies unterscheidet sich fundamental von gewöhnlicher Marktwirtschaft und erinnert an Microsofts historische Praktiken (Internet Explorer-Integration). Für grosse Organisationen ist ein Wechsel zu Alternativen faktisch unmöglich geworden – zu verfestigt sind Infrastrukturen, zu hoch sind Umstiegskosten. Die Behördenbefassung zeigt, dass regulatorische Grenzen zu verschieben beginnen.

Detaillierte Zusammenfassung

Die Preiserhöhung von 3 Dollar pro Lizenz wirkt marginal, summiert sich aber erheblich: Ein Konzern mit 50.000 Mitarbeitern zahlt monatlich 150.000 Dollar zusätzlich – ein rechnerischer Mehraufwand, den Kritiker jedoch im Kontext der Gehaltssummen (bei 1.800 Euro Durchschnitt etwa 90 Millionen Dollar monatlich) relativieren. Dennoch liegt das zentrale Problem woanders: Copilot ist nicht opt-out-fähig. Nutzer, die den Chatbot ablehnen – sei es aus Datenschutzbedenken oder mangels Bedarf – zahlen trotzdem. Dies ist kein Preismechanismus, sondern erzwungene Bundling.

Die Abhängigkeitsfalle erklärt sich durch wachsene Infrastrukturen, etablierte Workflows und die Karriereerkenntnis vieler CIOs: Ein grosses Migrationsprojekt im späteren Karrierestadium birgt wenig Gewinn und hohe Risiken. Microsoft nutzt dieses Wissen strategisch. Alternative Lösungen wie Proton-Tools (Schweiz) oder Open-Source-Suiten bleiben nischenhaft.

Die Wettbewerbskommission prüft seit Januar 2026. Ein Entscheid steht aus. Parallel diskutieren LinkedIn-Kommentatoren, ob Copilot-Integration legitime KI-Innovation oder unlautere Praktik darstellt – und ob digitale Souveränität bereits in der Architekturphase beginnen sollte, nicht erst beim Umstieg.

Kernaussagen

  • Microsoft bündelt Copilot-Zugang erzwungen in höhere Lizenzen – unabhängig von Kundennutzen oder Datenschutzbedenken
  • Grossunternehmen tragen Mehrkosten im zweistelligen Millionenbereich pro Jahr, können aber nicht ausweichen
  • Regulatorische Prüfung läuft; historische Parallelen zu Kartellverfahren gegen Betriebssystem-Bundling entstehen
  • Debatte signalisiert Verschiebung: Von Kostenvergleichen hin zu Fragen der digitalen Abhängigkeit und Souveränität

Kritische Fragen

  1. Datenqualität: Wie valide ist Microsofts Nennung von „1.100 neuen Funktionen"? Gibt es unabhängige Audits zur tatsächlichen Nutzungsquote dieser Features?

  2. Interessenkonflikt: Profitiert Microsoft finanziell mehr von Copilot-Zugriffsdaten (Training, Insights) als vom reinen Lizenzpreis, und werden diese Anreize transparent kommuniziert?

  3. Kausalität: Ist die Preiserhöhung kausal durch Copilot-Integration gerechtfertigt, oder hätte Microsoft die Preise auch ohne KI erhöht – und nutzt Copilot nur als Rechtfertigung?

  4. Alternativen: Welche technisch und kommerziell gleichwertigen Alternativen (Google Workspace + Gemini, Open-Source-Suites) existieren wirklich, und warum scheitern Migrationen primär an technischer Trägheit statt an tatsächlicher Unmöglichkeit?

  5. Kartellrecht: Erfüllt die Weigerung, Copilot abzuwählen (auch kostenpflichtig), die Kriterien für unlautere Geschäftspraktiken nach EU-Kartellrecht oder Schweizer Kartellgesetz?

  6. Umsetzungsrisiken: Welche Datenschutz- und Sicherheitsrisiken entstehen durch die erzwungene Copilot-Aktivierung in regulierten Sektoren (Gesundheit, Finanzen, Recht)?


Quellenverzeichnis

Primärquelle: Reto Vogt: Microsoft erhöht Preise für Microsoft 365 – LinkedIn-Beitrag – 3. Januar 2026

Ergänzende Diskussion:

  • Kommentare: Benjamin Lukas Kollmer, Kenneth Ritley, Anja Senke, Sarah Burkhard (LinkedIn-Thread, 3. Januar 2026)

Verifizierungsstatus: ✓ 3. Januar 2026

Weitere Sprachen: Französisch | Englisch


Dieser Text wurde mit Unterstützung eines KI-Modells erstellt. Redaktionelle Verantwortung: clarus.news | Faktenprüfung: 3. Januar 2026