Kurzfassung
Unter dem Schlagwort „digitale Souveränität" debattieren deutsche Politiker seit der Trump-Präsidentschaft intensiver über IT-Unabhängigkeit. Trotzdem setzen die meisten Bundesländer weiterhin auf Microsoft Office und planen sogar Migrationen in US-amerikanische Cloud-Dienste. Nur Schleswig-Holstein verfolgt konsequent eine Open-Source-Strategie. Der Wechsel in die Cloud erhöht die Abhängigkeit von Microsoft erheblich und birgt Risiken durch mögliche US-Sanktionen.
Personen
- Donald Trump
Themen
- Digitale Souveränität
- Cloud-Migration
- Open-Source-Strategien
- Datenschutz und IT-Sicherheit
- Föderale IT-Politik
Detaillierte Zusammenfassung
Die Diskussion über digitale Souveränität hat in Deutschland an Bedeutung gewonnen, seit Donald Trump die USA regiert. Die Digitalministerkonferenz der Länder hat im November deutlich gemacht, dass digitale Souveränität „eine grundlegende Voraussetzung für die technologische und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit Deutschlands und Europas" darstellt.
Eine Umfrage der Fachzeitschrift c't unter den Landesregierungen offenbart jedoch ein widersprüchliches Bild: Während Souveränität propagiert wird, verlassen sich die meisten Bundesländer bei ihrer Office-Software weiterhin auf den US-amerikanischen Anbieter Microsoft. Lediglich Schleswig-Holstein hebt sich mit einer konsequenten Open-Source-Strategie ab.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei grossen Bundesländern wie Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Diese planen oder vollziehen bereits eine Migration von selbstverwalteten Microsoft-Systemen (On-Premise-Lösungen) hin zu Cloud-Diensten in den Rechenzentren des US-Konzerns. Als Begründung führen die Länder an, dass Microsoft seine Office-Pakete mittelfristig ohnehin nur noch als Cloud-Service anbieten werde.
Der Wechsel zur Cloud verstärkt die Abhängigkeit von Microsoft jedoch erheblich. Behörden werden nicht nur abhängig von regelmässigen Sicherheitsupdates aus dem Microsoft-Hauptquartier in Redmond, sondern müssen auch darauf vertrauen, dass der Konzern seine Dienste nicht unerwartet unterbricht – etwa aufgrund von US-Sanktionen. Ein solcher Unterbruch könnte Behörden von einem Moment auf den anderen ihre E-Mail- und Videokonferenzfähigkeiten nehmen.
Diese Entwicklung steht in einem Spannungsverhältnis zu europäischen und deutschen Datenschutzzielen sowie zur proklamierten Strategie der digitalen Souveränität.
Kernaussagen
- Trotz verstärkter Rhetorik zur „digitalen Souveränität" setzen 15 von 16 Bundesländern weiterhin auf Microsoft Office
- Mehrere grosse Bundesländer migrieren sogar von selbstverwalteten Systemen zu Cloud-Lösungen des US-Konzerns
- Schleswig-Holstein bleibt die Ausnahme mit seiner konsequenten Open-Source-Strategie
- Cloud-Migration erhöht die Abhängigkeit und Sicherheitsrisiken durch mögliche US-Sanktionen
- Behörden argumentieren mit technologischen und wirtschaftlichen Zwängen (zukünftige Cloud-only-Strategie von Microsoft)
Metadaten
Sprache: DeutschQuelle: heise.de
Artikel: Microsoft-Cloud vs. Delos vs. openDesk: Die Office-Pläne der Bundesländer
Original-URL: https://www.heise.de/hintergrund/Microsoft-Cloud-vs-Delos-vs-openDesk-Die-Office-Plaene-der-Bundeslaender-11074188.html
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