Executive Summary
Die Bevölkerungsschutzkonferenz 2025 in Biel hat Potenziale modernster Technologien für die Erdbebenvorsorge und -bewältigung in der Schweiz aufgezeigt. Künstliche Intelligenz, Robotik und Big-Data-Analysen sollen künftig zur Frühwarnung, Opferortung und Koordination eingesetzt werden, wobei die Datenschutzfragen noch zu klären sind. Angesichts der "sich stark verschlechternden sicherheitspolitischen Lage" betont die Konferenz die Bedeutung des Bevölkerungsschutzes als zentrales Element der nationalen Sicherheitsarchitektur und verstärkt den Fokus auf die interkantonale Zusammenarbeit.
Kritische Leitfragen
- Wie kann die Balance zwischen technologischer Innovation im Katastrophenschutz und dem Schutz der Privatsphäre (besonders bei Mobilfunkdaten) gewährleistet werden?
- Inwieweit sind die vorgestellten technologischen Lösungen bereits praxistauglich, und welche Abhängigkeiten entstehen durch deren Implementierung?
- Welche konkreten Massnahmen sind nötig, um die propagierte "gesellschaftliche und individuelle Resilienz" tatsächlich zu stärken und messbar zu machen?
Kernfakten
- Teilnehmer: Über 300 Vertreter von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, technischen Diensten und Zivilschutz
- Veranstalter: Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS)
- Fokusthemen: Zwölf globale Megatrends (KI, Big Data, Drohnen) und deren Anwendung bei Erdbeben
- Technologiefokus: Frühwarnsysteme durch KI, Robotik zur Opfersuche, Gebäudezustandsanalyse durch Digitalisierung
- Datenschutzherausforderung: Nutzung anonymisierter Mobilfunkdaten zur Verhaltensanalyse der betroffenen Bevölkerung
Kontext und Bedeutung
Die Konferenz findet in einem Umfeld statt, das Bundesrat Martin Pfister als "sich stark verschlechternde sicherheitspolitische Lage" beschreibt. Erdbeben wurden als Schwerpunkt gewählt, da sie vom Bevölkerungsschutz die meisten Fähigkeiten zur Grossereignisbewältigung erfordern und ein besonders hohes Schadenspotenzial aufweisen. Die Veranstaltung verdeutlicht das Bestreben der Schweiz, moderne Technologien zur Katastrophenprävention einzusetzen und gleichzeitig die föderale Struktur durch verstärkte Zusammenarbeit zu stärken.
Zukunftsperspektiven
Kurzfristig (1 Jahr): Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen im Bereich der Katastrophenvorsorge mit Fokus auf technologische Innovation und Datenaustausch.
Mittelfristig (5 Jahre): Integration von KI-gestützten Frühwarnsystemen und Robotik in bestehende Einsatzkonzepte, verbunden mit datenschutzkonformen Lösungen zur Nutzung von Mobilfunkdaten.
Langfristig (10-20 Jahre): Entwicklung eines umfassenden, technologisch unterstützten Bevölkerungsschutzsystems mit präventiven Elementen, das individuelle und gesellschaftliche Resilienz fördert und internationale Hilfe koordiniert.
Handlungsimplikationen
Entscheidungsträger im Bereich Bevölkerungsschutz sollten:
- Die Balance zwischen technologischer Innovation und Datenschutz aktiv gestalten
- Konkrete Implementierungspläne für die vorgestellten Technologien entwickeln
- Resilienzziele quantifizierbar machen und in Ausbildungskonzepte integrieren
- Vernetzungsstrukturen zwischen kantonalen und bundesweiten Akteuren stärken
- Internationale Koordinationsmechanismen für den Katastrophenfall optimieren
Quellen
Primärquelle:
Megatrends und Erdbebenresilienz im Fokus der Bevölkerungsschutzkonferenz
Bundesamt für Bevölkerungsschutz, 25. November 2025