Kurzfassung

Eine weltweite Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC unter über 4.400 CEOs zeigt eine erhebliche Diskrepanz zwischen hohen Erwartungen und ernüchternder Realität beim Einsatz von künstlicher Intelligenz in Unternehmen. In Deutschland berichten nur 11 Prozent der befragten Führungskräfte von höheren Umsätzen durch KI, während weltweit 29 Prozent davon sprechen. Besonders bemerkenswert: Nur zwei Prozent der deutschen Unternehmen konnten gleichzeitig Umsatzsteigerungen und Kosteneinsparungen durch KI-Einsatz erreichen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass fehlende Datengrundlagen, strategische Planung und Unternehmenskultur zentrale Hürden für erfolgreiche KI-Implementierung darstellen.

Personen

Themen

  • KI-Adoption in Unternehmen
  • Messbarer ROI von Künstlicher Intelligenz
  • Datenbasis und strategische Grundlagen
  • Unternehmenskultur und Talentgewinnung
  • Digitale Transformation
  • Wettbewerbsfähigkeit durch KI

Detaillierte Zusammenfassung

Der 29. Global CEO Survey der Beratungsgesellschaft PwC offenbart ernüchternde Ergebnisse zur praktischen Umsetzung von künstlicher Intelligenz in Unternehmen weltweit. Die Studie basiert auf Befragungen von über 4.400 CEOs aus 95 Ländern und zeigt ein konsistentes Bild: Während massive Investitionen in KI-Infrastruktur erfolgen, bleiben messbare Geschäftsergebnisse überwiegend aus.

In Deutschland fällt die Bilanz besonders schwach aus. Lediglich 11 Prozent der befragten Geschäftsführer berichten von höheren Umsätzen durch KI-Einsatz, während es global immerhin 29 Prozent sind. Bei der Kostenersparnis zeigt sich ein ähnliches Bild: 16 Prozent der deutschen CEOs sprechen von gesunkenen Kosten, weltweit sind es 26 Prozent. Noch dramatischer wird es, wenn man simultane Erfolge in beiden Bereichen betrachtet – nur zwei Prozent der deutschen Unternehmen gelang es, durch KI sowohl Umsätze zu steigern als auch Kosten zu senken. Global liegt dieser Anteil bei immerhin 12 Prozent.

Die Mehrheit der befragten Führungskräfte zieht eine negative Bilanz: Weltweit sehen 56 Prozent der CEOs keine besseren Geschäftsergebnisse durch ihre KI-Investitionen. In Deutschland ist die Skepsis sogar noch grösser – zwei Drittel der Befragten berichten von keinem messbaren Erfolg ihrer KI-Grundlagen und Pilotprojekte.

Petra Justenhoven, Deutschlandchefin von PwC, kommentiert diese Ergebnisse deutlich: „Die Ergebnisse zur KI-Adoption zeigen eine Diskrepanz zwischen hohen Erwartungen und einer ernüchternden Realität. Wir sehen eine grosse Bereitschaft, in KI zu investieren – aber nur eine kleine Minderheit von Unternehmen erzielt damit auch messbare Ergebnisse." Sie kritisiert insbesondere die fehlende Fähigkeit von Unternehmen, sich durch KI vom Wettbewerb zu unterscheiden und neue Erlösquellen zu erschliessen.

Diese Befunde werden durch eine parallel durchgeführte Studie der Boston Consulting Group bestätigt. Darin gaben 60 Prozent von etwa 1.250 befragten Unternehmen zu, praktisch keinen materiellen Mehrwert aus ihren erheblichen KI-Investitionen erzielt zu haben. Weitere 35 Prozent verzeichneten zwar einige Fortschritte, gaben aber zu, nicht schnell genug voranzukommen. Nur fünf Prozent der untersuchten Unternehmen erreichen einen KI-Mehrwert im grossen Massstab.

PwC-Berater Nico Reichen erklärt die Gründe für diese Diskrepanz: KI sei „keine Wunderwaffe". Ohne eine verlässliche Datenbasis und ein skalierbares technisches Fundament bleiben KI-Initiativen oberflächlich und wirkungslos. Unternehmen müssen ihrer Ansicht nach zunächst ihre „Hausaufgaben machen" – also grundlegende strukturelle und organisatorische Voraussetzungen schaffen. Andernfalls wirkt KI als Verstärker bestehender Probleme statt als strategischer Hebel.

Neben technologischen Aspekten sind laut PwC-Analyse folgende Faktoren für erfolgreiche KI-Implementierung entscheidend: zuverlässige Datenbereitstellung, eine realistische Entwicklungsplanung, ausreichende finanzielle Mittel, eine KI-freundliche Unternehmenskultur und aktive Talentakquisition im Bereich KI. Die fehlende Vernetzung dieser Faktoren führt zu gescheiterten Implementierungen.

Trotz dieser kritischen Befunde sieht PwC keine grundsätzliche Eignung von generativer KI in Frage gestellt. Stattdessen fordert die Beratungsgesellschaft Unternehmen auf, ihre Anstrengungen nicht zu reduzieren, sondern zu intensivieren. Justenhoven warnt besonders deutsche Unternehmen: Deutschland hinke ohnehin schon hinter anderen Ländern hinterher. Sie prognostiziert, dass 2026 ein Schlüsseljahr sein könnte, in dem KI-Vorreiter den Rest des Marktes deutlich abhängen.

Kernaussagen

  • Nur 11 Prozent der deutschen CEOs berichten von Umsatzsteigerungen durch KI, während es global 29 Prozent sind
  • Lediglich zwei Prozent der deutschen Unternehmen erzielen simultane Erfolge bei Umsatzwachstum und Kostenersparnis
  • Zwei Drittel der befragten deutschen Führungskräfte sehen keine messbaren Geschäftsergebnisse ihrer KI-Investitionen
  • Fehlende Datenbasis, mangelnde strategische Planung und problematische Unternehmenskultur sind Haupthindernisse für erfolgreiche KI-Implementierung
  • Unternehmen müssen grundlegende organisatorische Voraussetzungen schaffen, bevor KI zu strategischen Vorteilen führt
  • Deutschland läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren – 2026 könnte ein entscheidendes Jahr für die weitere Differenzierung werden

Metadaten

Sprache: Deutsch
Autor: Axel Kannenberg

Quelle: Heise News
Original-URL: https://www.heise.de/news/KI-enttaeuscht-bislang-die-CEO-Hoffnungen-11147892.html
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